We are very sorry… nichts für ungut
Februar 6, 2008 von fromrussia
Mit diesen Worten trat, Daniel Bouton, Vorstandschef der französische Bank Societe Generale, unlängst in einer Pressekonferenz vor die Öffentlichkeit um mitzuteilen, daß ein 31-jähriger „Investmentbanker“ „mal eben“ die Summe von 5 Milliarden Euro in riskanten „Future“-Aktiengeschäften verzockt hatte.
„Casinokapitalism at its best“, andere Worte fallen mir dazu nicht ein. Falls ein Privatkunde sein Konto mehr als vereinbart belastet, dann sorgen bankintern agierende Computersysteme sehr schnell dafür hier Grenzen zu ziehen und den Schuldner zu gemahnen seine Außenstände umgehend zurückzuführen. Solche Mechanismen scheinen aber kaum dort zu greifen wo mittels Transfersystemen immense Summen „mal eben schnell“ den Globus umrunden um durch die Mitnahme von Nachkommabeträgen in Aktien- und Valutageschäften hohe Gewinnsummen zu erzeugen die dann in den Gewinn der Bank einfließen. Die so erzeugten Gewinne führen dann zu 1A-Bewertungen an der Börse, dem „Goldenen Kapitalismuskalb“, dem scheinbar alles, und manchmal wohl auch Großhirn, geopfert wird.
Die „Peanuts“ der Deutschen Bank und sein damaliger Chef Hillmar Kopper sind noch allzu gut in Erinnerung. Diese „Peanuts“, bescherten manch kleinem Unternehmer im Rahmen der Immobilien-Affaire Schneider das „Aus“. Ein Mitarbeiter der englischen Barrings Bank bescherte mit seinen fehlgeschlagenen Aktienmonopolyspielen ein Negativ-Saldo von fast einer Milliarde Euro und bereitet damit seinem Brötchengeber ebenfalls das „Aus“. Der Mitarbeiter sitzt einige Jahre ab, schreibt ein Buch und lebt als freier Mann heute ebenso wie der ehemalige Immobilienfürst Schneider. Und letztlich der Banker Josef Ackermann, der im Rahmen der Mannesmann-Affaire, dem Verkauf des Mobilfunkanbieters Mannesmann D2 an den britischen Konkurrenten Vodafone, vor Gericht stehen muß, all das wirft kein allzu rosiges Licht auf die Banken.
Die Jungs und Mädels die da das „Investment“-Monopoly spielen werden mir zunehmend suspekter, wenn sie es denn nicht schon waren. Mehr als 53 Milliarden Euro Aktienwerte werden im Rahmen der amerikanischen Immobilienkrise, die ihre Schatten auf die Finanzmärkte wirft, Anfang der Woche weltweit durch Kursverluste vernichtet. Der ursprüngliche Gedanke des Investment, nämlich Unternehmen für deren unternehmerisches Handeln mit ausreichend Kapital auszustatten, ist schon lange abhanden gekommen. Kleinstbeträge und Valutakursdifferenzen von wenigen Zehntel-Cent, die sich zu erklecklichen Summen addieren, werden genutzt um Gewinne einzufahren. Jahresendprämien für Börsenprofis und Investmentbanker in für Otto-Norma-Verbraucher kaum vorstellbarem Umfang als auch enormer Leistungsdruck für Jungbanker führen dazu, daß „oben“ weggeschaut wird wie und wo die Gewinne der Bank herkommen, Hauptsache sie kommen.
Und jetzt dürfte dem letzten “Investmentbanker” - die hat mal jemand zusammen mit anderen “Investoren” als “Heuschrecken” bezeichnet, wir erinnern uns ? - klar sein daß der gute alte Satz von Andre Kostolani, dem Börsenguru, Gott hab ihn selig, auch für Banker gilt “Ihr Geld ist nicht weg. Es ist nur woanders”. Und der alte Schnack meines Freundes KPW fällt mir wieder ein. Er ergänzte seinerzeit den schönen Slogan “Geiz ist geil” durch den noch passenderen Slogan “Gier besiegt Gehirn”. Und Herrn Bouton, den man letztens im russischen Fernsehen im “Casuallook” ohne Kravatte bewundern konnte, muß sich wohl auch bald nach “neuen Herausforderungen” umsehen wenn man den harrschen Worten des französischen Präsidenten glauben schenken darf. Ob der Bankchef dann besser dastehen wird als die NOKIA-Mitarbeiter in Bochum? Da wird sicher ein “goldener Handschlag” den Abschied “versüßen”.
Heute hingegen ist Kundenservice für Privatkunden in vielen Banken zunehmend Mangelware, zumindest wenn man als Otto Normalv
erbraucher nicht mal eben einige Zehntausend Euro anlegen kann. Zum Glück kann ich das von MEINER Bank nicht sagen, ok, sie ist ja auch nicht die Größte und hat auch schon turbulente Zeiten mit fortwährenden Umbennenungen hinter sich. Wer erinnert sich noch an die gute alte BfG bei der ich seinerzeit - noch zu speziellen Gewerkschaftskonditionen - mein Konto eröffnete ? Und in Kiew gibt es sie auch, nicht ganz billig, und schon garnicht kostenlos für deutsche Kunden, na ja, aber immerhin, wenigstens ein wenig vertraut ist es schon.
Microsoft hat am gleichen Tag mitgeteilt daß man 3,2 Milliarden Dollar als Gewinn eingefahren habe. Na Bill? Keine Lust mal „kurz“ auszuhelfen?
Gute Lektüre zum Thema Geld „Eine Billion Dollar“ von Andreas Eschbach, ein Buch das ich im vergangenen Jahr gelesen habe und sicher nochmals lesen werde.