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Archive for the ‘Reisen’ Category

oder im Keller findet man beim Herumkramen das eine oder andere dass man fast vergessen hat und das unverdient ein trauriges Dasein fristet. So etwas passierte auch meinem Bericht über eine schon vor längerer Zeit erfolgte Fahrt von Russland in die Ukraine.

Ich finde den Artikel immer noch ganz nett und deshalb will ich ihn niemandem vorenthalten. Und deshalb wird er hier verlinkt. Wer wissen will wie das „gutnachbarschaftliche Verhältnis“ der beiden Staaten in der Praxis aussieht, wer sich hinter dem „Specialagent“ an der russisch-ukrainischen Grenze verbirgt und wie es so mit der Ausschilderung der Strassen in der russischen und ukrainischen Region (ich hasse das Wort ‚Provinz‘ … so herablassend) verhält, der ist bei diesem Artikel richtig.

Viel Spass beim Lesen, ach ja und von Seite zu Seite geht es meist über den Link unten auf den Seiten oder oben im Kopf, wo die einzelnen Kapitel aufgelistet sind.

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Ende einer Dienstfahrt, Explorer auf dem Schrottplatz

Ende einer Dienstfahrt

„Tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert“, diese Zeile aus dem Lied „1000 und 1 Nacht“ von Klaus Lage kennt der eine oder die andere sicher. Klaus Lage zählt zu den Sängern die ich gerne höre, aber das nur am Rande.

Sicher habt Ihr auch schon Sachen so oft gemacht daß Ihr meint das könne man auch im Schlaf erledigen. Die Sache von der ich berichten möchte, die sollte man besser nicht „im Schlaf“ machen, es handelt sich um das „Führen eines Kraftfahrzeugs“ wie es im amtlichen deutschen Sprachgebrauch heißt.

Dem Brauch, mit offenen Augen zu fahren und aufzupassen, hatte ich mich wie immer angeschlossen, als ich am 4. Juli 2011 in der russischen Stadt Tver, wie schon so oft, über die Überführungsbrücke fahren wollte, die die Südvorstadt und das Stadtzentrum verbindet und dabei die Bahngleise der Bahnstrecke Moskau – St. Petersburg überbrückt. Aber an diesem Tag gegen 18.13 sollte alles anders werden.

Die Brücke hat in jeder Richtung zwei Fahrspuren und als ordnungsgemäßer Verkehrsteilnehmer fuhr ich mit Tempo 50 auf meiner rechten Fahrspur Richtung „Südstadt“. „Unverhofft kommt oft“ so lautet das Sprichwort und genauso unverhofft kam das was dann passierte.

Das letzte was ich bewußt sah, war, daß „etwas Graues“ von vorn links auf mein Auto zugeschossen kam. Bremsen? Keine Chance. Dann kam der Aufprall, das Fliegen in den Sicherheitsgurt, dann hatte der Airbag seinen Auftritt.  Wie lange ich danach in meinem Auto gesessen habe bis ich Schmerzen fühlen und einen klaren Gedanken fassen konnte, ich habe keine Ahnung. Irgendwann war es jedenfalls soweit. Mein rechter Fuß schmerzte höllisch und nur langsam kam mir zu Bewußtsein daß mir jetzt einer in mein Auto reingerauscht war.

Ford Explorer nach Stillstand auf der Südbrücke in Tver

Mein Auto nach Stillstand auf der Südbrücke in Tver

Der Wagen hatte einen „ordentlichen Hieb“ abbekommen und das Öffnen der Tür war mehr als mühsam. Von den umstehenden Gaffern kam jedenfalls niemand auf die Idee mal zu helfen. Wie mir ein guter Freund in Deutschland, ein Arzt sagte, gilt das auch für Deutschland, ist also keine Besonderheit der Russen. Schön wäre es aber trotzdem gewesen wenn mir jemand geholfen hätte.

