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Rußland ist ein Land der Gegensätze, nicht nur geografisch gesehen. Dauerfrostbodenregionen im hohen Norden auf der einen Seite und Mittelmeerflair am Schwarzen Meer auf der anderen Seite, das sind die geografischen Gegensätze. Unermeßlicher Reichtum auf der einen Seite, Leute die sich ganze Fußballclubs kaufen auf der einen Seite und kaum vorstellbare Armut auf der anderen Seite kennzeichnen die Gesellschaft in Rußland. Der Flair des neu eröffneten Ritz-Carlton Moskau, den man neulich in einer Sendung der Deutschen Welle bewundern konnte, ist ebenso vorhanden wie der Behinderte den die russische Gesellschaft zu vergessen haben scheint.

Nach Angaben des russischen Fernsehens sind ca. 13 Millionen Einwohner der russischen Föderation behindert (Invalide werden sie hier genannt). Viele von ihnen sind Kinder und Jugendliche und ob die Zahl die dort genannt wurde auch die Opfer des Teschetschenienkrieges beinhaltet, entzieht sich meiner Kenntnis. Noch immer haben Behinderte hier, wie auch in Deutschland, mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die ihnen eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben unmöglich macht. Behindertengerechte Bürgersteige, die man bereits teilweise in St. Petersburg sehen kann, sind anderenorts noch nicht vorhanden. Öffentliche Verkehrsmittel sind behindertenfeindlich und wer einmal selbst in einen russischen Trolleybus oder eine russische Straßenbahn gestiegen ist, der wird wissen wovon ich rede.

Ab und zu kann der Besucher von Moskau oder St. Petersburg betteltende Leute in Armeekleidung und mit Orden behängt in der Moskauer U-Bahn sehen. Bei diesen Behinderten handelt es sich - leider - größtenteils um Menschen, die aus den Regionen nach Moskau gebracht werden und die das von ihnen Erbettelte am Abend an mehr als zweifelhafte Organisationen abliefern und die dafür den Behinderten einen Anteil überlassen. Straff organisiert machen diese Gruppen aus dem Elend ein Geschäft und ob man dem Bettelnden etwas gibt bleibt schließlich jedem selbst überlassen.

Viele Organisationen aus Rußland und dem Ausland versuchen, den Behinderten in Rußland zu helfen. So auch die deutsche Organisation “Aktion Augenlicht” oder die tschetschenische Organisation “Spasiyem polkolenie“. Die Organisation “Aktion Augenlicht“, die neben Hilfe für Kinder in Tschetschenien auch Hilfe in Sri Lanka und Rumänien leistet, ist solch eine Organisation. In einem Bericht der Deutschen Welle vom heutigen Morgen wurde die Arbeit der Organisation etwas näher erläutert. Man kann sicher darüber streiten ob solch eine Art der Hilfe “etwas bringt”. Aber im Gegensatz zu manch “groß angelegter Hilfe” wird hier einfach gehandelt nach dem Motto “Es gibt nichts Gutes außer man tut es.” Und das finde ich gut.

Was zum Teufel sind wieder “Intercultural challenging days”? Zum Ersten könnte man es mit “Interkulturell herausfordernde Tage” übersetzen, ich würde es allerdings eher als “Interkulturell problematische Tage” bezeichnen wollen. Seitdem wir aber im Deutschland, in dem es ja auch nur so von “jungen dynamischen Teams” wimmelt, was eine bessere Bezeichnung für eine Ansammlung pickelgesichtiger, unterbezahlter und ahnungsloser Berufsanfänger ist - eben in diesem Deutschland haben wir keine Probleme mehr, sondern nur noch Herausforderungen (”Challenges”) denen wir uns mutig, wie weiland Siegfried dem Drachen, stellen. Das Thema “Murksdeutsch” hatten wir ja schon mal und soll deshalb hier nicht erneut breitgetreten werden.

Und was sind diese “Interkulturell problematischen Tage”? Das sind die Tage an denen man die Ukraine prima findet …. wenn nur die Ukrainer nicht wären, oder an denen uns die Ukraine insgesamt gestohlen bleiben könnte und man am liebsten auf dem heimatlichen Sofa liegen würde in der Gewißheit daß der nächste ALDI nur etwa 1 Km weit entfernt ist.

Das sind die Tage, an denen eine einfache Banküberweisung die gesamte Besatzung einer ukrainischen Bankfiliale so in helle Aufregung vesetzt wie man es sonst nur beim roten Alarm auf dem Raumschiff Enterprise im Fernsehen sieht. Das sind die Tage an denen man sich unendlich weit weg von der Ukraine wünscht und an einem Platz landen möchte, wo kein “Möchtegern-Schumacher” bei Rot noch mal schnell über die Ampel fährt ohne auch nur im geringsten Notiz davon zu nehmen wer den Zebrastreifen gerade überquert, m.a.W. einfache Tage an denen man die Ukraine, oder wahlweise auch Rußland, gründlich satt hat.

