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Archive for Februar 2008

Am nächsten Morgen Aufstehen, Duschen, das Übliche eben. Dann geht es zum Frühstück in der ehemaligen Stolovaya (Kantine). Die Kantine hat noch einen gewissen „Sowjetcharme“ den auch die Bedienung mühelos herüberbringt. Wir werden separat „platziert“ weil wir ja Teil einer Gruppe sind, die aber noch gar nicht vollständig da ist. Das Frühstück zeichnet sich durch eine gewisse „Schlichtheit“, sprich:Kärglichkeit aus. Neben etwas Quark, Butter und Käse zwei Scheiben Brot und eine Tasse Tee. Kaffee gibt es wenn wir ihn einen Tag vorher bestellen. Wir sind in einem Sanatorium gelandet … nur sind wir nicht leidend und auf Kur, egal. Später erfahre ich daß es ein Frühstücksbuffet demnächst geben soll. Hoffentlich ist „demnächst“ bald.

Abfahrt nach Buki, das GPS zeigt uns den Weg, den wir des Nachts gekommen sind. Bald ist Buki erreicht. Ein Teil unserer Trainingsteilnehmer ist bereits vor Ort. Sachen auspacken, Die Begrüßungsrede, das Prozedere wird erklärt. Tatyana beginnt mit dem Training und ich kümmere mich um das Finanzielle. Gegen 15.00 lasse ich Tatyana allein mit der Gruppe zurück und fahre nach Kiew. Nach drei Stunden Ankunft am Stadtrand und das Wuseln durch den üblichen stadtweiten Feierabendstau. Um 19.00 bin ich wieder zuhause, packe die Sachen aus und … wo ist der Rucksack mit meinem Notebook? Doch nicht etwa in Buki? Ein Anruf bei Tatyana bringt Licht ins Dunkel. Der Rucksack, den ich mit in den Computersaal der Schule von Buki genommen habe, macht Landurlaub. Und ich brauche die Kiste dringend morgen früh. Was liegt da näher als …. genau … zurück nach Mankievka. Aber erst zwei Stunden Nickerchen. Dann geht es erneut auf die Trasse.

Nach zwei Stunden Abfahrt Zhaschkiv erreicht. Jetzt heißt es aufpassen. Schlechte Beleuchtung in den Orten, keine Wegweiser, also beste Bedingungen sich zu verfranzen oder jemanden über den Haufen zu fahren. Wieder keimt der Wunsch nach vier Zusatzscheinwerfern auf dem Dach auf. Nach fast vier Stunden sind wir wieder in Mankievka gelandet. Das GPS hat gute Dienste geleistet, nur einmal an der Weggabelung ohne Wegweiser falsch abgebogen aber unser kleiner elektronischer Helfer hat uns das nach zwei Minuten signalisiert, umdrehen, auf den richtigen Weg einbiegen, das war es.

Tatyana erwartet mich am Tor des Sanatoriums mit dem Rucksack. „Rücksturz zur Erde“, hätte man im Raumschiff Orion seinerzeit gesagt. Nach weiteren vier Stunden durch die ukrainische Nacht bin ich wieder in Kiew. Ich bin fix und fertig, nur noch ein Wunsch, schlafen.

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Seit einiger Zeit bin ich jetzt bereits in Kiew. In die Regionen bin ich ebenfalls gefahren, aber da eben immer in die regionalen Zentren wie Cherkasy, Lvov oder Kharkov, alles Städte ab 150.000 Einwohner bis an die Million Einwohner und mehr. Diesmal sollte es in eine kleine Stadt gehen, Buki heißt sie und liegt im Gebiet Cherkasy irgendwo östlich an der Trasse Kiew – Odessa. Zweck der Übung? Wieder mal ein Computertraining für Mitarbeiter von Berufsschulen. Buki als Stadt zu bezeichnen ist schwer, eigentlich ist der Ort dafür zu klein, aber Dorf? Dafür ist Buki wieder zu groß. Im Russischen gibt es dafür einen Ausdruck „Ansiedlung städtischen Charakters“. Also geht es in die „Ansiedlung städtischen Charakters“. Aber das Ansinnen ist nicht ganz einfach in die Tat umzusetzen.

