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Archive for September 2011

Habe beim „Aufräumen“ einen meiner ersten Blog „wiedergefunden“ im Netz. Ganz gut schon, aber ich merke, heute schreibe ich anders. Egal, wer den Blog nicht kennt,

hier ist er.

Viel Spass

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Nun, dass Russland nicht nur aus Bären besteht, die nach Ansicht einiger Zeitgenossen allerorts die Straßen in den Orten Rußlands bevölkern, hat sich hoffentlich mittlerweile schon herumgesprochen. Rußland, das ist entgegen weitläufig herrschender Meinung, auch nicht die Putin-Diktatur die manch so genannter Journalist dem unbedarften Leser im Westen verkaufen will. Allerdings sind die „lupenreinen Demokraten“ in Rußland, wie übrigens auch in Deutschland, nur mit der Lupe mit größter Vergrößerung zu finden und auch dann nur unter erheblichen Schwierigkeiten auszumachen. Beresovskji im Exil in London wie auch sein russischer Landsmann Guzinski würde ich nur unter erheblichen Einschränkungen dazu zählen können.

Und um dem letzten Vorteil über Russland endgültig den Garaus zu machen kann ich glaubhaft versichern, daß die Mehrheit „der Russen“ nicht wodkatrunken durch die Strassen torkeln. Dabei soll nicht in Abrede gestellt werden daß der Alkoholismus – zu dem ich vielleicht mal in einem gesonderten Artikel kommen werde – eines der großen Probleme Rußlands ist, leider.

Rußland, das sind die  unendlichen Weiten, die Wäldern, die Steppen, die gastfreundlichen Bevölkerung die dem Gast das Letzte anbietet, auch wenn sie selbst nicht wissen wie sie den nächsten Tag fristen sollen. Rußland, das sind u.a. Moskau und St. Petersburg, Tver, Nizhnyi Novgorod, Novosibirsk aber auch Magadan und die Inseln im Weissen Meer.

Und, man höre und staune, Rußland ist eine Kulturnation, auch wenn das ab und zu von westlichen selbsternannten „Russlandexperten“ in Abrede gestellt wird. Zu dieser Kulturnation gehören Andrei Rubljov der Ikonenmaler ebenso wie Alexander Puschkin und Nikolai Gogol mit seinem „Revisor“, meinem absoluten Lieblingsstück, das so aktuell wie nie ist und das nicht nur für Russland und die Ukraine. Ich vergaß, Gogol war eigentlich Ukrainer, aber das soll an dieser Stelle weniger interessieren.

Rußland, das sind neben seinen Malern und Dichtern auch seine Komponisten wie Pjotr Tschaikovsky, Alexander Borodin und Michail Glinka . Wer an Rußland denkt, der sollte seine Museen, die Eremitage in St. Petersburg genauso wie die Tretyakov-Galerie in Moskau und weitere ungezählte Museen nicht vergessen. Dort kann sich der interessierte Zeitgenosse, falls nötig, monatelang in die bildende Kunst Russlands versenken und kann sicher sein, nicht auch nur annähernd einen Einblick in Russlands Kultur erworben zu haben.

Russland, das sind ferner seine Tanzemsembles, die professionellen wie das Ensemble „Berezka“ (spricht sich „Berjoska“ aus und bedeutet Birke), als auch seine ungezählten aber deshalb nicht unbedingt schlechteren Laienensembles, die Tänze der Kosaken als auch die Lieder und Tänze der weitaus weniger bekannten Völker aus dem hohen Norden Russlands, aus Jakutien z.B. Diese Völker, wenn das erlaubt ist zu erwähnen, haben die russischen Herrscher jeglicher Zeit übrigens, im Gegensatz zu ihren Zeitgenossen aus den Vereinigten Staaten nicht fast vollständig ausgerottet. Daß es trotzdem manchmal nicht ohne Repressionen abging wie beim Volk Tschetscheniens, das unter Stalin in die Verbannung geschickt wurde, soll allerdings auch nicht unerwähnt bleiben.

