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Alle Jahre wieder…

kommt das Christuskind. Und wer bei ALDI nicht schnell genug zur Seite springt, den rennt spätestens Ende August eben dieses Christuskind um wenn es mal eben schnell eine Palette Lebkuchen abliefert um dann in Windeseile eine weitere Palette mit Christstollen im Mittelgang bei LIDL zu platzieren. M.a.W. es ist die zeit des „Raus aus dem Badeanzug, rein in die Nikolausstiefel“, Weihnachten steht vor der Tür, jedenfalls wenn es nach den Vorstellungen des Einzelhandels geht.

Um dieses „alle Jahre wieder“, das mir schon seit Jahren die Lust auf Weihnachten gründlichst vergällt, soll es hier aber heute nicht gehen. Da ich hier einen Blog zu Russland wie ich es sehe habe, will ich über das „alle Jahre wieder“ russischer Provinienz berichten.

Alle Jahre wieder tritt in Russland, wie es scheint für alle Beteiligten völlig unvorhersehbar, die kalte Jahreszeit ein. Die Folge: Der Präsident oder der Premierminister werden im Fernsehen gezeigt, wie sie sich mit irgendjemandem treffen und dieser Irgendjemand erklärt dem Präsidenten / Premierminister, dass alles für die kalte Jahreszeit bereit ist, die Heizungen nur darauf warten geöffnet zu werden und man dem Winter gelassen entgegensehen könne.

Und dann passiert es: Irgendwo in den Tiefen des großen Landes muss Mr. Irgendwer nicht gewesen sein und die eifrig als abgeschlossen dargestellten Vorbereitungen für die kalte Jahreszeit sind noch keinesfalls abgeschlossen. Als Folge sieht man dann im Fernsehen Berichte über kleine Städte und Dörfer die „mal eben nicht beheizt werden“ und in denen die Menschen frieren. Einen Tag später hat dann der Präsident / Premierminister sich den verantwortlichen Gouverneur zur Brust genommen und drei Tage später ist dann die Ortschaft wieder beheizt oder hat wieder Wasser oder warmes Wasser, wenn, ja wenn das Fernsehen darüber berichtet hat. In wie vielen Fällen die Massenmedien aus welchen Gründen auch immer nicht darüber berichten, das kann man nur ahnen.

Woher kommt dieses „Alle Jahre wieder wird es kalt in den Wohnungen“? Nun, die Ursachen sind vielfältig. Zum einen sind da die Heiztrassen aus Sowjetzeiten, die schon seit langen Jahren nicht gewartet wurden und die deshalb genau dann leck schlagen wenn die Heizsaison eingeläutet wird. Interessanterweise wird in den Sommermonaten die Warmwasserversorgung für mehrere Wochen abgestellt. Begründung: Wartung der Rohrtrassen. Wartungstrupps sieht man in dieser zeit nur spärlichst und wie effektive diese Wartung dann ist, zeigt sich zu Beginn der Heizperiode.

Zum anderen sind es Gelder zur Renovierung eben dieser Heiztrassen, die auf wundersame Weise nie ihren eigentlichen Bestimmungsort erreichen, oder wenn sie ihn erreichen, dann jedenfalls nicht in vollem Umfang. Der fehlende Rest ist dann in den Weiten Russlands irgendwo versickert oder befindet sich auf einer Geldkreislaufbahn auf der die angesammelten Beträge mal schnell ein paar Zinsen verdienen die dann aber nicht in die Arbeiten zur Pflege der Heiztrassen einfließen.

Des weiteren ist es die fehlende Zahlungsmoral oder Zahlungsfähigkeit mancher Zeitgenossen, die entweder nicht daran denken für gelieferte Wärme zu zahlen, oder die auf Grund einer minimalen Rente nicht in der Lage sind zu zahlen.

Und last but not least sind es Bestimmungen im russischen Arbeitsrecht, die zu kalten Füßen führen können. Wie das? Ganz einfach.