Und gestern war einfach so ein Tag, auch wenn die Sonne schien. Ich will es nicht schwarz in schwarz malen. Viele Leute können unheimlich nett sein und sie sind es, die einem dann immer wieder den “Kick zum Weitermachen” geben. So fallen mir die Trainingsteilnehmer in Simferopol neulich ein, die Mitarbeiter in Charkov, deren Empfang einfach unbeschreiblich war, die Begleitung vor Ort in Lvov, die trotz Feierabend es sich nicht nehmen ließ mit uns in das Opernhaus zu gehen, Ludmila, die trotz ihres Rentenalters noch immer begeistert ist wenn sich endlich auch nur winzige Kleinigkeiten im System ändern und die uns “hinter die Kulissen schauen läßt”. Alle diese Leute gibt es. Und die machen die Ukraine liebenswert.
Einfach mal wieder raus aus der Ukraine, ich denke das ist ein “muß”, so einfach ist das. Und nach ein paar Tagen “Gartenzwergland Deutschland” sehnt man sich dann wahrscheinlich wieder nach dem auch liebenswerten Chaos, dem ewigen Stau auf den Straßen, dem Kamikaze-Fahrstil im Kiewer Feierabendverkehr, dem Bier im Golden Gate und dem Deutschenstammtisch am Freitag bei dem wir uns immer wieder erzählen können was wir doch für “tolle Typen” sind, überleben fernab der Heimat.

Ok, genug schwadroniert.

Ich denke die Ukrainer haben es auch nicht immer leicht mit uns. Kiew kann auch ganz schön sein, wenn, ja wenn nicht … aber das hatten wir schon.

Warenhaus des Todes - vorübergehend - geschlossen - Am 7. März wurde in Thailand der ehemalige Offizier der sowjetischen Streitkräfte, Viktor Buta, gefasst. Der Beschuldigte wurde von zahlreichen Geheimdiensten auf der ganzen Welt wegen Waffenhandels gesucht. Im Angebot seiner Waren konnte der zahlungskräftige Kunde alles finden was zur Führung eines Krieges notwenig ist, bis hin zu Zenith-Raketen. Den Informationen des russischen Fernsehens zufolge soll er seine Ware in fast allen Krisenregionen der Welt angeboten und mittels einer eigenen Lufttransportflotte auch ausgeliefert haben. Zu seinen Kunden zählten die Warlords in Afrika wie auch in Südamerika. Der amerikanische Geheimdienst kam ihm auf die Spur, als er seine Ware auch einer imaginären Befreiungsbewegung in Kolumbien anbot, hinter der der amerikanische Geheimdienst stand. Der Anwalt des Beschuldigten vertrat im Fernsehen die Ansicht, daß gegen seinen Mandanten kein Verfahren in Rußland anhängig sei. Deshalb sei es nur natürlich daß man Buta allein an Rußland ausliefern müsse. Nach Ende der Nachrichten konnte man auf dem ersten Kanal den Film „Apokalypse now“ - Thema Waffenhandel - sehen, wie passend.

Mit dem Panzer zum Einkauf - Im Fernsehen konnte man am 7. März sehen, wie ein Mitglied einer Panzerbesatzung im Bezirk Swerdlowsk den Weg zum Übungsplatz nutzte, um „eben noch mal schnell einzukaufen“. Auf dem Video, das mittels eines Mobiltelefons aufgenommen wurde, ist deutlich zu erkennen, wie der Einkäufer nach erfolgreichem Shopping mit zwei Flaschen Wodka wieder auf den Panzer klettert und dann mit seinen „Schätzen“ im Inneren des Panzers verschwindet. Beim Abfahren „nimmt“ der Panzer dann „eben noch mal“ die Hausecke des Ladens mit, in dem die Spirituosen zuvor erstanden wurden. Nach Aussage einer Verkäuferin war der Kunde schon bei Betreten des Ladens nicht mehr ganz nüchtern, was von offiziellen Stellen des Militärs allerdings bestritten wurde.

Natürlich darf man nicht verallgemeinern. Viele Angehörige der russischen Streitkräfte versehen ordnungsgemäß ihren Dienst. Angesichts der Debatte „Nato vor den Toren Moskaus“ die man des öfteren im russischen Fernsehen verfolgen darf, stelle ich mir allerdings die Frage ob nicht die russische Armee „solcher Prägung“ das größere Sicherheitsrisiko für das eigene Land bildet. Man stelle sich vor „die Einkäufer“ veranstalten nach erfolgtem Umtrunk auch noch ein Wettschießen mit ihren Waffen. Ich bin gespannt wann das Video in YouTube zu sehen sein wird.

Der Rubin blitzt nicht mehr - In den wilden 90er Jahren war in Rußland eine Gesellschaft tätig, die sich „MMM“ nannte. Das Unternehmen warb Kunden mit absurd hohen Zinsversprechen und viele Bürger Rußlands legten ihr Geld im zweifelhaften Unternehmen an bis … die Finanzpyramide zusammenbrach und sein Gründer zunächst untertauchte. Später gefasst saß er eine Haftstrafe ab und die Geprellten von einst warten heute noch vergeblich auf ihr Geld. Deshalb sollte man meinen daß die Russen gelernt haben. Weit gefehlt, wie sich heute zeigte. Der so genannte „Businessklub RUBIN“, der ebenfalls nach einem Pyramidenschema arbeitete, ging in die Knie. Bilder von geleimten Anlegern die vor den Büros des “Businessclubs” auf der Straße standen wurden im Fernsehen gezeigt. Diejenigen die das Hirn abschalten wenn es um den schnellen Reichtum geht sterben wohl nie aus.

