September 17, 2008 von fromrussia
Das Gezocke an den “wertschöpfenden” Börsen und das Desaster auf dem Immobilienmarkt frißt seine Kinder. Eine Bank nach der anderen hat Berichtigungsbedarf in den manchmal allzu kreativ geführten Büchern. Und endlich hört auch das Gemecker der Neoliberalen über “den Staat” auf, soll sich doch der Vielgescholtene jetzt um die Rettung der “Monopoly-Spieler” kümmern, mit Steuergeldern versteht sich. Die EU Zentralbank läßt sich nicht lumpen, geht es doch um “die Rettung” des angeschlagenen Bankensektors und damit “um uns alle”.
Wirklich uns alle? Ich habe da so meine Zweifel. Erst Zocken und abkassieren, dann verspielen und nun dürfen sich alle daran beteiligen. M.a.W. Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren, na prima. Die Banken sind “Opfer”, das läßt sich leicht sagen. “Wir waren es nicht … der andere war es.” Das kennt man schon aus der Sandkiste. Tatsache ist, alle wollten schnell reich werden, am besten gestern. Und … haben sich vertan beim globalen Monopoly.
Börsen und Analysten haben es geschafft … leider erst bis kurz vor den “Super-GAU”. Aber ich bin sicher, Ihr schafft das schon uns vollständig zu beglücken und einen richtigen Wirtschafts-Gau hinzubekommen. Erst springt der ansonsten verteufelte Staat ein um Euch über Eure verzockten Monopoly-Gelder zu helfen. Dann, wenn sich der Sturm gelegt hat dann gilt “Business as usual”. Und in der Zwischenzeit beruhigt das Institut der deutschen Wirtschaft die Massen wenn es verkündet daß die Einkommen garnicht so ungleich verteilt sind und die Armutsbedrohung abgenommen habe. Jedenfalls wird es so in der Presse heute zitiert. Wer die Pressemitteilung aber ganz liest wird einen ganz anderen Eindruck gewinnen müssen.
Wer angesichts der allgegenwärtigen neoliberalen Propaganda nicht vollends verblöden will, dem empfehle ich die “andere Sicht der Dinge”. Vielleicht an einem verregneten Samstag zu lesen?
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August 5, 2008 von fromrussia
Integration von Ausländern ist ein Problem in Deutschland, aber, wie wir unlängst gesehen haben, nicht nur dort. Wie dem auch sei, daß Integration wichtig ist wird derjenige bezeugen können, der mit den Ergebnissen mangelhafter Integration konfrontiert wird. Grundschullehrer aus Berlin-Neukölln könnten da sicher einiges dazu erzählen.
Daß andererseits zu viel “Integration” auch ihre Probleme haben kann, davon kann ich nach dem heutigen Tag selbst ein Lied singen. Der Anlaß: Besuch auf “meiner” Bank in Kiew, aber der Reihe nach.
und hier geht es zu Monopoly-Spielern und
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August 4, 2008 von fromrussia
Daß Google die Suchmaschine schlechthin ist und seine Konkurrenten Yahoo und MSN schon lange abgehängt hat, daran besteht wohl kein ernsthafter Zweifel. Google weitet sich immer mehr aus und ist mittlerweile von der reinen Suchmaschine zum Anbieter vieler Lösungen avanciert.
Den Kalender kann man da führen, seine Fotos mittels Picasa ins Netz stellen und Google Maps und Google Earth sind Anwendungen die heute fast jedes Kind kennt und die den Einstieg in geodatengestützte Anwendungen eröffnen. Kein Wunder daß Google Maps auch auf dem neuesten iPhone zu finden ist.
Da hat es ein Newcomer erfahrungsgemäß schwer. Der Newcomer von dem hier die Rede sein soll ist “Cuil” = sprich “cool”. Ob die neue Suchmaschine, die von ehemaligen Mitarbeitern des Riesen “Google” ins Leben gerufen wurde, wirklich cool ist, läßt sich nach einigen Tagen Existenz im Internet sicher nicht abschließend beurteilen. Auch Google hat seine Zeit gebraucht um still und heimlich an seinen Mitwettbewerbern vorbeizuziehen. Daher sind vorschnelle Urteile m.E. nach völlig neben der Sache. Sicher kann man von dem neuen Dienst nicht das erwarten, was Google in jahrelanger Arbeit aufgebaut hat. Aber auf die Dauer könnte sich der David vielleicht zu einer echten Alternative zum Goliath “Google” mausern. Man wird sehen.