Die Entlohnung russischer Arbeitnehmer ist aufgeteilt in verschiedene Bestandteile der Entlohnung. Da ist zunächst einmal der Grundlohn den der Arbeitgeber zahlt. Dieser Grundlohn ist in der Regel nicht sonderlich hoch und wenn man von Lohnhöhen in Russland spricht, dann sind die genannten Beträge meist eben dieser Grundlohn die in Diskussionen genannt werden. Dass teilweise unter der Hand ganz andere Beträge gezahlt werden und man die Lohnhöhe nur deshalb künstlich niedrig hält um sich Steuern und Sozialabgaben vom Leibe zu halten, das sei nur der Vollständigkeit halber am Rande erwähnt.

In vielen Firmen, so auch in den örtlichen Wärmeversorgungsunternehmen, werden darüber hinaus aber weitere Vergütungsbestandteile gezahlt. Dazu gehören auch Prämien für die Mitarbeiter.

Und diese Prämien sind es auch, die letztlich zu kalten Füßen führen können. Denn diese Prämien beinhalten auch Prämienzahlungen für die Arbeit unter erschwerten Arbeitsbedingungen. Damit man eine solche Prämie für erschwertes Arbeiten einstreichen kann kann, muss man die Vornahme der Arbeiten eben auf solche Zeitpunkte legen, wo z.B. schlechte Witterungsbedingungen herrschen, es regnet oder schneit oder eben in der Kälte gearbeitet wird.

Da werden dann Heizungsrohre erneuert oder geflickt wenn es draußen kalt ist. Die Folge ist, dass die Heizung „mal eben“ für ganze Stadtteile abgestellt wird und Gleiches gilt auch für die Versorgung mit warmen Wasser falls nötig.

Da werden auch Straßenbeläge dann erneuert wenn es draußen wie aus Eimern gießt und schüttet oder die Außentemperaturen sich erkennbar auf den Nullpunkt hin zu bewegen. Dem so aufgetragenen Asphalt ist das zwar nicht zuträglich, der einzustreichenden Prämie aber schon.

Als Folge werden die Arbeiten erledigt nach dem Motto „Chef, bin fertig, Prämie bitte.“ Welche volkswirtschaftlichen Beträge so völlig unsinnig verbraten werden entzieht sich meiner Kenntnis. Nur eins ist klar, die so mit neuem Asphalt versehenen Straßen halten nicht allzu lange und den so erneuerten Heizungsrohren ist ein ähnliches Schicksal vorbestimmt, m.a.W. die nächste Abschaltung der Heizung ist vorprogrammiert.

Gut nur, dass hier noch keiner öffentlich auf die Idee kam den verstärkten Gebrauch von Pullovern oder sonstiger warmer Kleidung zu propagieren. Das ist bisher nur dem ehemaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin vorbehalten gewesen.

Endlich regiert die Tigerente, nur wie?

Endlich regiert die Tigerente, nur wie?

Der Berg kreiste und gebar eine Maus. Und Deutschland wählte und heraus kam … eine Tigerente. Nach dem vorgestrigen Wahldebakel für die SPD bleibt kurz Zeit inne zu halten und sich zu fragen was da wohl geschehen ist. Wenn der alte Satz von Bismarck stimmt daß nirgends so viel gelogen wird wie im Krieg, nach der Jagd und vor der Wahl, dann konnte man heute vollends bestaunen wie recht der alte Sozialistehasser einst hatte.

War vor der Wahl versucht worden eine ganze Wählerschaft mit dem Slogan „runter mit den Steuern“ einzulullen, na ja, so recht traute dem wohl niemand, dann beeilten sich die heutigen siegreichen Politauguren schnell diese Aussage zu „vergessen zu machen“.

Pressewirksam voran ging der Erfinder dieses Slogans, der auf der Pressekonferenz seiner Partei auf die Bitte einer Journalistin doch noch einmal zu wiederholen was er vor der Wahl zu Steuersenkungen gesagt hatte, sich eiligst bemühte das Thema zu wechseln. Nein, wiederholen wollte er das nicht. Erst müsse Kassensturz gemacht werden.
Und damit war der Weg vorgezeichnet wie wohl demnächst argumentiert werden wird.

