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Archive for the ‘Berezka’ Category

Nun, dass Russland nicht nur aus Bären besteht, die nach Ansicht einiger Zeitgenossen allerorts die Straßen in den Orten Rußlands bevölkern, hat sich hoffentlich mittlerweile schon herumgesprochen. Rußland, das ist entgegen weitläufig herrschender Meinung, auch nicht die Putin-Diktatur die manch so genannter Journalist dem unbedarften Leser im Westen verkaufen will. Allerdings sind die „lupenreinen Demokraten“ in Rußland, wie übrigens auch in Deutschland, nur mit der Lupe mit größter Vergrößerung zu finden und auch dann nur unter erheblichen Schwierigkeiten auszumachen. Beresovskji im Exil in London wie auch sein russischer Landsmann Guzinski würde ich nur unter erheblichen Einschränkungen dazu zählen können.

Und um dem letzten Vorteil über Russland endgültig den Garaus zu machen kann ich glaubhaft versichern, daß die Mehrheit „der Russen“ nicht wodkatrunken durch die Strassen torkeln. Dabei soll nicht in Abrede gestellt werden daß der Alkoholismus – zu dem ich vielleicht mal in einem gesonderten Artikel kommen werde – eines der großen Probleme Rußlands ist, leider.

Rußland, das sind die  unendlichen Weiten, die Wäldern, die Steppen, die gastfreundlichen Bevölkerung die dem Gast das Letzte anbietet, auch wenn sie selbst nicht wissen wie sie den nächsten Tag fristen sollen. Rußland, das sind u.a. Moskau und St. Petersburg, Tver, Nizhnyi Novgorod, Novosibirsk aber auch Magadan und die Inseln im Weissen Meer.

Und, man höre und staune, Rußland ist eine Kulturnation, auch wenn das ab und zu von westlichen selbsternannten „Russlandexperten“ in Abrede gestellt wird. Zu dieser Kulturnation gehören Andrei Rubljov der Ikonenmaler ebenso wie Alexander Puschkin und Nikolai Gogol mit seinem „Revisor“, meinem absoluten Lieblingsstück, das so aktuell wie nie ist und das nicht nur für Russland und die Ukraine. Ich vergaß, Gogol war eigentlich Ukrainer, aber das soll an dieser Stelle weniger interessieren.

Rußland, das sind neben seinen Malern und Dichtern auch seine Komponisten wie Pjotr Tschaikovsky, Alexander Borodin und Michail Glinka . Wer an Rußland denkt, der sollte seine Museen, die Eremitage in St. Petersburg genauso wie die Tretyakov-Galerie in Moskau und weitere ungezählte Museen nicht vergessen. Dort kann sich der interessierte Zeitgenosse, falls nötig, monatelang in die bildende Kunst Russlands versenken und kann sicher sein, nicht auch nur annähernd einen Einblick in Russlands Kultur erworben zu haben.

Russland, das sind ferner seine Tanzemsembles, die professionellen wie das Ensemble „Berezka“ (spricht sich „Berjoska“ aus und bedeutet Birke), als auch seine ungezählten aber deshalb nicht unbedingt schlechteren Laienensembles, die Tänze der Kosaken als auch die Lieder und Tänze der weitaus weniger bekannten Völker aus dem hohen Norden Russlands, aus Jakutien z.B. Diese Völker, wenn das erlaubt ist zu erwähnen, haben die russischen Herrscher jeglicher Zeit übrigens, im Gegensatz zu ihren Zeitgenossen aus den Vereinigten Staaten nicht fast vollständig ausgerottet. Daß es trotzdem manchmal nicht ohne Repressionen abging wie beim Volk Tschetscheniens, das unter Stalin in die Verbannung geschickt wurde, soll allerdings auch nicht unerwähnt bleiben.

Wer nun meint dass „die Russen“, die nicht gleichzusetzen sind mit den Bewohnern der Russischen Föderation, den ganzen Tag mit Balalaikaspiel oder, wie die Völker im  hohen Norden mit dem Spiel der Maultrommel zubringen, auch der muss enttäuscht werden. Längst haben sich Elektronik, Synthesizer und Keyboard auch den Weg in den entlegensten Winkel gebahnt. Wer Russland dann noch auf  „Kalinka“ oder „Podmoskovnie vechera“ eindampft, der kennt den russischen Rock einer Gruppe wie „DDT“ ebensowenig wie den russischen Ethno-Pop der Gruppe „Ivan Kupala„.

Ein junger russischer Kosake von heuteUnd wer die Tanzkultur Russlands auf das Bolschoi Ballett oder das Ballett des Marienskyi Theaters von St. Petersburg reduziert, der hat nicht einmal ein Promille der Tanzkultur Russlands erfasst. Zu dieser Tanzkultur gehören nämlich neben den oben bereits erwähnten Tanzensembles auch die sich selbst als BBoys“ bezeichnenden Breakdancer Russlands. Ja, der Breakdance hat schon lange seinen Weg nach Russland gefunden und nicht nur in die großen Zentren Russlands.

Russlands Kultur ist also, wie man sieht, vielfältig, wie auch die Kultur Deutschlands, die von ausländischen Touristen allzu oft auf Lederhose, Gamsbart und Seppelhut reduziert wird.

Die russische Kultur die ich abschliessend vorstellen will, ist das Schaffen einer jungen russischen Künstlerin deren derzeitiges Oeuvre so viel versprechend erscheint, dass mit Recht zu vermuten steht, man werde von ihr in der Zukunft noch hören. Es handelt sich dabei um die bildende Künstlerin Margarita Alexeevna Kolcova aus der Stadt Tver an der Wolga. Die junge Nachwuchskünstlerin ließ erst heute einige ihrer Werke nach Leipzig verbringen. Das Werk „Unterwasserwelten“ aus dem Jahre 2011 ist eines ihrer jüngsten Werke. Und hier ist es.

Unterwasserwelten, Filzstift auf Malpapier, Tver 2011

Unterwasserwelten, Filzstift auf Malpapier, Tver 2011

Dass sich bei der Nachwuchskünstlerin um meine Enkelin handelt, sei der Vollständigkeit halber abschließend erwähnt. Euch allen noch ein schönes Wochenende.

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