Mit diesem Begriff umschreibt man den Brauch im alten Rom das Volk mittels Brot und Spielen ruhig zu stellen. Daß dieser gute Brauch nicht ausgestorben ist, dafür ist u.a. das Kiew heutiger Tage ein gutes Beispiel.
Anlaß der Volksbelustigung: Die Feier 1020 Jahre Christianisierung der Kievskaya Rus. Vor 1020 Jahren im Jahre 988 soll die Christianisierung der Kiewer Rus unter Großfürst Wladmir I., dem Heiligen stattgefunden haben. Heidnische Götterbilder wurden zerstört und in den Dnepr geworfen. Das Christentum wurde Staatsreligion am Dnepr.
Vom 25. bis zum 27. Juli 2008 feiert das offizielle Kiew die Christianisierung. Der eingeladene griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel legt gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten einen Kranz nieder. Die Gläubigen ziehen unter Gesang in die Sophienkathedrale, die Kirche des Heiligen Michael und in das Höhlenkloster. In einer Ansprache auf einer Veranstaltung mit dem Kirchenoberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche trägt der Präsident der Ukraine seine Idee von einer unabhängigen orthodoxen aber ukrainischen Kirche vor und bittet um die Unterstützung der Idee seitens der Griechisch-orthodoxen. Der angereiste Gast antwortet darauf zur Enttäuschung Juschenkos höchst ausweichend.
Einen Tag später trifft das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, der Patriarch Alekseij der Zweite aus Moskau in Kiew zu den offiziellen Feierlichkeiten ein. Während der Präsident das Kirchenoberhaupt aus Konstantinopel mit Umarmung und Bruderkuss willkommen geheißen hat, verbleibt es beim Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche aus Moskau beim Händedruck. Deutlicher kann man nicht zeigen wen man hier wie wertschätzt. Gläubige begrüßen das Oberhaupt der russisch-othodoxen Kirche und skandieren „Alekseij unser Patriarch“, ein herber Schlag für den Präsidenten, dessen Beliebtheit im Volk seit der sagenumwobenen „orangenen Revolution“ stetig abgenommen hat. Ob diese Demonstration ein inniges Anliegen der Gläubigen war, oder ob „finanzielles Engagement“ zu der eher „spontanen Kundbarmachung der Meinung“ geführt hat, ist schwer zu sagen.
Seit den Tagen des Machtkampfes zwischen den Verfechtern von Janukovitch einerseits und den Verfechtern der „Orangenen Revolution“ andererseits weiß man, daß man „Demonstranten“ – wie so Vieles in der Ukraine – auch „bestellen“ kann.
Zu den Zeiten der Auseinandersetzung waren Menschenmassen aus der Ostukraine in teilweise ungeheizten Zügen nach Kiew gebracht worden um dort ein blaues Zeltlager als Unterstützung für den Kandidaten der Partei der Regionen, den Premierminister Viktor Janukovitch zu erstellen, quasi als Gegenmaßnahme zum Zeltdorf der Verfechter der “Orangenen Revolution”. Jeder Teilnehmer bekam ein Taschengeld und Züge wurden organisiert, die die Menschen nach Kiew brachten. Als die Berufsdemonstranten jedoch in der Kälte schlecht versorgt wurden und sie mitansehen mußten wie die Verfechter der „Orangenen“ bestens verpflegt wurden, da wandte sich das Blatt und viele der „Bestelldemonstranten“ der Partei der Regionen unter Janukovitch wandten sich – auf Grund der besseren finanziellen Zugeständnisse – den Verfechtern der „orangenen Revolution“ zu.
So hatte die „Anschubfinanzierung“ von Janukovitch letztlich zum Anwachsen der Demonstranten unter Juschtschenko und Juliya Tymoshenko geführt. In Deutschland ist dieses Phänomen seit den 60ern als “Jubelperser„ bekannt. Soviel am Rande zur “Orangenen Revolution„ und deren demokratischen Grundlagen. Jeder möge sich also seinen eigenen Reim machen. Zurück zur Feier in Kiew.
Auf dem Khreschschatik wird ein Konzert organisiert und insgesamt amüsiert sich die Menge prächtig. Den Abschluß am Sonntag Abend bildet ein Feuerwerk das auch von unseren Balkon gut zu sehen ist. Fast eine halbe Stunde blitzt und kracht es in Kiews Himmel, Brot und Spiele eben, wie sie auch das alte Rom nicht besser hinbekommen hätte.
Das wäre auch alles in Ordnung wenn, ja wenn nicht ein paar Tage vorher massive Regengüsse und Überschwemmungen die westlichen und südwestlichen Regionen der Ukraine, die an Rumänien und Moldavien grenzen, schwer heimgesucht hätten. In den betroffenen Regionen treten die Flüsse über die Ufer, Hochwasserstände von teilweise bis zu 10 m über dem Normalpegel und Hagelschläge bei dem tennisballgroße Hagelkörner mal eben locker Dächer in Siebe verwandeln, das ist das Bild das sich dem Betrachter im ukrainischen und russischen Fernsehen darbietet.
Mittlerweile sind die Schäden und deren Umfang ein wenig klarer. Auf mehrere 10-Millionen Dollar beliefen sich die Schäden, die auch das benachbarte Moldavien mit dessen abtrünnigem Teilgebiet Dnistrovien heimgesucht haben. Bis alles wiederhergestellt sein wird, so der Kommentator iim russischen Fernsehen, könnten bis zu drei Jahre ins Land gehen.
Die Betroffenen erhalten zunächst das Versprechen daß sie eine Erstzahlung von 1000.-. Hrivna erhalten sollen. Nach deutschen Maßstäben sind das rund 138 Euro. Daß man mit diesem Geld keine allzu weiten Sprünge machen kann wenn man in den Resten der kümmerlichen Habe steht die das Hochwasser nicht mitgerissen hat, wird selbst dem letzten Zeitgenossen klar. Wenn man zugleich weiß, daß die Abgeordneten der Verkhovnaya Rada mal eben 35.000.- Hrivna pro Mann und Nase = rund 5.000.- Euro für Kuraufenthalte erhalten, wie mir ein Taxifahrer erzählt, ist klar daß langfristig ein “Staat ohne Staatsvolk„ entsteht wird.
Wie mir der Taxifahrer weiter erklärt, sei das ukrainische Volk äußerst geduldig. Die Geduld habe allerdings seine Grenzen und die “orangenen Revolution„ sei wohl der absolute Schlag ins Wasser. Gebessert habe sich nichts. Die 1,52 Millionen Dollar, die man für die Feierlichkeiten verbraucht hat, hätten anderswo vielleicht auch einen Nutzen stiften können, wer weiß.


Da sieht man wie der pseudo- Sozialismus funktioniert.
Nicht nur in der Ukraine.
So funktionieren sozialistische Staaten. Bei uns Parteien.