„Watt den enen sin Uhl ist den andern sin Nachtigall“, sagte schon immer meine Oma, Gott hab sie selig. Und was den Deutschen der Muttertag, das ist den Russinnen, Ukrainerinnen und Bewohnerinnen der anderen ehemaligen Republiken der Sowjetunion der „Internationale Frauentag“. Der Tag, der einer Ansicht nach von Clara Zetkin seinerzeit propagiert wurde, wird weiterhin in den Nachfolgestaaten der UdSSR, also auch in der Ukraine gefeiert. Und das sieht dann wie folgt aus. Was den Herren der Schöpfung das Geschenkset „SOS“ - (Socken, Oberhemd und Schlips) ist, das sind die klassischen Geschenke zum Frauentag, Blumen, Duftwässerchen und Konfekt. Mit letzteren dürfte man aber nur dann Erfolg haben wenn das Geschenk nicht gerade mit den Worten „Meinem Pummelchen“ überreicht wird. Anderefalls gibt es “Abzüge in der Haltungsnote”.
In den Straßen sieht man Männer mit Blumensträußen, gegen Mittag gesellen sich Frauen, ebenfalls mit Blumensträußen, hinzu. Letztere tragen das nach hause, was die Männer vorher angeschleppt haben. Und manch eine Frau hat da soviel zu tragen, daß sie sich bequem mit all dem Grün tarnen könnte, wenn die Tarnung in einem Tulpen-, Nelken- oder Rosenfeld erfolgen müßte. Interessant ist an solch einem Tag der Blick in das Büro von Frauen die leitende Positionen einnehmen. Am Umfang der Blumenlieferungen läßt sich ablesen welchen Stellenwert die so Geehrte in ihrer Umgebung einnimmt. Ab Mittag ist niemand mehr erreichbar in den Firmen und die Belegschaften begehen schon mal den Frauentag. Manchmal hat man allerdings den Eindruck als ob es nicht Frauentag ist, sondern Männertag.

Als Ausgleich für die Beschwernisse eines Feiertages der auf ein Wochenende fällt, wird dann am Montag auch nicht gearbeitet. Ja, man hat es nicht leicht mit all dem Feiern nachzukommen. Heute ist übrigens auch noch das Ende der Maslenitsa, der Woche mit der die vorösterliche Fastenzeit eingeleitet wird. Und das heißt? … richtig, ein wenig feiern ist angesagt.

Ab und zu werde ich gefragt ob ich nicht mal “ein paar Fotos” zeigen kann. Klar, kann ich, allerdings mit “ein paar” ist es nicht getan. Die besten Fotos von meinem 2-Jahresaufenthalt im russischen Teil von Karelien (übrigens der finnische Teil ist kleiner) findet Ihr hier. Am besten auf “Diaschau” klicken und genießen. Weitere Alben folgen. Und wer mal eine Beschreibung haben will wie so eine Autotour von Rußland in die Ukraine aussieht, bitte sehr.

Viel Spaß

Heute vor 55 Jahren um 9.50 Uhr Moskauer Zeit verstarb der seinerzeitige Führer des Landes, Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili, besser bekannt unter dem Namen Stalin. Sein Tod war der Anfang vom Ende der 30-jährigen Herrschaft des absoluten Schreckens in der damaligen Sowjetunion, eine Zeit in der auch die Hungersnot in der Ukraine und anderen Gebieten der Sowjetunion fällt. Für viele damalige Sowjetbürger war der Tod Stalins ein einschneidendes Ereignis. Während viele Bürger den Tod des “Großen Führers” und “Vaters der Nationen” betrauerten, kamen andere in der folgenden Zeit aus den berüchtigten GULAG Lagern frei.

Glasnost hält Einzug in die Amtsstuben. Wenn es nach Michael S. Gorbatchev gegangen wäre, dann wäre diese Glasnost vielleicht schon früher eingetroffen, wer weiß. Aber so kommt sie eben jetzt, spät, aber nicht zu spät. Auf Entschluß des Stadtparlaments der Stadt Tyumen in Westsibirien wurde in zwei Etagen des Rathauses gläserne Türen in die Zimmer der Sachbearbeiter der Stadtverwaltung eingebaut. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung fühlen sich momentan “wie Fische im Aquarium”, wie eine der Angestellten im Fernsehen sagte. Bürger begrüßten die Maßnahme, die schon zu ersten Resultaten geführt hat. Wenn man den Aussagen des Fernsehberichts im Ersten Programm des russischen Fernsehens Glauben schenken darf, dann wurden die Schlangen vor den Amtsstuben erheblich kürzer. Vielleicht auch eine Idee für deutsche Amtsstuben - sofern noch nicht vorhanden?