Abfahrt Kiew um 15.30. Fast alle Geschwindigkeitsbegrenzungen einhaltend erreichen wir die Abfahrt Zhaschkiv gegen 17.45. Es ist schon dämmerig, die Nacht bricht an. Am Ende des Ortes ein Wegweiser, Buki. Wenn man jetzt dem Prinzip treu bleibt immer auf der Hauptstraße zu bleiben, dann müssten wir Buki erreichen. Durch kleine Dörfer geht es immer weiter und der nasse Dreck der von der Straße aufwirbelt macht unsere Scheinwerfer blind. Insoweit also nichts Neues. Auch hier gilt der gute alte russische Grundsatz „Russland hat zwei Problem ‚dorogi‘ = Straßen und ‚duraki‘ = Dummköpfe“. Über die Dummköpfe kann ich nichts sagen aber die Straßen, ein Graus. Kleine Orte tauchen auf und als wir aus einem schon fast raus sind ruft Tatyana „Das ist das Ortsausgangsschild von Buki.“ Wir machen kehrt. Wir müssen in die Leninstraße und nach allem was ich vermute ist das die Hauptstraße. Und mit der Vermutung liege ich richtig. Nach einiger Zeit haben wir auch die Berufsschule gefunden. Dort erwartet man uns bereits und erklärt daß man uns habe vorbeifahren sehen. Ich habe im Gegensatz dazu in der Dunkelheit nichts gesehen. Gut, ok, wir sind angekommen. Und zur Sicherheit habe ich die ganze Tragödie auf dem GPS Gerät verewigt. Fahren nach Instrumenten sollte in Zukunft kein Problem werden. Dann setzen sich meine ukrainischen Kollegen in ihr Auto, einen Tavria ehemals sowjetischer Fertigung der auch heute noch gebaut wird. Mühsam bahnt sich das altersschwache Gefährt seinen Weg. An jeder Anhöhe kommen verdächtige Russschwaden aus dem Auspuff. Unser Ziel das Sanatorium AKVADAR in oder bei Mankievka. Der Ort ist zwar auf der Karte zu sehen, was aber nicht heißt daß er auch leicht zu finden wäre. An einer Gabelung im Ort darf man nämlich nicht – wie sonst – der Hauptstraße folgen, sondern muss die Nebenstraße nehmen. Einen Wegweiser sucht man allerdings vergeblich. So „einfach“ ist das. Hoffentlich hält das Auto unserer ukrainischen Partner durch. Nach 18 Km Dunkelheit sind wir am Ziel. Unsere Unterkunft heißt „Akvadar“ und ist ein ehemaliges Sanatorium das einige Kolchosen einst zusammen betrieben. Vor ca. 2 Jahren haben Kiewer das Sanatorium übernommen und die ersten Schritte sind getan um daraus etwas zu machen, das man auch westlichen Kunden anbieten kann.

Die Einheimischen haben die „Luxussuite“ für den Westler bestellt. Wann kapiert man hier endlich daß ich nur übernachten will und nicht die Anlage kaufen? Ein anderes Zimmer gibt es im Moment nicht, na toll. Also auf in die Luxussuite. Das Einchecken geht verhältnismäßig schnell von statten. Das Zimmer, besser die Zimmer, liegen in Haus 3 der Anlage. Das Haus ist ein Neubau und die Luxussuite liegt nach deutschen Maßstäben im 2. Stock, zu dem es über eine Treppe mit ungleichen Treppenstufen geht. Hat jemand schon einmal in einem Neubau der letzten Jahre in Russland oder der Ukraine eine Treppe mit gleichmäßig hohen Stufen gesehen? Ich bisher nicht, wie dem auch sei. Das Appartement entpuppt sich als 2-Raum-Installation. Der erste Raum enthält Garderobe, Sofa, Sessel, Kühlschrank und Sideboard und – wie sinnig – einen Flokati. Der zweite Raum Bett, Schrank, Fernseher, Sideboard und Nachtschrank. Alles ganz gut gemacht, aber nötig gewesen wäre der „Prunk“ nicht. „Geht es auch ein bißchen einfacher?“, der Satz von Gerhard Schröder bei Beziehen des Kanzleramtes, fällt mir ein. Man darf gespannt sein wie es weitergeht.

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Heute wird der Tag der Verteidiger des Vaterlandes gefeiert. Der Tag, der aus dem Tag der Roten Armee hervorging, ist heute wohl die russische Version des Vatertages. Er geht auf die erste Rekrutierung von Soldaten der Roten Armee 1918 in Moskau und Petrograd – heute wieder St. Petersburg – zurück.