Sein Parteifreund und politisches Urgestein Genscher hatte diese Parole vom „Kassensturz“ schon im Morgenmagazin des ZDF ausgegeben und Guido hielt sich an diese Steilvorlage. Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger, wir erinnern uns, das ist der, der den Marinerichter und einen der Amtsvorgänger im Amt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg noch schnell in die Reihe der Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime einreihen wollte um kurz darauf von seiner eigenen Aussage abzurücken, eben der jedenfalls hatte auch eine Meinung zum Thema Steuersenkung. Und die ließ sich etwa wie folgt zusammenzufassen, eigentlich sei im Moment kein richtiger Handlungsbedarf, und an Steuersenkungen sei wohl erst in 2011, wenn nicht in 2012 zu denken. Vertrösten auf den St.Nimmerleinstag nennt man das wohl.

Wenn schon seinerzeit eine ganze Horde von „Jubelpersern“ außer sich war als ihnen jemand den „totalen Krieg“ anbot, so schien sich diese Szene fast zu wiederholen als jemand den schon mittels „Abwrackprämie“ Verwöhnten noch eins draufsatteln wollte als er Steuersenkungen unters Volk streute. Und, das Volk fraß es ohne zu murren und wählte die Steuersenker. Fragt sich nur, ob nun der Tiger oder die Entenkomponente in der neuen Regierung die Ärmel aufkrempeln wird und die Steuern senkt.

Zwar hatte da vor der Wahl auch jemand in gebetsmühlenhafter Weise von sich gegeben daß er keinen Koalitionsvertrag unterzeichnen werde der nicht Steuererleichterungen beinhalte. Aber wenn die Halbwertzeit politischer Äußerungen schon in den Sechzigern gering war als da jemand verkündete „niemand habe die Absicht eine Mauer zu bauen“, dann konnte man heute zumindest erleben, daß die Wahlversprechen nicht einmal den ersten Tag nach der Wahl überlebt hatten. Wir leben eben in einer sehr schnelllebigen Zeit wird man da nur konstatieren können.

Und die Sozis? Die packte gestern das helle Grauen. So hatten sie sich den Ausgang der Wahl nicht vorgestellt. Obwohl die Anhängerschaft mit trotzigem langanhaltendem Applaus wohl über ihren tiefen Fall hinweg applaudieren wollte als Frank-Walter ans Mikrofon ging, kann der Ausgang der Wahl wohl kaum darüber hinwegtäuschen, daß das desaströse Ergebnis der SPD u.a. das Resultat für Hartz IV ist, das da eingefahren wurde. Das jedenfalls meinte der Herausforderer nach der Wahl immer noch bestreiten zu können. Mancher lernt eben nie und mancher eben noch später. Selbstkritik? Fehlanzeige.

Ansonsten scheinen sich die Sozialdemokraten jetzt darin zu gefallen Heinrich Heine zu studieren. Der hatte in seinem Gedicht „Belsatzar“ schon geschrieben „ Belsatzar ward aber in selbiger Nacht von seinen Knechten umgebracht.“ Das gleiche Schicksal scheint im Moment auch dem zu blühen, der vor nicht allzu langer Zeit in völliger Verkennung der Sachlage und wohl eher vom Wunschdenken getrieben als auf dem Boden der Realität stehend, orakelt hatte, daß Angela Merkel gut beraten sei ihre Umzugskartons zu packen. Das war der Gleiche übrigens der sich vor ca. 4 Jahren bitterst beschwert hatte daß man Politiker an ihren Wahlversprechen messe. Nun mit Königsmord hat die SPD Erfahrung und nun scheint es daß auch der geopfert wird, der seinerzeit selbst am Königsmord mit beteiligt war.