Wer meinen Blog schon länger liest, der weiß, daß ich ein Buch habe. Ein Buch? Was sage ich, einige Bücher. Viele davon sind mir ans Herz gewachsen, neben dem Herrn der Ringe von Tolkien und dem „verlorenen Horizont“ von James Hilton gibt es auch einige Sachbücher die ich nicht herzugeben gedenke. Das liegt u.a. daran, daß ich den „Verlorenen Horizont“ bereits sieben mal verliehen habe und daher im Besitz des achten Buches von James Hilton bin. Zu den nicht wegzugebenden Büchern gehört u.a. auch das Buch „Don‘t make me think“ - „Laß mich nicht Rätseln“, wie ich es übersetzen würde, von Steve Krug. In dem Buch geht es um „usability“, also Brauchbarkeit, von Internet WEB sites. Nicht alle WEB Sites sind brauchbar und der eine oder andere wird schon einmal seine Mühe gehabt haben der oft propagierten Aufforderung zu folgen und Geschäfte über das Internet abzuwickeln. Von einer solchen WEB Site soll heute hier die Rede sein. Nein, es ist nicht die WEB Site von GAZPROM oder AEROFLOT, wenngleich die letztere Firma auch so einige Tücken auf ihrer WEB Site verborgen hält. Die Rede soll heute einmal von einer Firma sein, die auch so in letzter Zeit auf sich aufmerksam gemacht hat, wir ahnen es, die Bahn.

Es ist mir fern den Lokführerstreik zu kommentieren. Nur soviel sei gesagt, wer selbst nicht unerhebliche Steigerungen in seinen Einkünften sein eigen nennen kann, der ist gut beraten vielleicht andere nicht unbedingt zum Maßhalten aufzufordern, nicht wahr Hartmut? Hartmut Mehdorn, der Chef der Bahn hat nämlich in der Vergangenheit Gehaltszuwächse gehabt, von der mancher Lokführer und manche Zugansagerin träumen würde. Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zur Bahn.
Da wollte ich eine Fahrkarte per Internet für eine Fahrt in Deutschland erwerben. Wir haben demnächst Klassentreffen, nach 37 Jahren. Und da möchte ich gern dabei sein. Also gibt es einen Flug Kiew - Berlin, dann umsteigen auf die Bahn und ab geht es nach Leipzig. Soweit der Plan. Aber vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Auf ins Internet, das heute in Kiew mal wieder „zu Fuß“ unterwegs zu sein scheint so quälend langsam kommen die Buchstaben auf den Bildschirm. Egal

„www.bahn.de“ gewählt, auf geht’s. Die Grunddaten sind relativ schnell eingegeben, Abfahrtsbahnhof, Zielbahnhof, Datum, ungefähre Uhrzeit, Hin-und Rückfahrt, Verfügbarkeit des Platzes, Platzkarte (Ja / Nein), Nahverkehrskarte, alles schnell, kurz und bündig. Dann kommt das Bezahlen. Daß die Bahn sich nicht unbedingt dadurch einen Namen gemacht hat, daß man ihre Produkte schnell und unkompliziert nutzen kann, das wird der Zeitgenosse bestätigen können, der einmal nach einer erneuten „Tarifreform“ versucht hat eine Fahrkarte zu kaufen, möglicherweise noch dazu an einem der Bahnkartenautomaten. Wir erinnern uns? Da gab es, lang lang ist es her, mal ein sog „Guten-Abend-Ticket“. Ab einer bestimmten Stunde am Abend waren Karten der Bahn erheblich billiger als tagsüber. Also ein „Guten-Abend-Ticket“ gekauft und los ging es. Dann kamen die „Reformer“, oder besser gesagt die, die den Satz „Never touch a running system“ wohl nicht gehört, oder aber gehört und nicht verstanden hatten. Das Ergebnis war die „Tarifreform“ der Bahn. Und mit dieser Tarifreform war der Erwerb einer Fahrkarte an das erfolgreiche Bestehen eines viersemestrigen Informatikgrundkurses und den erfolgreichen Abschluß einer Semesterarbeit über Boolsche Algebra geknüpft. M.a.W. niemand, selbst Bahnmitarbeiter blickten mehr durch. Hartmut Mehdorn, der Chef, posaunte etwas von Übergangsschwierigkeiten und der Ruf der Bahn war wieder einmal dicht an unserem hinteren Ausscheidungsorgan. Gut, auch diese „Reform“ ist Geschichte, aber die guten Zeiten der einfachen - und noch darüber hinaus preiswerten - „Guten-Abend-Karte“ sind gezählt.

Hartmut Mehdorn muß Kohle machen denn er braucht Rubel in der Kriegskasse. Er will ums Verrecken als der Mann in die Geschichte eingehen, der die Bahn an die Börse gebracht hat. Das ist ein anderes Thema und soll uns hier deshalb heute nicht interessieren. Zurück zum Fahrkartenkauf per Internet. Wenn man aus der Ukraine etwas per Internet im „Hort der Freiheit“, dem Westen, ordern will, wird man von manchen Firmen als Mensch „dritter Wahl“ angesehen. Daß es in der Ukraine auch Zeitgenossen gibt, die so reich sind, daß sie zumindest große Teil von Hartmut Mehdorns Reich mal eben aus der Portokasse kaufen könnten, das sei der Vollständigkeit halber hier nur erwähnt. Es gibt auch Unternehmen die da weniger zimperlich und auch Ukrainer oder Russen bedienen, so sie denn kaufkräftig sind. Ich denke daß selbst eine Bestellung aus Magadan von meinem heiß geliebten AMAZON akzeptiert werden wird, wenngleich AMAZON nicht nach Rußland liefert. Aber das ist ein anderes Thema, genug abgeschweift.