An diesem Tag erhalten die Männer kleine Geschenke von ihren Lieben, der Tisch wird gedeckt und es wird – wieder einmal – gefeiert. Die Männer ihrerseits revanchieren sich dafür am 8. März, dem international Frauentag, an dem in Rußland und auch in der Ukraine der Blumenhandel floriert. Das Fernsehen sendet ein nicht enden wollendes Konzert. Alles in allem ein ganz netter Tag. Fällt der 23. Februar auf einen Arbeitstag, dann kann man getrost vergessen in einer russischen Firma etwas oder jemanden erreichen zu wollen.

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Wir erinnern uns, am 10. Februar bin ich auf die Krim geflogen um ein Basis EDV Training für Mitarbeiter von Berufsschulen und der regionalen Berufsbildungsverwaltung zu eröffnen und eine Vorlesung über EDV Nutzung im Westen zu halten. Der Flug war suboptimal und die anschließende Bewirtung im Hotel zu später Stunde beinhaltete ebenfalls ein erhebliches Verbesserungspotential.

Heute, am 13. Februar sollte alles anders werden. Ich war gewappnet. Unterwegs zum Flughafen hatte ich noch eine kleinere Debatte mit einem Mitarbeiter der Rechtswahrenden Organe, die damit endete dass mich „Herr Obrigkeit“ mit meinem Taxifahrer mürrisch maulend von dannen ziehen ließ. Der Beginn ließ sich also nicht schlecht an, zumindest für mich. An Terminal A in Borispol angekommen, fand ich schnell meine Mitarbeiterin Tatyana, die mit mir auf die Krim fliegen sollte. tatyanaundolgainsimferopol.jpgIhre Aufgabe, Training der Nutzung unseres neu entwickelten Management Information Systems für berufliche Bildung. Ich hatte die Nutzungsbeschreibung mit, die wir morgen den Trainingsteilnehmern geben würden.

Wissend um die problematische Beinfreiheit in den Sitzreihen der YAK 42 näherten wir uns dem Abfertigungsschalter wo ich schnell noch mein Gepäck aufgeben wollte. „Welche Sitzreihe hätten Sie gern?“, schallte es uns entgegen. „Bitte Reihe 7 oder Reihe 14 wenn möglich.“, antwortete ich weltmännisch, wohl wissend dass sich dort die Notausgänge befinden und man die Beine nicht so anziehen muss, dass man mit den Kniescheiben die Ohren verschließen kann. „Gern, Fensterplatz oder Gangplatz?“, war die Antwort. „Das ist uns ganz egal, Hauptsache Beinfreiheit.“ Ausgerüstet mit den Reihe-14-Bordkarten verließen wir den Schalter. Meine Tasche machte noch einen Bogen auf dem Transportband und schon verschwand sie samt Gepäckaufkleber aus meinem Blickfeld. Sie enthielt neben der gewöhnlichen SOS-Ausrüstung (Socken, Oberhaupt und Schlips) und der Toilettentasche auch noch meine Notration bestehend aus Schnittkäse, etwas Wurstaufschnitt und Brot. Der Notvorrat wurde nötig nachdem ich bei meinem ersten Aufenthalt im Hotel die Erfahrung machen musste, dass der Koch kurz vor meinem Eintreffen wohl fluchtartig das Hotel verlassen hatte und man sich außerstande sah mir wenigstens ein Tüte Kartoffelchips zu veräußern, Der Ausweg? Eine Flasche Obolon-Bier. Das sollte diesmal nicht passieren.

Dann der Aufruf des Fluges, Tatyana und ich passierten die Sicherheitskontrollen ohne weitere Problem, schnell noch ein Cappuccino dann weiter und warten auf das Abreißen der Bordkarte, das Öffnen der Türen, die Busfahrt über das Rollfeld und schließlich das Versinken in einem der Sitze in Reihe 14. Soweit die Theorie, die Praxis hatte leider einige kleine unwesentliche Abweichungen vom Kausalverlauf, wie der Jurist, der ich nun einmal noch immer bin, sagen würde.