Und die Kanzlerin? Die will die Kanzlerin aller Deutschen sein. So hatte sie es jedenfalls gestern noch verlauten lassen. Da ist man doch fast an den Ausspruch „Ich kenne keine Parteien, ich kenne nur noch Deutsche“ erinnert. Dieser Ausspruch war seinerzeit auch in schwerer Zeit gemacht worden, einer Zeit die deshalb schwer war, weil der Autor des Ausspruchs sie selbst schwer gemacht hatte. Und auch da hätten wir dann Parallelen. Auch hier hatte die „Kanzlerin aller Deutschen“ mitgeholfen schwere Zeiten herbeizuzaubern, herbeizaubern durch Unterlassen der Regulierung des Finanzmarktes würde ich das mal nennen wollen. Aber bei diesem Versäumnis war sie ja nicht allein. Nur sind die Mittäter jetzt auf die Oppositionsbänke verbannt während die Kanzlerin sich auf eine neue Amtszeit einrichten kann. Das soll eine Zeit werden in der sie auf den sozialen Ausgleich achtgeben will. Hoffentlich hat sie sich da nicht übernommen.

Fazit? Geben wir der neuen Regierung einhundert Tage und lassen wir uns überraschen. Es wird schon nicht so schlimm werden, sagen die einen. Es wird schlimmer meinen die anderen. Eines steht jedenfalls jetzt schon fest. Wenn im Krieg gilt daß das erste Opfer des Krieges die Wahrheit sei, dann gilt das auch für Wahlzeiten- und zumindest die ersten Tage danach.

Seit der Einführung des sog. „Einheitlichen Staatsexamens“ – „EGE“ – für Absolventen der russischen Schulen ist Chance für so manchen Zeitgenossen auf einen kostenlosen Studienplatz erheblich geschrumpft. Der Prüfungsstoff der abgefragt wird ist einheitlich und auch die Fragen sind vereinheitlicht. Die Beurteilung der Ergebnisse erfolgt auch nicht vom örtlichen Personal, m.a.W. dem Benotungsmißbrauch ist soweit man bisher sehen kann ein wenig ein Riegel vorgeschoben worden.

Nun gut, wo ein Problem ist da ist auch eine Lösung und daß man das „EGE“ auch durch Stellvertreter erledigen lassen kann, das ist seit einem Bericht im Mai diesen Jahres in den Nachrichten des ersten Kanals des russischen Fernsehens auch dem Letzten klar.

Da war zu sehen wie geschäftstüchtige Zeitgenossen in der russischen Provinz sich Zutritt zu dem Examenstermin verschafften um dann für die Prüflinge gegen entsprechende Aufwandsentschädigung die lästigen schriftlichen Prüfungen zu absolvieren. Zu den so Hilfsbereiten zählten, man höre und staune, auch das Lehrpersonal eben jener Schule in der Provinz in der die Prüfungen stattfanden. Und damit alles reibungslos ablief hatte die Direktorin der betroffenen Schule dafür Sorge getragen daß die Veranstaltung geräuschlos über die Bühne ging,  gegen eine Aufwandsentschädigung versteht sich.

Leider hatten die Dienstleister die Rechnung ohne den Wirt gemacht und waren daher nicht wenig erstaunt daß am Prüfungstag auch die „ausführenden Organe der Macht“ nebst Mitarbeiter des Fernsehens zur Stelle waren um nach dem Rechten zu schauen und vor laufender Kamera eine 38-jährige Lehrerin beim Betreten der Prüfungsräume zu erwischen, die sich auf dem Wege der Gehaltsaufbesserung befand.

Im Moment läuft die Bewerbung der Schüler an den Universitäten und sonstigen Ausbildungsstätten Rußlands auf vollen Touren. Das Ausbildungsjahr beginnt am 1. September in Rußland (und auch der Ukraine). Zugang zu den vom Staat finanzierten Ausbildungsgängen haben die zukünftig Studierenden zunächst einmal auf Grund ihres schulischen Abschlußzeugnisses und der Noten. Weitere Kriterien können bei der Vergabe der heißbegehrten Studienplätze herangezogen werden. Der Katalog umfaßt einem Bericht des russischen Fernsehen zufolge mehr als 100 verschieden Kriterien, so u.a. Teilnahme an Wissenwettbewerben, den sog. „Olympiaden“.