Das Softwaredesign der Bahn läßt jedenfalls erhebliche Mängel erkennen, was dazu führt, daß man an der WEB Site der Bahn verzweifeln könnte. Insgeheim habe ich den Verdacht, daß die Leute die damals das „großartige Tarifreformwerk“ verzapft haben und die man dafür hätte Teeren und Federn müssen, jetzt vielleicht zur Strafe in die Softwareentwicklungsabteilung der Bahn verbannt wurden, wer weiß?

Also auf geht‘s. In den folgenden Bildschirmmasken wird man nochmals mit den Buchungsdaten vertraut gemacht. Unter „4. Bezahlen“ kommt es aber dann beinhart. Ich will bezahlen und zwar mit der EC Karte - denke ich jedenfalls. Und ein Benutzerkonto will ich dazu nicht extra anlegen. Ich habe auch so genug Passworte, User-IDs usw. usf. was soll man sich denn sonst noch alles merken? Also tüpfele ich artig meine EC-Karten-Daten ein, gehe auf den Knopf mit dem Befehl „weiter“ und … werde aufgefordert meine Kreditkartendaten einzugeben. Ich will doch aber mittels EC Karte zahlen, eben NICHT mit der Kreditkarte, versteht das keiner? Und da steht es doch auch oben am Bildschirm, „Bezahlen“ steht da weiß auf Rot. Also das Ganze noch mal, irgendwo ist hier der Wurm drin. Beim Punkt „Bezahlen“ tüpfele ich wieder die Daten der EC Karte ein … dann „WEITER“ wie gehabt. Das Ergebnis ist leider auch wieder wie gehabt,
bahn12.jpg Hartmut will unbedingt an meine Kreditkartendaten. Ich grübele. Wie wäre es mit einem Anruf bei der Bahn? Aus Kiew ist so ein Anruf nicht gerade „kostengünstig“ zu nennen, aber vielleicht kann ja die freundliche Dame von der Bahn meine Ahnungslosigkeit beenden? Schnell ein neues Fenster im Browser geöffnet und irgendwo finde ich Telefonnummern. Ja nicht eine Telefonnummer, Hartmut hat sich nicht lumpen lassen, gleich mehrere Nummern bietet er mir an, eine für Leute mit Bahncard, eine für Normalsterbliche und eine deren Funktion ich gleich wieder vergessen habe. Bahnkarte habe ich nicht, aber die einzige mir sinnvoll erscheinende Nummer wird es ja wohl auch tun. Aber, oh Schreck, das ist wieder eine der „Nur-XY-Cent-kostenden“ 0180er Telefonnummern. In meinem Fall sind es „nur“ 14 Cent pro Minute. Was heißt hier „nur“? Das sind 28 Pfennig !!! Und damit mehr als eine Viertel DM, falls sich noch jemand daran erinnern sollte. Und „nur“ ein Viertel einer Mark pro Minute wird auch dadurch nicht weniger daß man das Wort „nur“ gebraucht. Im allgemeinen sind darüber hinaus solche Nummern aus dem Ausland nicht zu erreichen. Tapfer wähle ich trotzdem die Nummer, lasse die Null weg und … wir ahnen es, bin mit einem Voice-Mail-System verbunden.

Gäbe es heute noch Scheiterhaufen zur Hexenverbrennung, Ihr könnt sicher sein, dem Erfinder der Voice-Mail-Systeme würde ich einen Ehrenplatz darauf anbieten. Wer kennt es nicht das Automatengesteuerte „Wenn Sie … wünschen, drücken Sie die Eins, wenn Sie … wünschen … die Zwei“ usw. usf. Wenn man Pech hat endet das Ganze in der Roboteransage „Ich konnte sie leider nicht verstehen…“. Und schnell sind mal eben „nur“ zwei Euro über den Orkus gegangen und man ist so schlau wie vorher. Ich hingegen habe Glück und lande … bei Musikdudelei. Wahrscheinlich ist das „freundliche“ wie gleich unterbezahlte „junge und dynamische Team“ des Callcenters auf Papua-Neuguinea mal wieder überlastet. Nach kurzer Zeit meldet sich eine wirklich freundliche Dame. Ich erkläre ihr den Sachverhalt und … erhalte eine andere Telefonnummer, wieder eine „Nur“-Nummer beginnend mit 0180. Egal, ich will eine Karte. Also die „Nur“-Nummer gewählt. Am anderen Ende ein Mitarbeiter dem ich meine Probleme schildere und ihm anbiete doch mal mein ganz oben genanntes „Don‘t make me think“-Buch zu lesen. Er muß lachen kommt dann aber zur Sache. Die Eingabe der EC Nummer, so erklärt er mir, dient nur als Instrument um mich später bei der Bahnfahrt zu legitimieren, so als Paßersatz, z. B. Bezahlt werden müsse aber mit der Kreditkarte. Meinen Einwand daß dann oben auf der WEB Site aber nicht „4.Bezahlen“ sondern vielleicht „4.Kunden identifizieren“ stehen müßte, läßt er gelten, erklärt aber daß er da nichts machen könne. Na ja, Personalausweis oder Paß wäre ja auch zu einfach gewesen.
Ja, wie ich denn mit EC Karte oder Einziehung vom Konto zahlen könne, will ich wissen. Und da kommt es. Ich müsse mich registrieren - was ich ja nicht will - eine Kontoeinzugsermächtigung herunterladen, ausdrucken, unterschreiben und per Post an die Bahn schicken. Drei Tage nach dem Eintreffen der Einzugsermächtigung könne ich dann per Lastschrift Bahnkarten bezahlen. So einfach …. und steinzeitlich …. ist das. ich stelle mir mal vor, daß ich das Prozedere befolge. Falls mein Brief Deutschland erreicht, was ich nicht beschwören möchte, dauert es dann nochmals DREI Tage???