Eine Menschenansammlung dort wo die Karten abgerissen werden, Flug um Flug wurde aufgerufen, nur unser um 19.50 Uhr geplanter Flug nicht. Und erstaunlicherweise wiederholte sich bei allen Flügen das gleiche Szenario. Der Flug wird aufgerufen, Passagiere drängen sich mehr oder minder geordnet zum Schalter, die Karten werden abgerissen und die Passagiere verschwinden im bereitstehenden Bus, der dann aber doch nicht abfährt, weil noch der eine oder Passagier fehlt. Wieder und wieder die laut gerufenen Frage „Noch Passagiere für Ivano Frankivsk?“ Dann hektisches Laufen des Personals durch den Saal. „Passagiere für Ivano Frankivsk bitte zum Abflug.“ Nach zehn weiteren Minuten fährt der Bus endlich ab. Bei Flügen nach Odessa und Lviv das gleiche Bild. Und unser Flug ? Er hat Verspätung erfahren wir nun, Abflug um 20.30. Ok, also 20.30 Uhr, soll mir recht sein, Hauptsache Reihe 14 mit der sagenhaften Beinfreiheit. In der Zwischenzeit habe ich einige Landsleute ausfindig gemacht, die ebenfalls auf die Krim wollen. Sie verstehen weder Ukrainisch noch Russisch und so informiere ich sie jeweils was gerade durchgesagt wurde. Wir vertreiben uns die Wartezeit und erzählen uns Erlebnisse die wir bei Reisen ins Ausland hatten. Bei jedem Aufruf eines Fluges sagt einer meiner Kurzfristbekannten dass er da nicht hinwolle. Nach einiger Zeit fügt er hinzu, dass er lieber gleich ganz nach hause, das sich in Emden befindet, wolle. Die beiden, von denen einer, wie sich herausstellt, aus der Schweiz ist, sind in Sachen Schiffbau unterwegs und wollen nach Kertsch, dem Einlass vom Schwarzen Meer zum Asowschen Meer, der in letzter Zeit Berühmtheit dadurch erlangt hat, dass dort ein russischer Tanker strandete und sowohl das linksseitige ukrainische Ufer, als auch das rechtsseitige russische Ufer mit dem auslaufenden Öl verseuchte. Wir zeigen uns gegenseitig die in unseren Reisepässen vorhandenen Visa. Der Schweizer gewinnt, sowohl was die Anzahl der Länder anbelangt, u.a. China, als auch die Exotik der Visa. Ok, ein usbekisches Visum hat er nicht, aber gegen China gebe ich mich geschlagen.

Endlich, auch unser Flug wird aufgerufen, alle streben der Ausgangstür zu wo unsere Bordkarten abgerissen werden. Wir gehen zum Bus. Im Bewusstsein um die Komfortreihe 14 lege ich keine sonderliche Eile an den Tag. Die Bustüren schließen sich, wir fahren los. Auf dem Rollfeld kreuzt ein LkW der LSG Catering, der Lufthansatochter unseren Weg. Ein gutes Zeichen. Vielleicht will uns AEROSVIT für die Verzögerung entschädigen? Vor meinem Auge sehe ich schon das Abendessen serviert von einer netten Stewardess auf einem Platz in Reihe 14.

Wir erreichen das Flugzeug, die Bustüren öffnen sich und wir steigen aus. Ich gehe die Gangway hinauf. Jetzt noch den Mantel ausziehen, sich auf dem Platz mit der Beinfreiheit niederlassen, den iPod anschalten und auf geht’s. Ich passiere Reihe 7, ebenfalls Notausgang mit Beinfreiheit und strebe weiter meinem Platz zu. Und da ist sie, die nette Stewardess. Wahrscheinlich will sie meine Bordkarte sehen, vielleicht geleitet sie mich gar zu meinem Platz wo sie mir noch kurz nachdem ich mich gesetzt habe die Speisekarte reichen wird. Dann haucht sie mir noch „An Ihrer Stelle würde ich die Gänselebertrüffelpastete an Kräuterparfait mit einer Sauce aus karelischen Waldpilzen nehmen. Dazu passt hervorragend ein 75-er Massandra Rose, nicht zu schwer und nicht zu leicht.“, ins Ohr um kurz darauf mit den warmen Erfrischungstüchern zurückzukehren.