Wer nun meint dass „die Russen“, die nicht gleichzusetzen sind mit den Bewohnern der Russischen Föderation, den ganzen Tag mit Balalaikaspiel oder, wie die Völker im  hohen Norden mit dem Spiel der Maultrommel zubringen, auch der muss enttäuscht werden. Längst haben sich Elektronik, Synthesizer und Keyboard auch den Weg in den entlegensten Winkel gebahnt. Wer Russland dann noch auf  „Kalinka“ oder „Podmoskovnie vechera“ eindampft, der kennt den russischen Rock einer Gruppe wie „DDT“ ebensowenig wie den russischen Ethno-Pop der Gruppe „Ivan Kupala„.

Ein junger russischer Kosake von heuteUnd wer die Tanzkultur Russlands auf das Bolschoi Ballett oder das Ballett des Marienskyi Theaters von St. Petersburg reduziert, der hat nicht einmal ein Promille der Tanzkultur Russlands erfasst. Zu dieser Tanzkultur gehören nämlich neben den oben bereits erwähnten Tanzensembles auch die sich selbst als BBoys“ bezeichnenden Breakdancer Russlands. Ja, der Breakdance hat schon lange seinen Weg nach Russland gefunden und nicht nur in die großen Zentren Russlands.

Russlands Kultur ist also, wie man sieht, vielfältig, wie auch die Kultur Deutschlands, die von ausländischen Touristen allzu oft auf Lederhose, Gamsbart und Seppelhut reduziert wird.

Die russische Kultur die ich abschliessend vorstellen will, ist das Schaffen einer jungen russischen Künstlerin deren derzeitiges Oeuvre so viel versprechend erscheint, dass mit Recht zu vermuten steht, man werde von ihr in der Zukunft noch hören. Es handelt sich dabei um die bildende Künstlerin Margarita Alexeevna Kolcova aus der Stadt Tver an der Wolga. Die junge Nachwuchskünstlerin ließ erst heute einige ihrer Werke nach Leipzig verbringen. Das Werk „Unterwasserwelten“ aus dem Jahre 2011 ist eines ihrer jüngsten Werke. Und hier ist es.

Unterwasserwelten, Filzstift auf Malpapier, Tver 2011

Unterwasserwelten, Filzstift auf Malpapier, Tver 2011

Dass sich bei der Nachwuchskünstlerin um meine Enkelin handelt, sei der Vollständigkeit halber abschließend erwähnt. Euch allen noch ein schönes Wochenende.

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Ein Beitrag des ZDF Magazins Frontal21! vom 13. September 2011 zeigt wieder einmal was ich bei meinen Einkäufen in Rußland schon länger vermutet habe. Rußland scheint nach Ansicht manch eines westlichen Industrieunternehmens der „Abfalleimer“  zu sein, mit dem man nach Belieben verfahren kann, alles nach dem Motto „Mit Rußland kann man’s machen.“

Wenn Waren nach Russland exportiert werden, dann kann man auch mal Fünfe gerade sein lassen. Ob giftiges Spielzeug aus China, abgelaufene Medikamente die umettiketiert werden und dann, oh Wunder wieder wirksam sind oder eben „aufgepumpte“ Hähnchen aus Deutschland, egal, ist eh nur für den Export  und gut genug für „die Russen“.

Worum geht es? Es geht darum daß eine deutsche Tochter des französischen Konzerns „Doux“, was übrigens „Süß“ heißt, die Guts-Gold GmbH aus Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern, Hähnchen, die für den Export bestimmt waren, ein wenig gewichtsmäßig „gepimpt“ hatte, soll heißen, die Hähnchen wurden so mit Wasser behandelt dass sie selbst nach ihrem Ableben erstaunlicherweise noch an Gewicht „zunahmen“.

Das wundersam zunehmende Hähnchen kommt nicht nur in Rußland vor und es müssen auch nicht immer Hähnchen sein. Jedermann kennt das Problem. Man legt ein hinreichend großes Schnitzel z.B. in die Pfanne und das gute Stück dampft innerhalb weniger Minuten auf kaum mehr als Briefmarkengröße zusammen. Das Geheimnis ? Wasser. Und so eben auch bei diesen Hähnchen die ja „eh nur für den Export“ waren. Bei solch einer Nachbehandlung der Hähnchen handelt es sich um die Erschleichung von EU Subventionen. Die EU subventioniert den Export landwirtschaftlicher Produkte und für die Höhe der Subvention ist eben u.a. das Gewicht entscheidend.