Auf alle Fälle bin ich in einer Suchmaschine schon mal Nummer eins, “Cuil” listet meinen Twitterfeed als Nummer eins dann auf, wenn man “fromrussia” als Suchkriterium eingibt. Na schaun wir mal. Ich werde “Cuil” jedenfalls ab und an zu Rate ziehen, und sei es nur um zu sehen ob der Kleine sich weiterentwickelt hat. Konkurrenz schadet jedenfalls in keinem Fall, oder ?
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August 4, 2008 von fromrussia
Gestern starb der russische Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn im Alter von 89 Jahren in Troitse-Lykovo in der Nähe von Moskau. Solschenizyn, der u.a. mit dem “Archipel Gulag” bekannt geworden war und der 20 Jahre zwangsweise außerhalb Rußlands leben mußte, kehrte 1994 in seine Heimat zurück. Solschenizyn war Zeit seines Lebens ein Patriot seiner Heimat und Verfechter der Slawophilen.
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August 3, 2008 von fromrussia
Der eine oder die andere kennt sicher das Buch von Henry Miller, der auch Bücher wie der „Wendekreis des Krebses“ geschrieben hat. Daß die Bücher nicht unbedingt als Kinderliteratur durchgehen, das wissen wohl viele. Hier soll es weniger um Henry Miller gehen, als vielmehr einmal um „Silent days in Kiew“. Normalerweise ist Kiew im Sommer zwar nicht gerade ein beschaulicher Platz, aber ruhiger als sonst ist es schon. Große Teile der Bevölkerung sind in die Sommerfrische auf die Datscha oder an das Schwarze Meer auf die Krim gefahren. Zunehmend machen sich die Ukrainer auch auf ihre Nachbarn zu besuchen und fahren in die Türkei. Die ist, ganz nebenbei gesagt, auch erheblich billiger und der Service ist auch besser, wie selbst eingefleischte Patrioten zugeben.
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Juli 31, 2008 von fromrussia
Auf einem Treffen in der Stadt Gagarin im Oblast Smolensk war es dem russischen Präsidenten Dmitry Medvedev heute anzusehen. Dima war sauer, aber gründlich. Anlaß: Auf dem Treffen an dem auch der Innenminister und der Generalstaatsanwalt teilnehmen, wurde die Situation von Klein- und Mittelunternehmen, insbesondere deren häufige Besuche durch die “rechtswahrenden Organe” zum Thema.
Unmißverständlich forderte der Präsident auf, diese “Besuche”, deren Ergebnis pekuniäre Zuwendungen seitens der Unternehmer sind, umgehend einzustellen und die Betriebe nicht länger einzuschüchtern. Auch den Unternehmern müsse klar sein daß sie mit ihren Geldzuwendungen den Teufelskreis nur stabilisieren.
Der Bereich der Klein- und Mittelunternehmen ist dem russischen Präsidenten zufolge ein strategischer Bereich der weiteren Entwicklung der Wirtschaft Rußlands und stehe daher unter der besonderen Aufmerksamkeit des Präsidenten.
Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, wies der Präsident zugleich darauf hin, daß mit dem heutigen Tage ein “Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung der Korruption” in Kraft trete. Für die Umsetzung haben die Regionen zu sorgen – na Dima, ob das ne gute Idee ist? Jedenfalls haben in absehbarer Zukunft bestimmte Berufsgruppen detailliert über ihre Einkünfte Rechnung zu legen. Zu diesen Berufsgruppen gehören u.a. Milizionäre, Richter und Angehörige des Zolls.
Man darf gespannt sein wie schnell die Betroffenen “kreative Gegenlösungen” entwickeln. Da feiert dann die russische Kreativität fröhliche Urstände, Ideen hätte ich da schon, wenn ich nur an die von ehemaligen Zollmitarbeitern in Tver gegründete Zollabfertigungsfirma denke … alles furchtbar legal und doch … nicht ganz sauber.
Hoffentlich kommt nicht der unlängst selbst vom Präsidenten zitierte Satz des russischen Schriftstellers und Satirikers Michail Jewgrafowitsch Saltykow-Schtschedrin zum Tragen “Die Härte des russischen Gesetzes wird dadurch kompensiert, das man es nicht unbedingt befolgen muß.”