Hilfe nahte dann bald, gefühlt „bald“. Das russische THW (Technisches Hilfswerk), das hier „Ministerium für Zivilverteidigung, Notfälle und die Beseitigung der Folgen von Naturkatastrophen“ heißt, war ebenso zur Stelle wie die örtliche Polizei und zwei Rettungswagen.  Die Mitarbeiter des „MCHS“ ließen sich nicht lange bitten und mit kräftigem Ruck wurde die durch den Aufprall verzogene Tür fachgerecht aufgemacht. Da keine weitere Gefahr bestand, bat mich einer der Mitarbeiter auf dem Sitz zu bleiben. (Was die Mitarbeiter des MCHS sonst noch machen außer verbeulte Fahrzeuge zu öffnen kann man hier sehen).

Die Unfallfahrzeuge

Die Unfallfahrzeuge

Andere Mitarbeiter des „MCHS“ hatten sich in der Zwischenzeit um die Fahrerin des Fahrzeugs bemüht, die mir in mein Auto gefahren war, ein junges Mädchen von 21 Jahren wie ich später erfuhr. Sie war mit Vaters Wagen unterwegs gewesen. Im Gegensatz zu mir hatte sie sich der „guten alten russischen Sitte“ angeschlossen, den Sicherheitsgurt als „irgend etwas das eben im Auto ist, dem man aber keine besondere Aufmerksamkeit widmen müsse“ zu betrachten, m.a.W. sie hatte den Sicherheitsgurt nicht angelegt. Als ich später an Ihrem Fahrzeug gestützt durch einen Rettungssanitäter vorbeihumpelte, konnte ich sehen, daß der Gurt noch fein säuberlich aufgerollt an der sog. „B-Säule“ hing, während ihr Airbag blutverschmiert war.

Merke: Auch in Russland müssen ALLE Fahrzeuginsassen, auch Kinder, mit geeigneten Gurten gesichert werden. Das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes wird als Ordnungswidrigkeit geahndet und ist bußgeldbewehrt, wenn, ja wenn und soweit ein Polizist das machen will. Trotzdem sieht man es immer wieder, daß Mutti oder Oma auf dem Beifahrersitz sitzen, angegurtet oder nicht ist in diesem Falle ziemlich egal, und den „lieben Sohn“ oder die „süße kleine Enkelin“ auf dem Schoß zu sitzen haben, damit der Nachwuchs die Fahrt verbessert durch gute Rundumsicht auch recht genießen kann.

Daß Mutti oder Oma dabei ihre hoffnungsvollen Sprößlinge unfreiwillig dazu nutzen die oft überalterten  Autos russischer Bauart, aber nicht nur die, auch moderne Autos westlicher Fertigung, nachträglich mit „einem unfreiwilligen Airbag oder einem unfreiwilligen Zusatzairbag nachzurüsten“, das erschließt sich diesen Leuten wohl nicht. Entweder wissen sie nicht daß gerade der Beifahrersitz der besonders gefährdete Sitz in Autos ist, oder sie ignorieren einfach die Gefahr in die sie ihre Kinder und Enkel bringen wenn die nicht fachgerecht gesichert im Auto angegurtet mitfahren.

Meine Enkelin sträubte sich anfangs auch gegen den Kindersitz und das Angurten, aber seitdem sie weiß daß Rennfahrer sich auch angurten, seitdem bewirkt der Hinweis auf Michael Schumacher Wunder. Ohne Murren erklettert sie den Kindersitz und „macht den Schumacher“ und weist den Opa darauf hin auch „den Schumacher“ zu machen.

Der Rest ist schnell erzählt. Ein Rettungssanitäter stützte mich, während ich mittels Krücken – die ich aus Deutschland zu gänzlich anderen Zwecken mitgebracht und im Kofferraum dabei hatte – zum Rettungswagen humpelte. Mein rechtes Bein wurde provisorisch geschient und auf ging es mit Blaulicht und Martinshorn ins Krankenhaus Nummer 6 der Stadt Tver. Dort ab in die Notaufnahme, dann Röntgen, eben das ganze Programm, gekrönt vom Eingipsen. Zwar wollte man mich da behalten, aber ich winkte ab, ein Fehler wie sich bald herausstellen sollte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Blick aus dem Rettungswagen auf der Fahrt nach Moskau

