Einmal Krim und zurück … Tote Hose auf dem International Airport
Februar 12, 2008 von fromrussia
„James, Special request, fliegen Sie auf die Krim.„
Na ganz so dramatisch ist es nicht und ich bin nicht James Bond. Einmal Krim und zurück. Ziel? Simferopol, Aufgabe? Ein IT Training für Mitarbeiter der Regionalverwaltung für berufliche Bildung und Mitarbeiter der Berufsschulen zu eröffnen in der Hauptstadt der Autonomen Republik Krim.
“Abfertigung für Flüge auf die Krim in Terminal A„ des Kiewer Flughafens Borispol erfahre ich … in Terminal B, dem neueren der beiden Terminals. Wer ein Fan vergangener Sowjetzeiten ist, den entschädigt Terminal A zumindest zu 40 %. Ok, neues Gestühl gibt es, die Abflugtafel ist allerdings nur auf den zweiten Blick zu erspähen und die Sicherheitskontrolle erfolgt hinter Wänden die sehr an Berlin, U-Bahnhof Friedrichstraße erinnern. Nur daß an Stelle des “Gänse-Fleisch„ Vopos eine lächelnde (!!!) junge Dame die Tickets und den Paß entgegen nimmt. Also doch “Mauer-und-Spione-Feeling“? Chris de Bourghs “Borderline” fällt mir ein.
An Bord der YAK 42 der ukrainischen Fluggesellschaft AEROSVIT presse ich mich in einen Sessel am Fenster in Reihe 13. Mein Nachbar zur Vorderen hat seinen Sitz schon in Schlafposition gebracht, wie schön. Nur meine Beine wollen einfach nicht in diese Sardinenbüchsenlücke. Ich zwänge mich so gut es geht hinein und drücke meinem Vordermann die Knie unbarmh
erzig in den Rücken. Das ist für uns beide gleich unangenehm und er richtet seine Sitzlehne wieder auf, 1:0 für mich, auch wenn meine Kniescheiben noch immer malträtiert werden. Jetzt noch beten daß niemand neben mir zu sitzen kommt. Der Herr erhört meine Gebete und und mein Rucksack und ich haben die ganze Sitzreihe für uns. Noch schnell den iPod angeschaltet. ich höre einen mir neuen Podcast, “In China da essen sie Hunde” heißt er. Was es auf der Krim wohl geben mag? Die Yak rumpelt über die Startbahn und schon hebt sie ab. Mit einem Ruck wird das Fahrwerk eingezogen, es kann losgehen. “Simferopol, here I come„.
Was habe ich daraus gelernt ?
1. Beim Einchecken schnell zu sein und einen Sitz in Reihe 7 oder 14 ergattern. Dort sind die Notausgänge und damit auch so etwas wie Beinfreiheit. Da wir auf dem Flug ein Bonbon angeboten bekommen und keinen Wodka Martini, weder geschüttelt, noch gerührt, kommt so richtige James-Bond-Stimmung auch nicht auf.
2. Nur kann ich jetzt bereits ahnen warum AEROSVIT eben AEROSVIT heißt, ganz klar “sweet„, das Bonbon ist süß. Warum ich nicht gleich darauf gekommen bin?
Landung in Simferopol 90 Minuten später. Da ich meine Beine in der Zwischenzeit entlang meiner freien Nebenplätze bugsieren konnte, muß ich mich noch nicht einmal mit abgestorbenen Beinen aus dem Flugzeug bewegen. A pro pos Aussteigen. Es ist immer wieder schön zu sehen wie meine “Nun-Landsleute„ sich beeilen das Flugzeug zu verlassen. Schon als das Flugzeug noch rollt steht der Gang voll von ausstiegsbereiten Zeitgenossen, fertig gestiefelt und gespornt. Hat sich die Kabinentür endlich geöffnet, strebt die Menge dem Ausgang zu und die Treppe hinab zu dem Bus der sie dann vom Flugfeld bringen soll hin zum Abfertigungsgebäude. Und das alles hat einen Pferdefuß. Ich kann mich nämlich kaum zu solcher Hektik hinreißen lassen. Die Folge? Ein Bus voll Passagiere der zum Abfertigungsgebäude will … und auf mich warten muß.
Ankunft am Rande des Flughafens aber statt eines vollständigen Abfertigungsgebäudes begrüßt uns nur eine Überdachung, nichts mit Abfertigungsgebäude. Das Abfertigungsgebäude “leiht„ nur eine seiner Außenwände um das Gepäckband mittels eines Daches vor Regen, Schnee und weiterem Ungemach zu schützen. Unter diesem Dach läuft das Gepäckband. Und wie der Zufall es will, meine Tasche ist Nummer drei. Da hat die ganze Kohorte auf den Nachzügler gewartet und nun nimmt der seelenruhig seine Tasche und ist als einer der Ersten weg, na sowas.
Ich bin im Süden der Ukraine, rund 800 Km von Kiew entfernt gelandet. Im Süden hatte ich mehr “Süden„ erwartet. Und was dann kam war Winter, oder so ähnlich. Kleine Schneeflocken erwarten mich am Flughafen in Simferopol als ich mein Gepäck von einem Fließband unter offenem Himmel hebe. Gefühle der 6. Armee vor Stalingrad wollen sich zwar nicht einstellen, aber ich bin, wie so oft, falsch angezogen, jedenfalls für längere Aufenthalte im Freien. Nicht Mrs. Moneypenny, sondern eine Mitarbeiterin der örtlichen Verwaltungsabteilung für berufliche Bildung, Olga, und ihr Mann erwarten mich. Olga hat bisher alles gut organisiert. Es scheint ihr erstes Seminar mit einem Ausländer zu sein habe ich das Gefühl, aber sie meistert alles souverän. Das Hotel “Viktoria„, ein kleines gemütliches 3-Sterne-Hotel in dem ich dann eine halbe Stunde später unterkomme ,ist gut geheizt, so gleicht sich die Kälte auf dem Rollfeld aus. Im statistischen Mittel ist es angenehm warm auf der Krim im Februar.
Unverzeihlicherweise hatte ich mir nichts zu Essen mitgenommen, ein Fehler wie sich jetzt gegen 22.00 Uhr in einem Hotel in Simferopol herausstellt. “Der Koch sei leider schon zuhause” - wie schön für ihn - und selbst ein paar Chips habe man nicht. Also “überbrückt„ eine Flasche Obolon Bier den Rest des Abends. Ok, ich habe auch so noch genug zutun.
Morgen - am Montag - beginnt das Training. “Simferopol die Zweite - Klappe ab, Film läuft …. und Action„.