Jungs, mal ehrlich, das kann im Zeitalter der von Eurem Chef Hartmut vielbeschworenen Globalisierung doch nicht Euer Ernst sein, oder? Bei AMAZON, das ich schon erwähnt habe, habe ich nichts runtergeladen, ausgedruckt unterschrieben, einer Brieftaube an den Fuß geklemmt um dann drei Tage nach deren Eintreffen endlich das machen zu können was ich will, nämlich ein Buch kaufen. Lest mal ein Buch über Dshingis Khan. Dann wißt Ihr daß eine Postmeldung von einem Ende des Reiches bis zum anderen Ende drei Tage brauchte, das Reich war nicht gerade klein und Computer und Internet hatten die Jungs auch nicht, das nenne ich Schnelligkeit in „Zeiten der Globalisierung“.

Hartmut, Du laberst unaufhörlich von Globalisierung. Darum müsstest Du unbedingt zum Monopoly-Spiel an die Börse und dann bekommst Du den globalisierten Kartenverkauf nicht hin? Schwaches Bild. Ich biete Dir schon heute an Deinen Fahrkarten-per-Internet-Verkauf an die Anforderungen der Globalisierung anzupassen. Weil Du es bist gibt es sogar einen günstigeren „Guten-Abend-Hartmut-Preis“, den Du auch nicht mittels Superrechner ermitteln musst, versprochen. Ich denke wir werden uns schon einig werden, oder? Wäre nicht das erste EDV System dem ich auf die Füße geholfen habe. Frag mal die Rentner in Armenien, die ihre kärgliche Rente mittels EDV ausgezahlt bekommen, oder die Jungs in der Präsidentenadministration in Azerbaijan, die mittlerweile sogar wissen wieviel Mitarbeiter es im Staatsdienst gibt und was der Spaß kostet. Da sollte so ein Streamlining Deiner WEB Site kein großer Akt sein. Was meinst Du? Ich warte auf Deinen Anruf, keine Angst wird schon. Und das mit der Börse können wir dann auch noch mal kurz bereden, gelle?

Daß Dmitri Medvedev neuer Präsident der Russischen Föderation wird, daran zweifelt wohl kaum jemand. Interessanter ist die Frage wieviel Prozent der rund 110 Millionen Russen an die Urnen eilen werden und mit wieviel Prozent Dima den Titel des neuen Präsidenten “heimholt”.

Daher die Aufgabe für alle Leser :

Sagt die Zahlen so genau wie möglich voraus. Hier noch einmal die Fragen im Klartext :

  1. Wieviel Prozent der wahlberechtigten russischen Bevölkerung werden am Abend des 2. März, wenn die letzten Wahllokale in der Russischen Föderation schließen, an den Wahlen teilgenommen haben ? (Der letzte Wahlbezirk ist das Gebiet Kaliningrad - ehemals Königsberg. Die Wahllokale schließen hier um 20.00 lokaler Zeit = 19.00 Uhr deutscher Zeit).
  2. Mit wieviel Prozent der abgegebenen Stimmen wird der neue Präsident der russischen Föderation gewählt werden ?

Eure Tips (Mit Angeben der Prozentzahlen bis auf 2 Stellen nach dem Komma) könnt Ihr per Email an die Adresse :

wahlenrussland2008@online.ms

senden. Die Email muß bis um

17.59 deutscher Zeit

bei mir sein (wird überprüft). Bitte vollständige Adresse, Email Adresse, Kleidergröße (geben wir nicht weiter, auch in der Auswertung nicht) und den Gewinn, den Ihr gern hättet, nicht vergessen. Noch einfach geht es wenn Ihr die Daten auf der speziellen WEB Site direkt eingebt. Und hier geht es zur Schätzung. Natürlich wollt Ihr wissen was es für Eure Mühe und Euer politsches und Kreml-Know-How gibt, oder? Ganz einfach. Hier die Preise:

  1. Eine Flasche russischen (was sonst) Wodka
  2. Ein T-Shirt
  3. Ein Überraschungspaket

Viel Glück. Für die die immer alles rechtlich abgesichert haben wollen hier noch der Hinweis:

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das Ergebnis der Abstimmung und des Ratens westlicher Kreml-Experten:

Die Wahlbeteiligung in Rußland war erheblich höher als die Beteiligung an der Abstimmung hier, denn die war

0,0%

Ok, ich habe es zu spät hier eingestellt, beim nächsten mal wird es besser, dann wenn Schwester Angela z.B. zur Debatte steht.