Mal abgesehen davon, dass diese Subventionen den Steuerzahler Unmengen an Geld kosten, darauf will ich hier mal nur beschränkt eingehen, finde ich es eine ungeheure Schweinerei jeden „Rotz“ nach Rußland zu schicken mit dem Hinweis daß sei für „die gut genug.“ Sind „die“ Menschen zweiter Klasse? Meint man mit „denen“ mal kurz die „Schnelle Mark“ machen zu können?

Wer will noch Pensionsnachschlag?

Wer will noch Pensionsnachschlag?

Viele Menschen in Rußland haben heute noch einen Lebensstandard der weit unter dem ist was man in Deutschland darunter versteht.  Einkommen von umgerechnet 250 bis 300.- Euro monatlich sind in Regionen außerhalb der Ballungszentren Moskau und St. Petersburg keine Seltenheit. Daher achtet die russische Hausfrau zuerst einmal auf den Preis. Und Geflügel, insbesondere Importgeflügel ist oftmals billiger als Schweinefleisch oder gar erst Rindfleisch. Diese Einkommen erklärt auch die Popularität des Imports von Geflügelteilen aus den USA nach Rußland, die seinerzeit bei den Russen als „Noshki Busha“ – Bushs Beinchen – bekannt waren. Sie waren preiswert für die russische Hausfrau und all die, die in Rußland nicht an übervollem Geldbeutel litten. Und darum griff der russische Verbraucher zu.

Die subventionierten Importlebensmittel sind zudem oftmals auch noch billiger als einheimische Ware und machen es so russischen Produzenten schwer sich am Markt zu behaupten. Aber Gott sei Dank gibt es mittlerweile auch russische Geflügelproduzenten die dem Ansturm westlicher Waren stand halten. Die Geflügelfarm „Verkhni Volzhskij Ptitse Fabrika“ beliefert den Oblast Tver mit frischem und gefrorenem Geflügel und die dort produzierten Hähnchen heben sich geschmacklich positiv von dem ab, was dem russischen Verbraucher da sonst noch als „toter Broiler“ in den Tiefkühltruhen der örtlichen Supermärkte angeboten wird.

Rentnerin im Supermarkt

Rentnerin im Supermarkt

Wie dem auch sei, ich finde es eine Sauerei diejenigen die eh nicht soviel in der Tasche haben auch noch mit „gepimpten Hähnchen“ über den Tresen ziehen zu wollen. Was kann  man dagegen aus russischer Sicht tun? Nun, ich bin nicht die russische Regierung. Aber wenn ich das wäre was würde ich tun?

Ich würde den Landesoberveterinär, Herrn Anishshenko in die Spur setzen und von ihm ein völliges sofortiges Importverbot für EU Geflügel unter Hinweis auf die zweifelhaften Praktiken der „Doux“-Gruppe verhängen lassen. Dieses sofortige Einfuhrverbot würde ich auch umfassend mit Gründen im Westen kommunizieren.

Sollen sich doch die anderen Geflügelproduzenten bei der französischen Firma „Doux“ bedanken ür das Importverbot bedanken, unter dem dann alle zu EU Geflügelproduzenten zu leiden haben werden.  Ich bin sicher der EU-interne Druck und der Druck der Konkurrenten würde die Verantwortlichen bei „Doux“ und deren Töchtern schon hinreichend disziplinieren.

Ich bin mir leider weiterhin sicher dass eine EU interne Aufklärung der Vorfälle kaum zu einem brauchbaren Resultat führen wird. Zu gut ist die Vernetzung von Politik und Lobby auf allen Ebenen. Und falls nicht der Fall ist, dann braucht eine große Firma ja nur mal beiläufig auf den „Verlust von Arbeitsplätzen“ hinweisen um weiteres Vorgehen gegen sie im Keime zu ersticken. Man stelle sich das mal in einer Stadt wie Grimmen im strukturschwachen Meck-Pomm vor. Die Ergebnisse sind, bis hinauf zur Landesregierung vorhersagbar.

Aber es gäbe da eine, m.E. sehr viel wirkungsvollere Methode.

