Seit einiger Zeit bin ich jetzt bereits in Kiew. In die Regionen bin ich ebenfalls gefahren, aber da eben immer in die regionalen Zentren wie Cherkasy, Lvov oder Kharkov, alles Städte ab 150.000 Einwohner bis an die Million Einwohner und mehr. Diesmal sollte es in eine kleine Stadt gehen, Buki heißt sie und liegt im Gebiet Cherkasy irgendwo östlich an der Trasse Kiew – Odessa. Zweck der Übung? Wieder mal ein Computertraining für Mitarbeiter von Berufsschulen. Buki als Stadt zu bezeichnen ist schwer, eigentlich ist der Ort dafür zu klein, aber Dorf? Dafür ist Buki wieder zu groß. Im Russischen gibt es dafür einen Ausdruck „Ansiedlung städtischen Charakters“. Also geht es in die „Ansiedlung städtischen Charakters“. Aber das Ansinnen ist nicht ganz einfach in die Tat umzusetzen.
Abfahrt Kiew um 15.30. Fast alle Geschwindigkeitsbegrenzungen einhaltend erreichen wir die Abfahrt Zhaschkiv gegen 17.45. Es ist schon dämmerig, die Nacht bricht an. Am Ende des Ortes ein Wegweiser, Buki. Wenn man jetzt dem Prinzip treu bleibt immer auf der Hauptstraße zu bleiben, dann müssten wir Buki erreichen. Durch kleine Dörfer geht es immer weiter und der nasse Dreck der von der Straße aufwirbelt macht unsere Scheinwerfer blind. Insoweit also nichts Neues. Auch hier gilt der gute alte russische Grundsatz „Russland hat zwei Problem ‘dorogi’ = Straßen und ‘duraki’ = Dummköpfe“. Über die Dummköpfe kann ich nichts sagen aber die Straßen, ein Graus. Kleine Orte tauchen auf und als wir aus einem schon fast raus sind ruft Tatyana „Das ist das Ortsausgangsschild von Buki.“ Wir machen kehrt. Wir müssen in die Leninstraße und nach allem was ich vermute ist das die Hauptstraße. Und mit der Vermutung liege ich richtig. Nach einiger Zeit haben wir auch die Berufsschule gefunden. Dort erwartet man uns bereits und erklärt daß man uns habe vorbeifahren sehen. Ich habe im Gegensatz dazu in der Dunkelheit nichts gesehen. Gut, ok, wir sind angekommen. Und zur Sicherheit habe ich die ganze Tragödie auf dem GPS Gerät verewigt. Fahren nach Instrumenten sollte in Zukunft kein Problem werden. Dann setzen sich meine ukrainischen Kollegen in ihr Auto, einen Tavria ehemals sowjetischer Fertigung der auch heute noch gebaut wird. Mühsam bahnt sich das altersschwache Gefährt seinen Weg. An jeder Anhöhe kommen verdächtige Russschwaden aus dem Auspuff. Unser Ziel das Sanatorium AKVADAR in oder bei Mankievka. Der Ort ist zwar auf der Karte zu sehen, was aber nicht heißt daß er auch leicht zu finden wäre. An einer Gabelung im Ort darf man nämlich nicht – wie sonst – der Hauptstraße folgen, sondern muss die Nebenstraße nehmen. Einen Wegweiser sucht man allerdings vergeblich. So „einfach“ ist das. Hoffentlich hält das Auto unserer ukrainischen Partner durch. Nach 18 Km Dunkelheit sind wir am Ziel. Unsere Unterkunft heißt „Akvadar“ und ist ein ehemaliges Sanatorium das einige Kolchosen einst zusammen betrieben. Vor ca. 2 Jahren haben Kiewer das Sanatorium übernommen und die ersten Schritte sind getan um daraus etwas zu machen, das man auch westlichen Kunden anbieten kann.
Die Einheimischen haben die „Luxussuite“ für den Westler bestellt. Wann kapiert man hier endlich daß ich nur übernachten will und nicht die Anlage kaufen? Ein anderes Zimmer gibt es im Moment nicht, na toll. Also auf in die Luxussuite. Das Einchecken geht verhältnismäßig schnell von statten. Das Zimmer, besser die Zimmer, liegen in Haus 3 der Anlage. Das Haus ist ein Neubau und die Luxussuite liegt nach deutschen Maßstäben im 2. Stock, zu dem es über eine Treppe mit ungleichen Treppenstufen geht. Hat jemand schon einmal in einem Neubau der letzten Jahre in Russland oder der Ukraine eine Treppe mit gleichmäßig hohen Stufen gesehen? Ich bisher nicht, wie dem auch sei. Das Appartement entpuppt sich als 2-Raum-Installation. Der erste Raum enthält Garderobe, Sofa, Sessel, Kühlschrank und Sideboard und – wie sinnig – einen Flokati. Der zweite Raum Bett, Schrank, Fernseher, Sideboard und Nachtschrank. Alles ganz gut gemacht, aber nötig gewesen wäre der „Prunk“ nicht. „Geht es auch ein bißchen einfacher?“, der Satz von Gerhard Schröder bei Beziehen des Kanzleramtes, fällt mir ein. Man darf gespannt sein wie es weitergeht.