Nun ja, die Wahl ist ausgegangen wie absehbar. Ob das gut ist oder schlecht mag jeder für sich selbst entscheiden. Mir gefällt das Ergebnis denn damit ist sichergestellt, daß der Reformkurs Rußlands wie unter Putin begonnen, weitergeführt wird. D.h. z.B. auch daß auf unseren Straßen wieder Asphalt zu finden ist, Kinderspielplätze sind Spielplätze und nicht Müllhalden, und erste Erfolge im Bereich “Bezahlbares Wohnen für junge Familien” sind ebenso zu verzeichnen wie eine eigenständige Außenpolitik. Aber das mag jeder selbst gewichten. Daß die Wahlen westlichen Vorstellungen von Demokratie nicht entsprechen, wen juckt’s? A pro pos demokratische Wahlen im Westen, war da nicht was mit Soibers Edmund in Bayern und Roland Kochs Versuch Konkurrenten schon vorab den Weg aus der Kandidatur zu erleichtern? Kritik an der Wahl in Rußland ja, wenn man denn bitte auch nicht die Augen vor westlichem Versagen schließt. Wie war noch der Wahlerfolg von George W. in Florida seinerzeit? Schon vergessen? Macht nichts. George W. kannste eh vergessen.

Für alle die, die dennoch Humor haben und politische Satire nicht fürchten, hier der Link zu den wahren Hintergründen der Wahl (leider nur in Russisch).

Am nächsten Morgen Aufstehen, Duschen, das Übliche eben. Dann geht es zum Frühstück in der ehemaligen Stolovaya (Kantine). Die Kantine hat noch einen gewissen “Sowjetcharme” den auch die Bedienung mühelos herüberbringt. Wir werden separat “platziert” weil wir ja Teil einer Gruppe sind, die aber noch gar nicht vollständig da ist. Das Frühstück zeichnet sich durch eine gewisse “Schlichtheit”, sprich:Kärglichkeit aus. Neben etwas Quark, Butter und Käse zwei Scheiben Brot und eine Tasse Tee. Kaffee gibt es wenn wir ihn einen Tag vorher bestellen. Wir sind in einem Sanatorium gelandet … nur sind wir nicht leidend und auf Kur, egal. Später erfahre ich daß es ein Frühstücksbuffet demnächst geben soll. Hoffentlich ist “demnächst” bald.

Abfahrt nach Buki, das GPS zeigt uns den Weg, den wir des Nachts gekommen sind. Bald ist Buki erreicht. Ein Teil unserer Trainingsteilnehmer ist bereits vor Ort. Sachen auspacken, Die Begrüßungsrede, das Prozedere wird erklärt. Tatyana beginnt mit dem Training und ich kümmere mich um das Finanzielle. Gegen 15.00 lasse ich Tatyana allein mit der Gruppe zurück und fahre nach Kiew. Nach drei Stunden Ankunft am Stadtrand und das Wuseln durch den üblichen stadtweiten Feierabendstau. Um 19.00 bin ich wieder zuhause, packe die Sachen aus und … wo ist der Rucksack mit meinem Notebook? Doch nicht etwa in Buki? Ein Anruf bei Tatyana bringt Licht ins Dunkel. Der Rucksack, den ich mit in den Computersaal der Schule von Buki genommen habe, macht Landurlaub. Und ich brauche die Kiste dringend morgen früh. Was liegt da näher als …. genau … zurück nach Mankievka. Aber erst zwei Stunden Nickerchen. Dann geht es erneut auf die Trasse.

Nach zwei Stunden Abfahrt Zhaschkiv erreicht. Jetzt heißt es aufpassen. Schlechte Beleuchtung in den Orten, keine Wegweiser, also beste Bedingungen sich zu verfranzen oder jemanden über den Haufen zu fahren. Wieder keimt der Wunsch nach vier Zusatzscheinwerfern auf dem Dach auf. Nach fast vier Stunden sind wir wieder in Mankievka gelandet. Das GPS hat gute Dienste geleistet, nur einmal an der Weggabelung ohne Wegweiser falsch abgebogen aber unser kleiner elektronischer Helfer hat uns das nach zwei Minuten signalisiert, umdrehen, auf den richtigen Weg einbiegen, das war es.

Tatyana erwartet mich am Tor des Sanatoriums mit dem Rucksack. “Rücksturz zur Erde”, hätte man im Raumschiff Orion seinerzeit gesagt. Nach weiteren vier Stunden durch die ukrainische Nacht bin ich wieder in Kiew. Ich bin fix und fertig, nur noch ein Wunsch, schlafen.