Bessere Chancen auf eine Ausbildung will der russische Staat denen angedeihen lassen, die behindert sind. Dieser ehrenwerte Vorsatz führte allerdings bei der diesjährigen Begutachtung der eingegangen Bewerbungen zu dem erstaunlich Ergebnis daß sich Anzahl der behinderten Bewerber auf einen kostenlosen Studienplatz um nahezu 25 % erhöht hatte. Noch mehr erstaunte die interviewten Uni-Präsidenten das Faktum, das die Invalidisierung der Bewerber zu einem großen Teil wohl erst kurz vor der jeweiligen Übermittlung der Bewerberdokumente stattgefunden haben mußte. So wies eine Vielzahl der eingereichten „Invaliditätsbescheinigen“ eine auffällige zeitliche Nähe zum Bewerbungszeitpunkt auf. Daß teilweise auch Bescheinigungen ohne Registriernummer eingereicht wurden soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Um die Frühinvalidisierung der russischen Jungakademiker zu begrenzen sieht man sich jetzt gezwungen im Zweifelsfall einen neutralen Gutachter zu bemühen der den Gesundheitszustand des Bewerbers überprüfen wird. Daß dabei der eine oder andere „invalide“ Bewerber durch das Raster rutschen wird und damit genügend Plätze für die wirklich Bedürftigen zur Verfügung stehen werden, bleibt zu hoffen. Den daraufhin abgelehnten „invaliden“ Kandidaten bleibt dann, falls ihnen ein Strafverfahren keinen Strich durch die Rechnung macht,  als letzter Ausweg immer noch das selbstbezahlte Studium mittels eines Vertrages mit der jeweiligen Universität.

Fazit: Erstens: Das russische Fernsehen zeigt eine für manch westlichen Beobachter erstaunliche Offenheit im Umgang mit Mißständen im eigenen Lande, eine Offenheit die so garnicht zu dem gern mancherorts gehegten Bild von der „Putin-Diktatur mit Medwedjew-Maske“ paßt.

Zweitens: Die notwenigen und richtigen Schritte zur Reform des Bildungswesens werden in Rußland gemacht.

Drittens: Es bleibt zu hoffen daß die auf Grund der bisher geltenden Praxis im Ausland mancherorts mit Argwohn betrachteten Zeugnisse russischer Bildungsinstitutionen wieder an Wert gewinnen.

Viertens: Ferner bleibt zu hoffen daß die offizielle Lehrerbesoldung in absehbarer Zeit solche Höhen erreicht daß „Nebenverdienste“ für das Lehrpersonal nicht nur überflüssig werden sondern der Verlust eines gut dotierten Arbeitsplatzes höher wiegen wird als der Anreiz zu Nebeneinkünften. Da habe  ich allerdings so meine Zweifel, leider.

Das Gezocke an den „wertschöpfenden“ Börsen und das Desaster auf dem Immobilienmarkt frißt seine Kinder. Eine Bank nach der anderen hat Berichtigungsbedarf in den manchmal allzu kreativ geführten Büchern. Und endlich hört auch das Gemecker der Neoliberalen über „den Staat“ auf, soll sich doch der Vielgescholtene jetzt um die Rettung der „Monopoly-Spieler“ kümmern, mit Steuergeldern versteht sich. Die EU Zentralbank läßt sich nicht lumpen, geht es doch um „die Rettung“ des angeschlagenen Bankensektors und damit „um uns alle“.

Wirklich uns alle? Ich habe da so meine Zweifel. Erst Zocken und abkassieren, dann verspielen und nun dürfen sich alle daran beteiligen. M.a.W. Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren, na prima. Die Banken sind „Opfer“, das läßt sich leicht sagen. „Wir waren es nicht … der andere war es.“ Das kennt man schon aus der Sandkiste. Tatsache ist, alle wollten schnell reich werden, am besten gestern. Und … haben sich vertan beim globalen Monopoly.