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Juli 31, 2008 von fromrussia
Mit diesem Begriff umschreibt man den Brauch im alten Rom das Volk mittels Brot und Spielen ruhig zu stellen. Daß dieser gute Brauch nicht ausgestorben ist, dafür ist u.a. das Kiew heutiger Tage ein gutes Beispiel.
Anlaß der Volksbelustigung: Die Feier 1020 Jahre Christianisierung der Kievskaya Rus. Vor 1020 Jahren im Jahre 988 soll die Christianisierung der Kiewer Rus unter Großfürst Wladmir I., dem Heiligen stattgefunden haben. Heidnische Götterbilder wurden zerstört und in den Dnepr geworfen. Das Christentum wurde Staatsreligion am Dnepr.
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Juli 26, 2008 von fromrussia
Ich hatte bis vor kurzem eine Email Adresse beim APPLE Dienst Dotmac. ist nicht kostenlos, hatte aber alles was ich brauche und schöne Geburtstagskarten konnte man auch noch verschicken. Dann kam das “Klicki-Bunti-Team” von APPLE auf die Idee uns alle zwangszubeglücken. Wir wurden nicht gefragt ob wir denn was Neues wollen, in Cupertino wurde festgelegt daß wir all was Neues bekommen, ob wir wollen oder nicht. Unter Vladimir Putin nannte man das “gelenkte Demokratie” und hat ab und zu zweifellos seine Vorzüge, wenn man ausufernde Oligarchen “begrenzt” z.B., aber hier ?
Der neue Apple “Service” nennt sich “Mobile Me” und soll sich u.a. dadurch auszeichen, daß die Email “gepusht” wird, m.a.W. wer ein iPhone sein eigen nennt, hat hier keiner in der Ukraine, jedenfalls nicht offiziell, dem soll das System in regelmäßigen Abständen die Email rüberschicken = pushen.
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März 17, 2008 von fromrussia
Rußland ist ein Land der Gegensätze, nicht nur geografisch gesehen. Dauerfrostbodenregionen im hohen Norden auf der einen Seite und Mittelmeerflair am Schwarzen Meer auf der anderen Seite, das sind die geografischen Gegensätze. Unermeßlicher Reichtum auf der einen Seite, Leute die sich ganze Fußballclubs kaufen auf der einen Seite und kaum vorstellbare Armut auf der anderen Seite kennzeichnen die Gesellschaft in Rußland. Der Flair des neu eröffneten Ritz-Carlton Moskau, den man neulich in einer Sendung der Deutschen Welle bewundern konnte, ist ebenso vorhanden wie der Behinderte den die russische Gesellschaft zu vergessen haben scheint.
Nach Angaben des russischen Fernsehens sind ca. 13 Millionen Einwohner der russischen Föderation behindert (Invalide werden sie hier genannt). Viele von ihnen sind Kinder und Jugendliche und ob die Zahl die dort genannt wurde auch die Opfer des Teschetschenienkrieges beinhaltet, entzieht sich meiner Kenntnis. Noch immer haben Behinderte hier, wie auch in Deutschland, mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die ihnen eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben unmöglich macht. Behindertengerechte Bürgersteige, die man bereits teilweise in St. Petersburg sehen kann, sind anderenorts noch nicht vorhanden. Öffentliche Verkehrsmittel sind behindertenfeindlich und wer einmal selbst in einen russischen Trolleybus oder eine russische Straßenbahn gestiegen ist, der wird wissen wovon ich rede.
Ab und zu kann der Besucher von Moskau oder St. Petersburg betteltende Leute in Armeekleidung und mit Orden behängt in der Moskauer U-Bahn sehen. Bei diesen Behinderten handelt es sich – leider – größtenteils um Menschen, die aus den Regionen nach Moskau gebracht werden und die das von ihnen Erbettelte am Abend an mehr als zweifelhafte Organisationen abliefern und die dafür den Behinderten einen Anteil überlassen. Straff organisiert machen diese Gruppen aus dem Elend ein Geschäft und ob man dem Bettelnden etwas gibt bleibt schließlich jedem selbst überlassen.