Aber meine Träume werden jäh gestört. Sie will nur meine Bordkarte sehen um mir dann kurz und bündig mitzuteilen, dass diese YAK 42 der Donbass Airlines überhaupt keine Reihe 14 habe. reihe14inderyak42.jpgDer Notausgang IST Reihe 14 und die nächste Sitzreihe, die mit der Beinfreiheit ist Nummer fünfzehn und die ist AUSGEBUCHT. Ob ich in der Zwischenzeit in der letzten Sitzreihe Platz nehmen könne, es sei ihr sehr peinlich aber einen besseren Platz habe sie nicht im Moment aber soweit alle an Bord seien werde man sich um einen anderen Platz für mich kümmern. Tatyana mit ihrer Reihe-14-Bordkarte ereilt das gleiche Schicksal. Und so sitzen wir in Reihe zwanzig, neben uns die Turbinen die im Verlauf des Fluges eine weitere Unterhaltung unmöglich machen werden und etwa zwei Meter trennen uns von den Bordtoiletten, na prima, guten Flug allerseits.

Mit ohrenbetäubendem Gebrüll gehen die Turbinen auf Vollast als wir abheben. Die Stewardess kehrt nach 15 Minuten zu uns zurück, man habe einen Platz weiter vorn für einen von uns gefunden. Tatyana und ich haben uns schon so „in unser Refugium verliebt“ dass wir dankend ablehnen. Wenn wir jetzt noch die restlichen 75 Minuten störungsfrei in der Luft bleiben dann ist alles gut. Der Rest des Fluges ist schnell erzählt. Die Gänselebertrüffelpastete an Kräuterparfait mit karelischer Pilzsoße entfällt. Ihre Stelle nimmt das bekannte Bonbon für den Druckausgleich in den Ohren ein und der 75-er Massandra Rose erfährt Ersatz durch ein Mineralwasser ohne Kohlensäure im Plastikbecher der sogleich wieder eingesammelt wird. Das warme Erfrischungstuch zum Säubern der Hände fällt einer Totalrationalisierung zum Opfer. Nach neunzig Minuten Flug verlassen wir das Flugzeug nach der Landung mit einem mittleren Kollateralschaden am Gehörgang.

Dann folgt das übliche „Kohorte wartet auf den Nachzügler Willeke“ im Bus. Unter dem schon bekannten Dach an frischer Luft warten wir auf meine Tasche. Im Gegensatz zum letzten Hinflug erscheint meine Tasche als letzte auf dem Band, muss also unter all den elefantengleichen großen Koffer, Taschen und sonstigem Gepäck gelegen haben. Ich wage mir nicht vorzustellen welche Bauhöhe mein Brot noch hat. Olga wartet diesmal nicht. An ihrer Stelle warten Georgi, der Trainer und unser Fahrer der uns auch beim letzten Mal gefahren hat. Auf der Fahrt überlege ich mir dass ich froh bin überhaupt einen Essensvorrat mitgenommen zu haben. Wahrscheinlich wird er ergänzt durch das schon bekannte Obolon-Bier und das ist ja auch nicht schlecht. Der Koch, der schon beim letzten Mal weg war als ich eintraf wird wohl kaum in Erwartung des verspäteten Fluges eine Ausnahme gemacht haben und auf uns gewartet haben.

Als ich vor Jahren noch bei der AEG in Berlin gearbeitet habe, da hatten wir an der Wand des Kundendienstbüros einen Computerausdruck. Und darauf stand:“ Ängstige Dich nicht und sei froh, denn es könnte alles noch viel schlimmer kommen. Und ich ängstigte mich nicht und war froh und alles kam schlimmer.“ Wir erreichen das Hotel, checken ein und mein erster Weg führt mich Richtung Bar um die begehrte Flasche Bier zu erstehen. Das Mädel, das da auf einem Sofa in der Nähe der Tür zur Bar sitzt erklärt mir auf meine Frage nach dem Erwerb einer Flasche Bier, dass heute nicht nur der Koch das Haus bereits verlassen habe, der Barmann habe es ihm gleichgetan und die Bar sei zu bis morgen früh. Schön dass das Hotel wenigstens eine Flasche lauwarmes Mineralwasser in jedem Gästezimmer kostenlos zur Verfügung stellt. Jetzt heißt es gut einteilen, das Mineralwasser ohne Kohlensäure muss bis morgen früh reichen wenn ich nicht noch Wasser aus dem Hahn trinken will. Und das will ich aufgrund meines reichen Erfahrungsschatzes an „Montezumas Rache im Reich des Zaren“ nicht wagen.

