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Archive for Juni 2010

Lang ist es her. Gestern habe ich mal wieder meinen Blog inspiziert und da fiel es mir auf, früher war nicht nur alles besser … und einen Kaiser hatten wir auch noch … nein, früher war ich mehr dran an Rußland. Ok, ich bin jetzt seit einiger Zeit mal wieder in Deutschland und bekomme den hiesigen Regierungszirkus mit, der sich in Vielem gar nicht so sehr von der russischen Variante unterscheidet.

Nur „hängt man dem Publikum dort keine Nudeln auf die Ohren“, ein russischer Ausdruck für das was wir mit „Vorspiegeln falscher Tatsachen“ oder „Märchen erzählen“ umschreiben würden, sondern man sagt ganz klar „gelenkte Demokratie“ und Basta.Im Gegensatz dazu wird dem Souverän hier der Eindruck vermittelt er könne etwas bewegen um gleich am Tag nach der Wahl eben die Versprechen zu beerdigen, die man kurz zuvor noch vollmundig von jedem Wahlplakat verkündet bekam. Wer da nun der Ehrlichere ist, will ich mal offen lassen.

Gut, aber das war nicht das eigentliche Anliegen dieses Artikels. Vielmehr geht es mir um mein „Kleines russisches Tagebuch„, das immer noch in den unendlichen Weiten des Internets sein Dasein fristet. Bei der Durchsicht kamen mir viele „Ach-Ja“-Gedanken, das eine oder andere was dort steht hat auch heute noch seine Berechtigung und ist einen Blick wert. Lang, lang ist es eben schon her.

Also, warum nicht mal reinschauen? Viel Spass beim Lesen.