Blick aus dem Rettungswagen

Dann Anruf beim ADAC in München. Ich bin nicht nur Mitglied des ADAC, sondern habe auch den Auslandsschutzbrief des ADAC, eine durchaus lohnende Geldanlage wie sich jetzt herausstellte. Mit Hilfe des ADAC, der den ganzen Transport sehr professionell organisierte, wurde ich am 5. August 2011 mittels russischem Rettungswagen von Tver zum Moskauer Flughafen Domodedovo verfrachtet wobei sich mein Rettungswagenfahrer an einen mit Blaulicht vorbeifahrende Polizeiwagen hängte und so die Fahrtzeit verkürzte.

Gut verpflegt geht es nach BerlinMit der Lufthansa ging es nach Berlin Tegel wo mich der Arbeiter-Samariter-Bund erwartete. Fahrt über die Autobahn und rund 2 Stunden später war ich zurück in Leipzig.

Was habe ich aus der Sache gelernt?

  • Erstens, das russische Motto „Gib die Straße für Raser frei“ hilft jedenfalls dann nicht, wenn der Raser auf Dich zukommt.
  • Zweitens: Der Sicherheitsgurt ist kein „Spaßartikel“ und ist auch dann anzulegen wenn man mal wieder „wenig Zeit“ hat.
  • Drittens: Ins „Reich des Bösen“ und auch in das sonstige Ausland nicht ohne Auslandsschutzbrief des ADAC.
  • Viertens: Nach Russland mit einem Kleinwagen? Wer es mag, bitte sehr, ich fahre da aber nur Geländewagen oder Autos der Marke Saab oder Volvo.
  • Fünftens: Eine Unfallversicherung hätte ich vorher abschließen sollen. Hinterher ist man schlauer.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei all den Leuten in Russland und Deutschland, die mir geholfen haben, als da wären zu nennen:

  • Die Mitarbeiter des MCHS Russlands die mich aus meinem Auto holten;
  • Die Polizisten der Verkehrspolizei die die Unfallstelle absicherten und die, die am nächsten Tag zwecks Aufnahme des Protokolls zu mir kamen ;
  • Die Mitarbeiter des russischen Krankenhauses Nummer 6 in Tver die sich rührend um mich und mein geschundenes Bein gekümmert haben und alles taten was in ihrer Macht stand;
  • Die Mitarbeiter des ADAC die meine Rückholung organisiert haben;
  • Die russischen Rettungssanitäter die mich nach Domodedovo transportierten;
  • Die Mitarbeiter des russischen Zolls und der Passkontrolle am Flughafen Domodedovo, die alles unbürokratisch abwickelten und die mir versicherten „daß nicht alle so fahren in Rußland“ und mich baten „ich möge das Land in guter Erinnerung behalten und wiederkommen“;
  • Die Mitarbeiter der Flughafenklinik Domodedovo die mich schließlich bis zum Flugzeug brachten;
  • Die Mitarbeiter der Lufthansa die sich sowohl im Wartebereich in Domodedovo als auch an Bord aufmerksam um mich kümmerten;
  • Die Sanitäter des Arbeiter-Samariter-Bundes die mich nach Leipzig brachten und nicht zu vergessen natürlich
  • meine Lieben in Tver, meine Liebste die nach kurz zuvor erfolgter Entlassung aus dem Krankenhaus Nummer 4 selbst an Krücken ging und trotzdem kochte, backte, briet und was sonst so nötig war, unser Sohn, der Arbeit, Einkaufen, Wohnung saubermachen und sein Break-Dance Training irgendwie so arrangierte, daß niemand zu kurz kam, unsere Tochter, die das Abschleppen sofort organisierte und alle Behördengänge erledigte und all meinen russischen und deutschen Freunden die mir jeden Wunsch von den Lippen ablesen und alles tun um meine Lage zu erleichtern.

Nachtrag:

Das junge Mädchen verstarb am Tag nach dem Unfall im Krankenhaus, ein Schicksal das der angelegte Gurt vielleicht hätte abwenden können.