Viele Organisationen aus Rußland und dem Ausland versuchen, den Behinderten in Rußland zu helfen. So auch die deutsche Organisation “Aktion Augenlicht” oder die tschetschenische Organisation “Spasiyem polkolenie“. Die Organisation “Aktion Augenlicht“, die neben Hilfe für Kinder in Tschetschenien auch Hilfe in Sri Lanka und Rumänien leistet, ist solch eine Organisation. In einem Bericht der Deutschen Welle vom heutigen Morgen wurde die Arbeit der Organisation etwas näher erläutert. Man kann sicher darüber streiten ob solch eine Art der Hilfe “etwas bringt”. Aber im Gegensatz zu manch “groß angelegter Hilfe” wird hier einfach gehandelt nach dem Motto “Es gibt nichts Gutes außer man tut es.” Und das finde ich gut.
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März 13, 2008 von fromrussia
Was zum Teufel sind wieder “Intercultural challenging days”? Zum Ersten könnte man es mit “Interkulturell herausfordernde Tage” übersetzen, ich würde es allerdings eher als “Interkulturell problematische Tage” bezeichnen wollen. Seitdem wir aber im Deutschland, in dem es ja auch nur so von “jungen dynamischen Teams” wimmelt, was eine bessere Bezeichnung für eine Ansammlung pickelgesichtiger, unterbezahlter und ahnungsloser Berufsanfänger ist – eben in diesem Deutschland haben wir keine Probleme mehr, sondern nur noch Herausforderungen (”Challenges”) denen wir uns mutig, wie weiland Siegfried dem Drachen, stellen. Das Thema “Murksdeutsch” hatten wir ja schon mal und soll deshalb hier nicht erneut breitgetreten werden.
Und was sind diese “Interkulturell problematischen Tage”? Das sind die Tage an denen man die Ukraine prima findet …. wenn nur die Ukrainer nicht wären, oder an denen uns die Ukraine insgesamt gestohlen bleiben könnte und man am liebsten auf dem heimatlichen Sofa liegen würde in der Gewißheit daß der nächste ALDI nur etwa 1 Km weit entfernt ist.
Das sind die Tage, an denen eine einfache Banküberweisung die gesamte Besatzung einer ukrainischen Bankfiliale so in helle Aufregung vesetzt wie man es sonst nur beim roten Alarm auf dem Raumschiff Enterprise im Fernsehen sieht. Das sind die Tage an denen man sich unendlich weit weg von der Ukraine wünscht und an einem Platz landen möchte, wo kein “Möchtegern-Schumacher” bei Rot noch mal schnell über die Ampel fährt ohne auch nur im geringsten Notiz davon zu nehmen wer den Zebrastreifen gerade überquert, m.a.W. einfache Tage an denen man die Ukraine, oder wahlweise auch Rußland, gründlich satt hat.
Und gestern war einfach so ein Tag, auch wenn die Sonne schien. Ich will es nicht schwarz in schwarz malen. Viele Leute können unheimlich nett sein und sie sind es, die einem dann immer wieder den “Kick zum Weitermachen” geben. So fallen mir die Trainingsteilnehmer in Simferopol neulich ein, die Mitarbeiter in Charkov, deren Empfang einfach unbeschreiblich war, die Begleitung vor Ort in Lvov, die trotz Feierabend es sich nicht nehmen ließ mit uns in das Opernhaus zu gehen, Ludmila, die trotz ihres Rentenalters noch immer begeistert ist wenn sich endlich auch nur winzige Kleinigkeiten im System ändern und die uns “hinter die Kulissen schauen läßt”. Alle diese Leute gibt es. Und die machen die Ukraine liebenswert.
Einfach mal wieder raus aus der Ukraine, ich denke das ist ein “muß”, so einfach ist das. Und nach ein paar Tagen “Gartenzwergland Deutschland” sehnt man sich dann wahrscheinlich wieder nach dem auch liebenswerten Chaos, dem ewigen Stau auf den Straßen, dem Kamikaze-Fahrstil im Kiewer Feierabendverkehr, dem Bier im Golden Gate und dem Deutschenstammtisch am Freitag bei dem wir uns immer wieder erzählen können was wir doch für “tolle Typen” sind, überleben fernab der Heimat.
Ok, genug schwadroniert.
Ich denke die Ukrainer haben es auch nicht immer leicht mit uns. Kiew kann auch ganz schön sein, wenn, ja wenn nicht … aber das hatten wir schon.
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