Börsen und Analysten haben es geschafft … leider erst bis kurz vor den „Super-GAU“. Aber ich bin sicher, Ihr schafft das schon uns vollständig zu beglücken und einen richtigen Wirtschafts-Gau hinzubekommen. Erst springt der ansonsten verteufelte Staat ein um Euch über Eure verzockten Monopoly-Gelder zu helfen. Dann, wenn sich der Sturm gelegt hat dann gilt „Business as usual“. Und in der Zwischenzeit beruhigt das Institut der deutschen Wirtschaft die Massen wenn es verkündet daß die Einkommen garnicht so ungleich verteilt sind und die Armutsbedrohung abgenommen habe. Jedenfalls wird es so in der Presse heute zitiert. Wer die Pressemitteilung aber ganz liest wird einen ganz anderen Eindruck gewinnen müssen.

Wer angesichts der allgegenwärtigen neoliberalen Propaganda nicht vollends verblöden will, dem empfehle ich die „andere Sicht der Dinge“. Vielleicht an einem verregneten Samstag zu lesen?

Integration von Ausländern ist ein Problem in Deutschland, aber, wie wir unlängst gesehen haben, nicht nur dort. Wie dem auch sei, daß Integration wichtig ist wird derjenige bezeugen können, der mit den Ergebnissen mangelhafter Integration konfrontiert wird. Grundschullehrer aus Berlin-Neukölln könnten da sicher einiges dazu erzählen.

Daß andererseits zu viel „Integration“ auch ihre Probleme haben kann, davon kann ich nach dem heutigen Tag selbst ein Lied singen. Der Anlaß: Besuch auf „meiner“ Bank in Kiew, aber der Reihe nach.

und hier geht es zu Monopoly-Spielern und

Daß Google die Suchmaschine schlechthin ist und seine Konkurrenten Yahoo und MSN schon lange abgehängt hat, daran besteht wohl kein ernsthafter Zweifel. Google weitet sich immer mehr aus und ist mittlerweile von der reinen Suchmaschine zum Anbieter vieler Lösungen avanciert.

Den Kalender kann man da führen, seine Fotos mittels Picasa ins Netz stellen und Google Maps und Google Earth sind Anwendungen die heute fast jedes Kind kennt und die den Einstieg in geodatengestützte Anwendungen eröffnen. Kein Wunder daß Google Maps auch auf dem neuesten iPhone zu finden ist.

Da hat es ein Newcomer erfahrungsgemäß schwer. Der Newcomer von dem hier die Rede sein soll ist „Cuil“ = sprich „cool“. Ob die neue Suchmaschine, die von ehemaligen Mitarbeitern des Riesen „Google“ ins Leben gerufen wurde, wirklich cool ist, läßt sich nach einigen Tagen Existenz im Internet sicher nicht abschließend beurteilen. Auch Google hat seine Zeit gebraucht um still und heimlich an seinen Mitwettbewerbern vorbeizuziehen. Daher sind vorschnelle Urteile m.E. nach völlig neben der Sache. Sicher kann man von dem neuen Dienst nicht das erwarten, was Google in jahrelanger Arbeit aufgebaut hat. Aber auf die Dauer könnte sich der David vielleicht zu einer echten Alternative zum Goliath „Google“ mausern. Man wird sehen.

Auf alle Fälle bin ich in einer Suchmaschine schon mal Nummer eins, „Cuil“ listet meinen Twitterfeed als Nummer eins dann auf, wenn man „fromrussia“ als Suchkriterium eingibt. Na schaun wir mal. Ich werde „Cuil“ jedenfalls ab und an zu Rate ziehen, und sei es nur um zu sehen ob der Kleine sich weiterentwickelt hat. Konkurrenz schadet jedenfalls in keinem Fall, oder ?

Gestern starb der russische Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn im Alter von 89 Jahren in Troitse-Lykovo in der Nähe von Moskau. Solschenizyn, der u.a. mit dem „Archipel Gulag“ bekannt geworden war und der 20 Jahre zwangsweise außerhalb Rußlands leben mußte, kehrte 1994 in seine Heimat zurück. Solschenizyn war Zeit seines Lebens ein Patriot seiner Heimat und Verfechter der Slawophilen.