Wenn ich wieder per Auto „gen Osten“ unterwegs sein werde, dann mit dem? Oder mit dem ? Oder gar mit dem? Vielleicht doch eher wieder mit einem Explorer? Mit dem auf keinen Fall. Vielleicht mit dem. Oder vielleicht gleich was Richtiges um im Zweifel den Unfallort als „Sieger“ zu verlassen.

Die lange „Kinoversion“ für den der mehr zum Ganzen wissen will findet sich hier.

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Ab und zu werde ich gefragt ob ich nicht mal „ein paar Fotos“ zeigen kann. Klar, kann ich, allerdings mit „ein paar“ ist es nicht getan. Die besten Fotos von meinem 2-Jahresaufenthalt im russischen Teil von Karelien (übrigens der finnische Teil ist kleiner) findet Ihr hier. Am besten auf „Diaschau“ klicken und genießen. Weitere Alben folgen. Und wer mal eine Beschreibung haben will wie so eine Autotour von Rußland in die Ukraine aussieht, bitte sehr.

Viel Spaß

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Wer meinen Blog schon länger liest, der weiß, daß ich ein Buch habe. Ein Buch? Was sage ich, einige Bücher. Viele davon sind mir ans Herz gewachsen, neben dem Herrn der Ringe von Tolkien und dem „verlorenen Horizont“ von James Hilton gibt es auch einige Sachbücher die ich nicht herzugeben gedenke. Das liegt u.a. daran, daß ich den „Verlorenen Horizont“ bereits sieben mal verliehen habe und daher im Besitz des achten Buches von James Hilton bin. Zu den nicht wegzugebenden Büchern gehört u.a. auch das Buch „Don‘t make me think“ – „Laß mich nicht Rätseln“, wie ich es übersetzen würde, von Steve Krug. In dem Buch geht es um „usability“, also Brauchbarkeit, von Internet WEB sites. Nicht alle WEB Sites sind brauchbar und der eine oder andere wird schon einmal seine Mühe gehabt haben der oft propagierten Aufforderung zu folgen und Geschäfte über das Internet abzuwickeln. Von einer solchen WEB Site soll heute hier die Rede sein. Nein, es ist nicht die WEB Site von GAZPROM oder AEROFLOT, wenngleich die letztere Firma auch so einige Tücken auf ihrer WEB Site verborgen hält. Die Rede soll heute einmal von einer Firma sein, die auch so in letzter Zeit auf sich aufmerksam gemacht hat, wir ahnen es, die Bahn.

Es ist mir fern den Lokführerstreik zu kommentieren. Nur soviel sei gesagt, wer selbst nicht unerhebliche Steigerungen in seinen Einkünften sein eigen nennen kann, der ist gut beraten vielleicht andere nicht unbedingt zum Maßhalten aufzufordern, nicht wahr Hartmut? Hartmut Mehdorn, der Chef der Bahn hat nämlich in der Vergangenheit Gehaltszuwächse gehabt, von der mancher Lokführer und manche Zugansagerin träumen würde. Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zur Bahn.
Da wollte ich eine Fahrkarte per Internet für eine Fahrt in Deutschland erwerben. Wir haben demnächst Klassentreffen, nach 37 Jahren. Und da möchte ich gern dabei sein. Also gibt es einen Flug Kiew – Berlin, dann umsteigen auf die Bahn und ab geht es nach Leipzig. Soweit der Plan. Aber vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Auf ins Internet, das heute in Kiew mal wieder „zu Fuß“ unterwegs zu sein scheint so quälend langsam kommen die Buchstaben auf den Bildschirm. Egal