Ich trotte zurück in mein Zimmer und setze mich aufs Bett. Und da passiert es. Wie seinerzeit 1858 eine weiß gekleidete Frau der später heilig gesprochenen Bernadette Soubirous in Lourdes erschien, so habe auch ich eine Erscheinung. In einen gleißenden Lichtbogen gebettet steht sie plötzlich vor mir, sie, die so manchem von uns im Rahmen einer Ziehung schon zu eigen wurde, sie, die wir alle fürchten. Diesmal hat das Schicksal mich auserwählt und ich bekomme sie heute ganz exklusiv, nur für mich.

Die große goldene Arschkarte am Bande mit Eichenlaub und Schwertern. Danke, danke, danke. Das wäre nicht nötig gewesen. Nur eine Frage bleibt, hat die YAK 42 auf dem Rückflug den Notausgang in Reihe 14 oder 15 oder ganz woanders? Wer ganz sicher gehen will sagt einfach:“Geben Sie mir irgendwas zwischen Reihe 12 und Reihe 16, Hauptsache es ist der Notausgang.“ Ach ja, ich vergaß, natürlich sagt Ihr das in Ukrainisch oder Russisch, also, viel Glück.

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Manch einer kennt ihn, den Sketch von Monty Python, in dem Spam als wundervoll besungen wird. Aber nicht jeder liebt das Dosenfleisch und der dessen Emaileingang vor lauter unerwünschter Werbung (Spam) überläuft, der wünscht dem Spammer oft die Pest an den Hals. Vom volkswirtschaftlich Schaden von „Spam“ ganz abgesehen. Der erste Spammer ist in Rußland verurteilt worden. Ein unerfreuliches Ereignis für den Betroffenen, ein großer Schritt für die Menschheit. Der Unternehmer aus Perm hatte mehr als 7.000 unerwünschte Emails versendet und wurde mit einer Geldbuße von 5.000 Rubel belegt. In Rußland gilt Spamversand als Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. Rußland zählt zu einem der Länder mit dem höchsten Spamanteil. Der Betroffene kündigte an Rechtsmittel einzulegen.

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Heute , am 13. Februar 2008, geht es wieder auf die Krim. Das Prozedere ist hinreichend bekannt, Flughafen Kiew Borispol ist das Ziel, hier Terminal A. Das Taxi, ein ukrainischer Nachbau eines koreanischen Wagens, wartet auf mich. Der Fahrer liest ein dickes Buch und legt es zur Seite als ich mich nähere. So, die Sachen auf die Rückbank, heute nur eine kleine Tasche und ein Rucksack. Ich steige ein, es geht los. Unterwegs kommen wir ins Gespräch, der Fahrer, ein Mann von vielleicht fünfzig Jahren, und ich.
Ein Geschichtsbuch sei es was er da lese. Ja, ein Geschichtsbuch, bei ihm dem Taxifahrer. Er sei zwar Fahrer aber das sei nicht immer so gewesen und geistig degeneriert sei er auf keinen Fall. Geschichte habe ihn schon immer fasziniert, schon zu Sowjetzeiten. Klar, daß die Geschichte zu der Zeit geschrieben wurde wie es eben opportun gewesen sei, versichert er mir. Heute sei es auch nicht besser, der Auftraggeber bestimme wie Geschichte zu sein habe. Das Geschichtsbuch, das u.a. die Ahnenhistorie der Familie Romanow enthält, habe er von einem Fahrgast der zum Petrovka-Buchmarkt gefahren werden wollte. Geld für die Taxifahrt hatte der zwar keines wie sich am Ende der Fahrt herausstellte, dafür aber eben das Geschichtsbuch.

Die jungen Leute von heute würden sich ja kaum noch für etwas interessieren, und für Geschichte ganz zuletzt. Aber wer die Geschichte nicht kenne, der sei dazu verdammt sie im Zweifel zu wiederholen, versichert er mir und trifft damit voll meine Meinung. Selbst den Beginn des 2. Weltkrieges könnten sie nicht mehr richtig benennen. Kurze Frage am Rande :

Wann begann der 2. Weltkrieg?