Im Mittelalter waren die Handwerker,  zu denen auch die Bäcker zählten, in gesonderten Zünften organisiert. Diese Zünfte beschränkten einerseits den Zugang zu bestimmten Berufen und schützen die Mitglieder so vor Konkurrenz. Andererseits wachten die Zünfte aber auch darüber, dass ihre Mitglieder die vereinbarten Mindeststandards bei Waren und Dienstleistungen einhielten. Im Falle von Verstößen versuchten sie erst zu einer innerzünftlichen Lösung zu kommen und falls dies nicht gelang, schleppten sie den Missetäter auch einmal vor die weltliche Gerichtsbarkeit.

Die weltlichen Richter wandten zu jener Zeit oftmals das Recht der jeweiligen Stadt an in der die inkriminierte Handlung stattgefunden hatte. Im Falle eines Bäckers der seine Kunden dadurch zu übervorteilen suchte, daß er entweder minderwertiges Brot verkaufte oder Brot das nicht das geforderte Gewicht aufwies, in solch einem Falle gab es im Mittelalter die sog. „Bäckertaufe„. Unter „Bäckertaufe“ hat man folgende Strafe – verkürzt – zu verstehen. Der Deliquent wurde in einen kleinen an einem Kran hängenden Käfig gesperrt und dann wurde dieser Käfig nebst Inhalt entweder in einen Fluß, oder in eine Kloake getaucht. Jedermann kann sich vorstellen, daß das Verlangen der so Behandelten an erneuten Betrügereien zumindest auf absehbare Zeit ziemlich reduziert war. Nun, wir sind nicht mehr im Mittelalter, Gott sei Dank, oder leider, je nach Gesichtspunkt. Solche Strafen fallen also in unserem Fall aus. (Obwohl … könnte ich mir auch ganz gut als „Bankertaufe“ vorstellen, aber ok, das ist ein anderes Thema)

Aber werden wir realitätsnaher. Man stelle sich einmal vor, der russische Generalstaatsanwalt nähme sich dieser Sache ernsthaft an. Man stelle sich weiter vor, es käme gar zur Beantragung eines internationalen Haftbefehls gegen die Geschäftsleitung von „Doux“ und eine Fahndungsausschreibung über Interpol. Man stelle sich schließlich einmal vor, einer der Manager von Doux würde tatsächlich irgendwo bei einem Auslandsaufenthalt, z.B. beim Urlaub in der Türkei, verhaftet werden und an Rußland ausgeliefert werden. Das erstaunte Gesicht eines solchen Mitarbeiters möchte ich sehen, wenn er sich anstatt in dem bisher gewohnten Fünf-Sterne-Feriendomizil plötzlich in der „Lubjanka“ oder der „Matroskaya Tyshina“ wiederfindet und die „russische Gastfreundschaft der besonderen Art“ für zwei bis drei Monate Untersuchungshaft in Anspruch nehmen „darf“. Ich bin mir sicher, das hätte einen anhaltend nachhaltigen pädagogischen Effekt auf den unmittelbar Betroffenen als auch auf eventuelle Nachahmungswillige. Wer daran zweifelt möge mal den Ex-Oligarchen Chodorkovski fragen.

Das wäre Verbraucherschutz in Hochpotenz und das nicht nur im Interesse russischer Verbraucher, sondern auch im letztlichen Interesse derer die mit ihren Steuergeldern zweifelhafte EU Subventionen finanzieren.

In diesem Sinne

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oder im Keller findet man beim Herumkramen das eine oder andere dass man fast vergessen hat und das unverdient ein trauriges Dasein fristet. So etwas passierte auch meinem Bericht über eine schon vor längerer Zeit erfolgte Fahrt von Russland in die Ukraine.

Ich finde den Artikel immer noch ganz nett und deshalb will ich ihn niemandem vorenthalten. Und deshalb wird er hier verlinkt. Wer wissen will wie das „gutnachbarschaftliche Verhältnis“ der beiden Staaten in der Praxis aussieht, wer sich hinter dem „Specialagent“ an der russisch-ukrainischen Grenze verbirgt und wie es so mit der Ausschilderung der Strassen in der russischen und ukrainischen Region (ich hasse das Wort ‚Provinz‘ … so herablassend) verhält, der ist bei diesem Artikel richtig.

Viel Spass beim Lesen, ach ja und von Seite zu Seite geht es meist über den Link unten auf den Seiten oder oben im Kopf, wo die einzelnen Kapitel aufgelistet sind.

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