„www.bahn.de“ gewählt, auf geht’s. Die Grunddaten sind relativ schnell eingegeben, Abfahrtsbahnhof, Zielbahnhof, Datum, ungefähre Uhrzeit, Hin-und Rückfahrt, Verfügbarkeit des Platzes, Platzkarte (Ja / Nein), Nahverkehrskarte, alles schnell, kurz und bündig. Dann kommt das Bezahlen. Daß die Bahn sich nicht unbedingt dadurch einen Namen gemacht hat, daß man ihre Produkte schnell und unkompliziert nutzen kann, das wird der Zeitgenosse bestätigen können, der einmal nach einer erneuten „Tarifreform“ versucht hat eine Fahrkarte zu kaufen, möglicherweise noch dazu an einem der Bahnkartenautomaten. Wir erinnern uns? Da gab es, lang lang ist es her, mal ein sog „Guten-Abend-Ticket“. Ab einer bestimmten Stunde am Abend waren Karten der Bahn erheblich billiger als tagsüber. Also ein „Guten-Abend-Ticket“ gekauft und los ging es. Dann kamen die „Reformer“, oder besser gesagt die, die den Satz „Never touch a running system“ wohl nicht gehört, oder aber gehört und nicht verstanden hatten. Das Ergebnis war die „Tarifreform“ der Bahn. Und mit dieser Tarifreform war der Erwerb einer Fahrkarte an das erfolgreiche Bestehen eines viersemestrigen Informatikgrundkurses und den erfolgreichen Abschluß einer Semesterarbeit über Boolsche Algebra geknüpft. M.a.W. niemand, selbst Bahnmitarbeiter blickten mehr durch. Hartmut Mehdorn, der Chef, posaunte etwas von Übergangsschwierigkeiten und der Ruf der Bahn war wieder einmal dicht an unserem hinteren Ausscheidungsorgan. Gut, auch diese „Reform“ ist Geschichte, aber die guten Zeiten der einfachen – und noch darüber hinaus preiswerten – „Guten-Abend-Karte“ sind gezählt.

Hartmut Mehdorn muß Kohle machen denn er braucht Rubel in der Kriegskasse. Er will ums Verrecken als der Mann in die Geschichte eingehen, der die Bahn an die Börse gebracht hat. Das ist ein anderes Thema und soll uns hier deshalb heute nicht interessieren. Zurück zum Fahrkartenkauf per Internet. Wenn man aus der Ukraine etwas per Internet im „Hort der Freiheit“, dem Westen, ordern will, wird man von manchen Firmen als Mensch „dritter Wahl“ angesehen. Daß es in der Ukraine auch Zeitgenossen gibt, die so reich sind, daß sie zumindest große Teil von Hartmut Mehdorns Reich mal eben aus der Portokasse kaufen könnten, das sei der Vollständigkeit halber hier nur erwähnt. Es gibt auch Unternehmen die da weniger zimperlich und auch Ukrainer oder Russen bedienen, so sie denn kaufkräftig sind. Ich denke daß selbst eine Bestellung aus Magadan von meinem heiß geliebten AMAZON akzeptiert werden wird, wenngleich AMAZON nicht nach Rußland liefert. Aber das ist ein anderes Thema, genug abgeschweift.

Das Softwaredesign der Bahn läßt jedenfalls erhebliche Mängel erkennen, was dazu führt, daß man an der WEB Site der Bahn verzweifeln könnte. Insgeheim habe ich den Verdacht, daß die Leute die damals das „großartige Tarifreformwerk“ verzapft haben und die man dafür hätte Teeren und Federn müssen, jetzt vielleicht zur Strafe in die Softwareentwicklungsabteilung der Bahn verbannt wurden, wer weiß?

