Ende vons Gas … und “Hey Mr. Taxman” in Kaliningrad
Februar 13, 2008 von fromrussia
Einige von uns werden sich sicher noch n die düsteren Prophezeiungen erinnern die man den Atomkraftgegnern seinerzeit vorhielt. „Atomkraftgegner überwintern bei Dunkelheit mit kaltem Hintern.“
Dieses Schicksal drohte in letzter Zeit zwar nicht den hiesigen Atomkraftgegner, aber der Ukraine zumindest in großen Teilen. Der “freundliche Hinweis” von Gazprom an die Ukraine daß man wohl mit der Begleichung einiger Außenstände ein wenig im Rückstand sei und man deshalb seitens GAZPROM erwäge der Ukraine das Gas am 12. Februar 2008 beginnend ab 18.00 Uhr Ortszeit abzudrehen, blieb nicht ohne Wirkung.
In letzter Minute konnte das “Ende vons Gas” abgewendet werden. In einem Gespräch der Präsidenten beider Länder vereinbarten der russische Präsident Putin und der ukrainische Präsident Yushenko in Moskau am gleichen Abend, daß die Begleichung der ukrainischen Außenstände für Gaslieferungen in den Monaten November und Dezember 2007 am Donnerstag, dem 14. Februar 2008 beginnen werde. Zugleich wurde vereinbart, daß eine neue Gesellschaft in der Ukraine gegründet werde, die den Gasimport in die Ukraine organisiert. Anteilseigner sind die russische GAZPROM und die Ukraine zu jeweils 50 %.
Der eine oder andere erinnert sich sicher auch noch an den Hit der Beatles „Hey Mr. Taxman“. In dem Lied zählen die Liverpooler im einzelnen auf was der Herr von der Steuer so alles besteuern wird, bis hin zum Stuhl auf den man sich setzt. Mit der Steuerzahlungsmoral der Russen ist es zwar schon besser geworden, dazu hat nicht zuletzt auch eine Steueramnestie geführt, die es erlaubte vergessenen Beträge„ nachzuzahlen, pauschal 13 % und ohne Nennung des Besteuerungsgrundes. So kam schon einige Rubel wieder in die Staatskasse. Leider hatten diesen Ruf zur Steuerehrlichkeit aber wohl nicht alle vernommen. Insbesondere mit der Zahlungsmoral in Bereich der Kfz-Steuer steht es nicht zum Besten. Das veranlasste die Verkehrspolizei und die Steuerbehörde des Kaliningrader Oblast unlängst zu einer gemeinsamen Aktion. Die mittels Kfz-Zulassungsnummer identifizierten Steuersünder wurden im Rahmen von Verkehrskontrollen nicht nur vom Wachtmeister der Militsia überrascht, überraschender war den Ertappten noch die gleichzeitige Anwesenheit des Herr von der Steuerbehörde. Rund ein Viertel der Kaliningrader Autofahrer, die “vergessen„ hatten die Steuer zu entrichten wurden so zur Kasse gebeten. Das Übel wäre einfach zu beseitigen. Wie auch in Deutschland könnte man Einziehungsaufträge für Bankkonten erteilen … wenn man denn welche hätte. Infolge der seinerzeitigen Geldentwertung des Rubel 1998 und des damaligen Einfrierens von Konten haben große Teile der Bevölkerung bis heute das Vertrauen in Banken immer noch nicht zurückgewonnen. Viele Rubel fristen weiterhin ihr Dasein unter dem russischen Kopfkissen. Nennenswerte Teile des Gehaltes werden auch weiterhin im Umschlag an offiziellen Besteuerungen vorbei ausgezahlt. Den offiziell genannten Löhnen die man da genannt bekommt ist also durchaus zu mißtrauen. Aber Autofahren im Gebiet Kaliningrad ist weit weniger spaßig geworden für die Einheimischen, soviel steht fest.