Der eine oder die andere kennt sicher das Buch von Henry Miller, der auch Bücher wie der „Wendekreis des Krebses“ geschrieben hat. Daß die Bücher nicht unbedingt als Kinderliteratur durchgehen, das wissen wohl viele. Hier soll es weniger um Henry Miller gehen, als vielmehr einmal um „Silent days in Kiew“. Normalerweise ist Kiew im Sommer zwar nicht gerade ein beschaulicher Platz, aber ruhiger als sonst ist es schon. Große Teile der Bevölkerung sind in die Sommerfrische auf die Datscha oder an das Schwarze Meer auf die Krim gefahren. Zunehmend machen sich die Ukrainer auch auf ihre Nachbarn zu besuchen und fahren in die Türkei. Die ist, ganz nebenbei gesagt, auch erheblich billiger und der Service ist auch besser, wie selbst eingefleischte Patrioten zugeben.

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Auf einem Treffen in der Stadt Gagarin im Oblast Smolensk war es dem russischen Präsidenten Dmitry Medvedev heute anzusehen. Dima war sauer, aber gründlich. Anlaß: Auf dem Treffen an dem auch der Innenminister und der Generalstaatsanwalt teilnehmen, wurde die Situation von Klein- und Mittelunternehmen, insbesondere deren häufige Besuche durch die „rechtswahrenden Organe“ zum Thema.

Unmißverständlich forderte der Präsident auf, diese „Besuche“, deren Ergebnis pekuniäre Zuwendungen seitens der Unternehmer sind, umgehend einzustellen und die Betriebe nicht länger einzuschüchtern. Auch den Unternehmern müsse klar sein daß sie mit ihren Geldzuwendungen den Teufelskreis nur stabilisieren.

Der Bereich der Klein- und Mittelunternehmen ist dem russischen Präsidenten zufolge ein strategischer Bereich der weiteren Entwicklung der Wirtschaft Rußlands und stehe daher unter der besonderen Aufmerksamkeit des Präsidenten.

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, wies der Präsident zugleich darauf hin, daß mit dem heutigen Tage ein „Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung der Korruption“ in Kraft trete. Für die Umsetzung haben die Regionen zu sorgen – na Dima, ob das ne gute Idee ist? Jedenfalls haben in absehbarer Zukunft bestimmte Berufsgruppen detailliert über ihre Einkünfte Rechnung zu legen. Zu diesen Berufsgruppen gehören u.a. Milizionäre, Richter und Angehörige des Zolls.

Man darf gespannt sein wie schnell die Betroffenen „kreative Gegenlösungen“ entwickeln. Da feiert dann die russische Kreativität fröhliche Urstände, Ideen hätte ich da schon, wenn ich nur an die von ehemaligen Zollmitarbeitern in Tver gegründete Zollabfertigungsfirma denke … alles furchtbar legal und doch … nicht ganz sauber.

Hoffentlich kommt nicht der unlängst selbst vom Präsidenten zitierte Satz des russischen Schriftstellers und Satirikers Michail Jewgrafowitsch Saltykow-Schtschedrin zum Tragen „Die Härte des russischen Gesetzes wird dadurch kompensiert, das man es nicht unbedingt befolgen muß.“

Mit diesem Begriff umschreibt man den Brauch im alten Rom das Volk mittels Brot und Spielen ruhig zu stellen. Daß dieser gute Brauch nicht ausgestorben ist, dafür ist u.a. das Kiew heutiger Tage ein gutes Beispiel.

Anlaß der Volksbelustigung: Die Feier 1020 Jahre Christianisierung der Kievskaya Rus. Vor 1020 Jahren im Jahre 988 soll die Christianisierung der Kiewer Rus unter Großfürst Wladmir I., dem Heiligen stattgefunden haben. Heidnische Götterbilder wurden zerstört und in den Dnepr geworfen. Das Christentum wurde Staatsreligion am Dnepr.
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