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Ich kann es nicht mehr hören. Wenn Nachrichten aus Russland in westlichen Medien kolportiert werden, sorry, in der Regel würde ich das was da in den Medien erscheint kaum als Bericht qualifizieren können, dann ist es die ewige Leier.
Zusammenfassend kann man sagen, „Russland das Land des Bösen“.
Meist sind es „Berichte“ von Journalisten, die sich im Zweifel mal für einige Tage hinaustrauen aus dem „kuscheligen Moskau“, das sich in nichts mehr von einer westlichen Großstadt unterscheidet. Wenn sie heimkehren hören sich ihre Berichte eher an wie die Berichte aus WW II, weniger als Berichte über ein Land das sich noch immer unter schwierigsten Bedingungen bemüht die wichtigsten Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut, innere Konflikte und den Aufbau der Wirtschaft in den Griff zu bekommen.Ok, ich gebe zu, recherchieren ist aufwendig und teuer und die und die Redaktionsschlußzeiten gilt es einzuhalten.
Kaum einen Unterschied zu diesen Berichten macht da auch ein Bericht in „SPIEGEL Online“ von heute. Unter der Überschrift „Wie der Kreml Moskaus größten Strippenzieher abserviert“ schreibt der SPIEGEL über die Probleme des Moskauer Bürgermeisters Luschkow und seiner Frau Elena Baturina.
Schöner noch jedoch als der Artikel, der im Ton „gemäßigter Kremlastrologie“ gehalten ist, sind mitunter die Kommentare der in der Regel von jeglicher Sachkenntnis befreiten Leserschaft.. In den Kommentaren zu dem Artikel fand sich auch der von mir nachstehende verkürzte Kommentar. Verborgen unter seiner selbstverordneten „Bewußtseinsburka“ schreibt der Kommentator über den russischen Premierminister Putin in bester „Kalter-Kriegs-Manier“:
„Sofort jedoch war mir aufgrund seiner Visage klar, daß Putin ein Verbrecher ist. Ich hab‘ das allen meinen russischen Bekannten gesagt, daß Putin ein gefährlicher Mann ist. … „
Oh Gott, was war das denn? Ja, Putin ist ein gefährlicher Mann, gefährlich für all die, die noch immer meinen Russland als „Private Schatzkiste“ nutzen zu können und sich zu bereichern wie immer sie es auch wollen. Genau für die ist er gefährlich. Er ist auch gefährlich für die, die Demokratie mit „Chaos und Anarchie“ verwechseln.
Jeder macht was er willNicht gefährlich ist er für die, die am weiteren Aufbau Russlands interessiert sind. Nicht gefährlich ist er für „Ivan Ivanovich“ Normalrusse. Die Konsololidierung Russlands nach den zügellosen sog. „demokratischen“ Jahren der Jelzinära, die Überwachung und im Zweifel Abberufung der sich selbst als ungezügelte Herrscher verstehenden Gouverneure, prokatives Handeln wie z.B. beim Konflikt um Südossetien, der letztliche Aufstieg Russlands in die G8-Gruppe, all das sind Resultate der Putin-Präsidentschaft und eines Premierministers Putin.
Fragt man mal einen Normalbürger in der russischen Provinz was er von Putin hält, so werden die Antworten unterschiedlich ausfallen. In der Mehrheit aber wird man positive Antworten hören. Ja, der Stern Putins ist auch nicht frei von Flecken und Makeln. Als jemand der fast ständig in Russland (nicht in Moskau!!!) ist, weiß ich wovon ich rede.Er ist auch kein „lupenreiner Demokrat“ und ja, er vertritt eine offensive Aussenpolitik Russlands. Und wie würde der Berliner OB sagen? „Und das ist gut so.“
Das macht ihn mir im Gegensatz zu „aussitzenden“ Regierungschefs auch sehr sympathisch. Er mag auch falsche Entscheidungen treffen, aber er trifft sie wenigstens und wartet nicht auf „NRW-Wahlen“ um dann mit einem entschiedenen „Möglicherweise, schaun ma ma“ usw. usf. im gehabten Trott weiterzumachen.
Nach meiner Einschätzung war und ist Putin bei allen seinen Mängeln „der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Platz“, eine Einschätzung, die ich angesichts der derzeitigen deutschen Gelbs-Shwarzen Koalition über Kanzlerin Merkel nicht sagen könnte. In Russland gibt es sogar ein Lied über Putin. Man mag darüber aus westlicher Sicht lächeln. Aber kennt hier irgendjemand einen Song der heißen könnte „Ich will ne Frau wie Merkel??“
Christi-Erloeser-kathedrale in MoskauAuch der Moskauer Bürgermeister Luschkow hat seine Meriten um den Aufbau Moskaus. Dazu zählt u.a. der Wiederaufbau der Christi-Erlöserkathedrale. Der Nachdruck der dabei beim Spendensammeln innerhalb der Moskauer Business-Community gemacht wurde zählt zwar kaum zu den Glanzstücken demokratischen Verhaltens, aber, die Kathedrale steht wieder.
Luschkow hat zahlreiche Fehler gemacht, so u.a. seine Liäson mit dem Künstler Zereteli, den Schöpfer der gigantischen Statue Peters des Großen, die die Moskauer spöttisch „Terminator“ nennen. Der "Terminator", die Statue Peters des Grossen am Ufer der MoskvaDer entscheidende Fehler Luschkows heißt wohl „Baturina-Connection“. Luschkow ist jetzt wohl eher ein Relikt des „Nachwende-Russlands“. Und von diesen Relikten gibt es noch mehr als genug, leider. Die jetzige „Fürsorge“ des Kemls verstehe ich daher nur allzu gut. „The times they are a changing“, sang schon Bob Dylan. Es wird Zeit dass Moskau von einem Mann Medvedews geleitet wird und der sich ernsthaft den drängenden Problemen Moskaus stellt. Dazu zählen der Bau erschwinglichen Wohnraums und nicht zuletzt der überquellende Autoverkehr der Moskaus Straßen verstopft.

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Über das Einkaufen in Russland habe ich schon desöfteren geschrieben. Das traditionelle Einkaufen in Läden alter Prägung, die man heute in größeren Städten nur noch selten findet, geht wie folgt vor sich:

Man geht zum Tresen, sagt der Verkäuferin was man benötigt, die holt die Ware, wiegt sie ggf. ab und nennt den Preis. Den schreibt man sich auf ein kleines Stück Papier das man meist in einem Zettelkasten findet. Hat man alles zusammen – zumindest in dieser Abteilung – geht man entweder in eine andere Abteilung wo sich das Spiel wiederholt, oder man geht zur Kasse.Abakus, Russian computer

Dort sagt man erst aus welcher Abteilung man kommt und liest dann die Preise vor, die die Kassierin dann in  die Kasse eintippt. Mit dem Bon geht man zurück zur Verkäuferin, die prüft alles und gibt einem dann die Waren. Soweit, so gut. Mittlerweile gibt es aber zumindest in den größeren Städten Läden westlicher Prägung mit Einkaufswagen und das Prozedere folgt dem auch bei uns bekannten Muster.