Seit einiger Zeit bin ich jetzt bereits in Kiew. In die Regionen bin ich ebenfalls gefahren, aber da eben immer in die regionalen Zentren wie Cherkasy, Lvov oder Kharkov, alles Städte ab 150.000 Einwohner bis an die Million Einwohner und mehr. Diesmal sollte es in eine kleine Stadt gehen, Buki heißt sie und liegt im Gebiet Cherkasy irgendwo östlich an der Trasse Kiew - Odessa. Zweck der Übung? Wieder mal ein Computertraining für Mitarbeiter von Berufsschulen. Buki als Stadt zu bezeichnen ist schwer, eigentlich ist der Ort dafür zu klein, aber Dorf? Dafür ist Buki wieder zu groß. Im Russischen gibt es dafür einen Ausdruck “Ansiedlung städtischen Charakters”. Also geht es in die “Ansiedlung städtischen Charakters”. Aber das Ansinnen ist nicht ganz einfach in die Tat umzusetzen.

Abfahrt Kiew um 15.30. Fast alle Geschwindigkeitsbegrenzungen einhaltend erreichen wir die Abfahrt Zhaschkiv gegen 17.45. Es ist schon dämmerig, die Nacht bricht an. Am Ende des Ortes ein Wegweiser, Buki. Wenn man jetzt dem Prinzip treu bleibt immer auf der Hauptstraße zu bleiben, dann müssten wir Buki erreichen. Durch kleine Dörfer geht es immer weiter und der nasse Dreck der von der Straße aufwirbelt macht unsere Scheinwerfer blind. Insoweit also nichts Neues. Auch hier gilt der gute alte russische Grundsatz “Russland hat zwei Problem ‘dorogi’ = Straßen und ‘duraki’ = Dummköpfe”. Über die Dummköpfe kann ich nichts sagen aber die Straßen, ein Graus. Kleine Orte tauchen auf und als wir aus einem schon fast raus sind ruft Tatyana “Das ist das Ortsausgangsschild von Buki.” Wir machen kehrt. Wir müssen in die Leninstraße und nach allem was ich vermute ist das die Hauptstraße. Und mit der Vermutung liege ich richtig. Nach einiger Zeit haben wir auch die Berufsschule gefunden. Dort erwartet man uns bereits und erklärt daß man uns habe vorbeifahren sehen. Ich habe im Gegensatz dazu in der Dunkelheit nichts gesehen. Gut, ok, wir sind angekommen. Und zur Sicherheit habe ich die ganze Tragödie auf dem GPS Gerät verewigt. Fahren nach Instrumenten sollte in Zukunft kein Problem werden. Dann setzen sich meine ukrainischen Kollegen in ihr Auto, einen Tavria ehemals sowjetischer Fertigung der auch heute noch gebaut wird. Mühsam bahnt sich das altersschwache Gefährt seinen Weg. An jeder Anhöhe kommen verdächtige Russschwaden aus dem Auspuff. Unser Ziel das Sanatorium AKVADAR in oder bei Mankievka. Der Ort ist zwar auf der Karte zu sehen, was aber nicht heißt daß er auch leicht zu finden wäre. An einer Gabelung im Ort darf man nämlich nicht - wie sonst - der Hauptstraße folgen, sondern muss die Nebenstraße nehmen. Einen Wegweiser sucht man allerdings vergeblich. So “einfach” ist das. Hoffentlich hält das Auto unserer ukrainischen Partner durch. Nach 18 Km Dunkelheit sind wir am Ziel. Unsere Unterkunft heißt “Akvadar” und ist ein ehemaliges Sanatorium das einige Kolchosen einst zusammen betrieben. Vor ca. 2 Jahren haben Kiewer das Sanatorium übernommen und die ersten Schritte sind getan um daraus etwas zu machen, das man auch westlichen Kunden anbieten kann.

Die Einheimischen haben die “Luxussuite” für den Westler bestellt. Wann kapiert man hier endlich daß ich nur übernachten will und nicht die Anlage kaufen? Ein anderes Zimmer gibt es im Moment nicht, na toll. Also auf in die Luxussuite. Das Einchecken geht verhältnismäßig schnell von statten. Das Zimmer, besser die Zimmer, liegen in Haus 3 der Anlage. Das Haus ist ein Neubau und die Luxussuite liegt nach deutschen Maßstäben im 2. Stock, zu dem es über eine Treppe mit ungleichen Treppenstufen geht. Hat jemand schon einmal in einem Neubau der letzten Jahre in Russland oder der Ukraine eine Treppe mit gleichmäßig hohen Stufen gesehen? Ich bisher nicht, wie dem auch sei. Das Appartement entpuppt sich als 2-Raum-Installation. Der erste Raum enthält Garderobe, Sofa, Sessel, Kühlschrank und Sideboard und - wie sinnig - einen Flokati. Der zweite Raum Bett, Schrank, Fernseher, Sideboard und Nachtschrank. Alles ganz gut gemacht, aber nötig gewesen wäre der “Prunk” nicht. “Geht es auch ein bißchen einfacher?”, der Satz von Gerhard Schröder bei Beziehen des Kanzleramtes, fällt mir ein. Man darf gespannt sein wie es weitergeht.

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