1. Am 22. Juni 1941

2. Am 1. September 1939

3. Am 28. Juli 1914

Na? Richtig geraten ? Hier die Antwort. Ob ich denn wisse wann der Zweite Weltkrieg begonnen habe, will er wissen. Kurz nachdenken, er baut mir eine Brücke, er will den Beginn von WW2 wissen, nicht den Beginn des Großen Vaterländischen Krieges. No Prob, 1. September 1939. Abgesichert durch den Molotow-Ribbentropp-Pakt erfolgt der deutsche Angriff auf Polen mit dem Vorfall um den Sender Gleiwitz und den Beschuss der Danziger Westerplatte durch das deutsche Linienschiff „Schleswig-Holstein“. Ich steige in seiner Achtung. Es macht richtig Spaß sich mit ihm zu unterhalten, schon lange kein so intensives Gespräch mehr geführt. Wir unterhalten uns über Geschichte während wir durch Kiew fahren. Wir erwähnen die Fakten in unserer Diskussion nur kurz, wir beide kennen die Details, lange Ausführungen sind nicht nötig. Die Kiewer Rus, Jaroslav der Weise, die Schlacht Alexander Newskis gegen die deutschen Ordensritter, der Einfall der Mongolen-Tataren, die Eroberung Kiews unter Khan Batuy 1240. All das wird in Windeseile durchgekaut und fast entsteht ein Wettbewerb wer die Geschichte besser kennt.
Ivan der Schreckliche folgt, die Zeit der Wirren, die Romanovs, Peter der Große, Katharina die Große, all das in rasender Geschwindigkeit. Und dazu jeweils die Frage nach den modernen Parallelen. Die Zeit der Wirren, die Februar Revolution unter Kerenski, der Umsturz durch die Bolschewiki, die Ära Jelzin werden verglichen. So hätten wir wohl problemlos bis Lvov im Westen oder Lugansk im Osten fahren können und der Gesprächsstoff wäre uns nicht ausgegangen.

Aber dann kommt das Standardthema wieder das immer wieder über kurz oder lang diskutiert werden wird wo Menschen aus der Ukraine oder Rußland und Menschen aus Deutschland aufeinander treffen, WW2 und der deutsche Angriff auf die UdSSR am 22. Juni 1941. Und dann höre ich Argumente die der oberflächliche Betrachter vielleicht nicht vermuten würde, die ich im Verlauf der Jahre aber schon oft an verschiedenen Orten der ehemaligen UdSSR gehört habe. Das Hauptargument „Hätte die deutsche Führung keine Übergriffe auf die Zivilbevölkerung vornehmen lassen, Kiew wäre heute deutsch regiert.“ „Die deutschen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung haben diese Bevölkerung in die Arme Stalins und der Partisanen getrieben“, meint er. Er vergleicht den Einfall der Deutschen mit dem Einfall der Mongolen-Tataren und der Pax Mongolica, ein interessanter Gedanke. Wenngleich ich mir trotz aller stalinistischen Gräuel eine Herrschaft der Nationalsozialisten in den besetzten Gebieten nicht vorstellen will. Unterdessen haben wir die Autobahn nach Borispol verlassen und sind auf die Zufahrtsstraße zum Flugplatz eingebogen.

Und in diesem Moment passiert es. Als wir mutterseelenallein die Zufahrtsstraße entlangfahren und uns dem Parkplatz nähern, da winkt und ein Militsionär mittels Anhaltestab an den Straßenrand. Und was jetzt kommt bitte nicht nachmachen, weder in Kiew noch sonst wo im Ausland, das kann nämlich auch ins Auge gehen … fällt mir hinterher ein.

Wie ein ertapptes Kind steigt mein Fahrer aus und geht auf den Militsionär zu. Es entspinnt sich eine Unterhaltung in deren Verlauf der Vertreter der rechtswahrenden Organe auf seinem Standpunkt zu beharren scheint. „DAI“ – staatliche Autoinspektion – heißt die Verkehrspolizei hier, mit der ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht habe. „Dai“ heißt aber auch das russische Wort für „Gib“ und die Mitarbeiter der DAI sind leider für ihr einnehmendes Wesen allzu bekannt. Der Fahrer tut mir leid, erstens wird er eine Strafe, berechtigt oder nicht, aus eigener Tasche zahlen müssen, zweitens habe ich keine Lust hier zu übernachten und drittens … gelüstet es mich ein wenig zu streiten.