Im Supermarkt meines geringsten Mißtrauens habe ich mich mittlerweile in die Feinheiten des russischen Einkaufs eingearbeitet.

Da ist zunächst die Krux mit der Packungsgröße. Früher habe ich frohgemut alles in den Einkaufswagen gelegt. Heute schaue ich zunächst einmal auf die Angabe der Packungsgröße. Packungen denen man gut und gern einen Inhalt von einem Liter zutraut erweisen sich in der Praxis als 950 Mililiter-Packungen, so z.B. bei Milch und Fruchtsaft. Wie allgemein bekannt, macht Kleinvieh ja auch Mist. Hier 50 Mililiter weniger und dort 30 Gramm weniger … Wer denkt „typisch Russland, eben Betrüger und Mafiosi“, dem sei ein Blick auf die Verhältnisse in Deutschland ans Herz gelegt. Da sieht es nämlich auch nicht rosiger aus.

Immer wieder aber schaue ich in die Regale um Neues zu entdecken und ab und zu gelingt das auch. Da gab es schon Wodka im aluversiegelten Plastikbecher für die denen das Aufschrauben einer Flasche zu langatmig war. Mittlerweile sind solche Eskapaden Teil der Vergangenheit. Aber das findige russische Unternehmertum erschließt immer wieder Marktlücken die es zu stopfen gilt.

Gab es schon vor langen Jahren die Überraschungseier einer bekannten Marke, so gibt es jetzt das „spezielle Überraschungsei der russischen Art“. Damit ist nicht die russische Firma gemeint, die eine russische Variante des westlichen Überraschungseis auf den Markt bringt. Handgranatenattrappe für die lieben KleinenGemeint ist eine Fabrik die die Bonbons den kleinen Kunden in der Verpackungsform einer Handgranate anbietet. Das Wunderwerk ist für rund zwei Euro zu haben und beinhaltet neben Süßigkeiten auch einen Spielzeugsoldaten zum Zusammensetzen für den Nachwuchs. Das Erzeugnis nennt sich „SpezNas“, was soviel wie „Spezialtruppe“ bedeutet.

Nun ist das Verhältnis der Bevölkerung zur Armee hier ein ganz anderes als in Deutschland. Zahlreiche Ehrentage für die Angehörigen der Streitkräfte, so der Tag der Luftlandetruppen z.B. der im August begangen wird, gehören zum normalen Alltag. Auch öffentliche Paraden werden ohne die in Deutschland gewohnte Scheu veranstaltet.

Aber ob man deswegen auch gleich Handgranatenattrappen im Supermarkt verkaufen muß die jeden Flughafen innerhalb von Minuten zum Chaoshaufen werden lassen können? Ich habe da meine Zweifel.

P.S. Es gibt zumindest in der ukrainischen Hauptstadt Kiew auch Salzstreuer in Handgranatenform im Angebot, aus denen man, nach „Abzug des Sicherungsstiftes“ Salz streuen kann, wirklich sehr sehr komisch, oder nicht?Salzstreuer-Handgranate aus Kiew

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So manch einer hat ein Postbankkonto oder eine Postbankcard. Mit Hilfe dieser Karte kann man an Postbankautomaten gebührenfrei Geld abheben. Die Prozedur ist bekannt, Karte einschieben, Zugangscode eingeben, Geld abheben. Das war es.

Zusätzlich kann man auch seinen Kontostand abfragen, wie praktisch. Postbankautomat AuswahlmenueAber da war der Programmierer wohl weniger sorgfältig und zu meinem Erstaunen, die Prozedur eine andere.

Karte rein, soweit so gut. Dann erscheint ein Auswahlmenue. Also flugs „Kontostand“ ausgewählt, Knopf gedrückt und …

Wer jetzt erwartet dass der Automat seine Informationen nur nach Eingabe der Zugangsnummer preisgibt, der hat sich geirrt. Der Automat, von unstillbarem Mitteilungsbedürfnis getrieben, zeigt den Kontostand auch ohne eine solche Schutzmassnahme an. Datenschutz ? Fehlanzeige. Hoffentlich fällt meine Karte nicht einmal Dritten in die Hand.

Und so sieht das in der Praxis aus:

Postbankautomat sehr mitteilungsbeduertig

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