Ich steige aus und schnauze den Polizisten auf russisch an was der Zirkus hier solle. Verblüfft dreht sich der Militsionär um, der sich nun zwei Personen gegenüber sieht, und schaut mich an. „Wer ich denn nun wieder sei“, will er wissen. Ich gehe nicht auf die Frage ein sondern frage in „freundlichem Deutsch“ eines Uffzs der Bundeswehr wer er denn sei und ob er nicht wisse daß er sich mit Name und Dienstgrad vorzustellen habe. Solch ein Disput kann ins Auge gehen. Ich füge in gleicher Freundlichkeit hinzu daß ich auf Einladung der Regierung hier arbeite und keine Zeit für seine Sperenzchen habe.

Das Überraschungsmoment ist auf meiner Seite. Er hebt die Hand zum Gruß an die Mütze und murmelt irgendwas, worauf ich ihn anbelle ob das auch etwas lauter gehe. „So, nun will ich wissen um was es hier gehe, wir würden die Sache an Ort und Stelle regeln.“ Er will nicht mit der Sprache heraus. Ich wiederhole nochmals nachdrücklich daß ich es eilig hätte. Wann mein Flugzeug denn ginge will er wissen. „Bald“, antworte ich. „Wie bald?“, fragt er zurück. Das gehe ihn nichts an. Ob wir nun weiter könnten ? Der Hüter der Ordnung will noch nicht von seinem Opfer lassen. „Hier, meine Karte.“, sage ich zum Fahrer und reiche ihm meine Karte. „Falls Probleme vor Gericht auftreten würde ich ihm gern als Zeuge zur Seite stehen.“ Ich könne kein Zeuge sein, beharrt die Obrigkeit. Ich erwidere nochmals ob er Probleme mit dem Gehör hätte, ich sei im Auftrag eines Ministeriums unterwegs, was halbwegs stimmt. Sollte ich durch seine Handlung meinen Flug verpassen, dann würde er, Herr Obrigkeit, von mir anderorts hören. Vorsichtshalber zücke ich den Stift um mir die Dienstnummer auf der Dienstplakette zu notieren. Und falls wir hier nicht baldigst wegkämen, würde ich auch allzu gern einmal das „Vertrauenstelefon“ des Innenministeriums anrufen, da hätte ich keine Bedenken. Abschließend teile ich ihm mit, daß ich ihm gern einmal eine Vorlesung in allgemeinem Polizei- und Ordnungsrecht sowie im Strafprozessrecht der Ukraine halten würde und biete ihm ebenfalls meine Karte an. Das sitzt. Die Obrigkeit läßt – jedenfalls für den Moment von uns ab. Beim Einsteigen zischelt die Obrigkeit dem Taxifahrer noch zu, daß man sich bei der Ausfahrt aus dem Flughafen spätestens wiedersehen werde.

Am Terminal angekommen lasse ich mir noch die Telefonnummer und den Namen des Fahrers geben. Hoffentlich landet mein Taxi-Obolus nicht bei Herrn Obrigkeit.

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„Willkür beim US-Zoll: Zeigt her Eure Daten“ heißt es in einem Artikel heute. Schön daß Uncle Sam beim Besuch im gelobten Land auch noch mal schnell auf die Festplatte möchte. Ok, ein tragbarer Rechner mag einem Koffer ähnlich sein. Aber Jungs, mal ganz ehrlich, seit Ihr so naiv oder tut Ihr nur so? Glaubt Ihr wirklich Ihr könnte jemanden von Herrn Bin-Mal-Grade-Nicht-Da’s Truppe fangen ?Was könnte man da dem Anfänger raten ?

1. Alle sensitiven Daten per Internet VOR dem Abflug noch auf die virtuelle Platte im Netz“ kopieren (WEB.DE oder so).

2. Alle sensitiven Daten auf dem Notebook löschen und mit Nullen überschreiben.

3. Eine Datei (leicht auffindbar) mit Schlagworten wie „Bome, Attentat, Bagdad, Allah, Bin-Laden oder Bin-Grad-Nicht-Da“ usw. usf. gut sichtbar auf dem Rechner speichern, leicht zu erkennen versteht sich. Ein spezielles amerikanisches Zollerlebnis sollte da vorprogrammiert sein. Und wer regt sich da noch über den russischen Zoll auf? Ich nicht mehr. Schönes Wochenende zusammen.

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