Also auf geht‘s. In den folgenden Bildschirmmasken wird man nochmals mit den Buchungsdaten vertraut gemacht. Unter „4. Bezahlen“ kommt es aber dann beinhart. Ich will bezahlen und zwar mit der EC Karte – denke ich jedenfalls. Und ein Benutzerkonto will ich dazu nicht extra anlegen. Ich habe auch so genug Passworte, User-IDs usw. usf. was soll man sich denn sonst noch alles merken? Also tüpfele ich artig meine EC-Karten-Daten ein, gehe auf den Knopf mit dem Befehl „weiter“ und … werde aufgefordert meine Kreditkartendaten einzugeben. Ich will doch aber mittels EC Karte zahlen, eben NICHT mit der Kreditkarte, versteht das keiner? Und da steht es doch auch oben am Bildschirm, „Bezahlen“ steht da weiß auf Rot. Also das Ganze noch mal, irgendwo ist hier der Wurm drin. Beim Punkt „Bezahlen“ tüpfele ich wieder die Daten der EC Karte ein … dann „WEITER“ wie gehabt. Das Ergebnis ist leider auch wieder wie gehabt,
bahn12.jpg Hartmut will unbedingt an meine Kreditkartendaten. Ich grübele. Wie wäre es mit einem Anruf bei der Bahn? Aus Kiew ist so ein Anruf nicht gerade „kostengünstig“ zu nennen, aber vielleicht kann ja die freundliche Dame von der Bahn meine Ahnungslosigkeit beenden? Schnell ein neues Fenster im Browser geöffnet und irgendwo finde ich Telefonnummern. Ja nicht eine Telefonnummer, Hartmut hat sich nicht lumpen lassen, gleich mehrere Nummern bietet er mir an, eine für Leute mit Bahncard, eine für Normalsterbliche und eine deren Funktion ich gleich wieder vergessen habe. Bahnkarte habe ich nicht, aber die einzige mir sinnvoll erscheinende Nummer wird es ja wohl auch tun. Aber, oh Schreck, das ist wieder eine der „Nur-XY-Cent-kostenden“ 0180er Telefonnummern. In meinem Fall sind es „nur“ 14 Cent pro Minute. Was heißt hier „nur“? Das sind 28 Pfennig !!! Und damit mehr als eine Viertel DM, falls sich noch jemand daran erinnern sollte. Und „nur“ ein Viertel einer Mark pro Minute wird auch dadurch nicht weniger daß man das Wort „nur“ gebraucht. Im allgemeinen sind darüber hinaus solche Nummern aus dem Ausland nicht zu erreichen. Tapfer wähle ich trotzdem die Nummer, lasse die Null weg und … wir ahnen es, bin mit einem Voice-Mail-System verbunden.

Gäbe es heute noch Scheiterhaufen zur Hexenverbrennung, Ihr könnt sicher sein, dem Erfinder der Voice-Mail-Systeme würde ich einen Ehrenplatz darauf anbieten. Wer kennt es nicht das Automatengesteuerte „Wenn Sie … wünschen, drücken Sie die Eins, wenn Sie … wünschen … die Zwei“ usw. usf. Wenn man Pech hat endet das Ganze in der Roboteransage „Ich konnte sie leider nicht verstehen…“. Und schnell sind mal eben „nur“ zwei Euro über den Orkus gegangen und man ist so schlau wie vorher. Ich hingegen habe Glück und lande … bei Musikdudelei. Wahrscheinlich ist das „freundliche“ wie gleich unterbezahlte „junge und dynamische Team“ des Callcenters auf Papua-Neuguinea mal wieder überlastet. Nach kurzer Zeit meldet sich eine wirklich freundliche Dame. Ich erkläre ihr den Sachverhalt und … erhalte eine andere Telefonnummer, wieder eine „Nur“-Nummer beginnend mit 0180. Egal, ich will eine Karte. Also die „Nur“-Nummer gewählt. Am anderen Ende ein Mitarbeiter dem ich meine Probleme schildere und ihm anbiete doch mal mein ganz oben genanntes „Don‘t make me think“-Buch zu lesen. Er muß lachen kommt dann aber zur Sache. Die Eingabe der EC Nummer, so erklärt er mir, dient nur als Instrument um mich später bei der Bahnfahrt zu legitimieren, so als Paßersatz, z. B. Bezahlt werden müsse aber mit der Kreditkarte. Meinen Einwand daß dann oben auf der WEB Site aber nicht „4.Bezahlen“ sondern vielleicht „4.Kunden identifizieren“ stehen müßte, läßt er gelten, erklärt aber daß er da nichts machen könne. Na ja, Personalausweis oder Paß wäre ja auch zu einfach gewesen.
Ja, wie ich denn mit EC Karte oder Einziehung vom Konto zahlen könne, will ich wissen. Und da kommt es. Ich müsse mich registrieren – was ich ja nicht will – eine Kontoeinzugsermächtigung herunterladen, ausdrucken, unterschreiben und per Post an die Bahn schicken. Drei Tage nach dem Eintreffen der Einzugsermächtigung könne ich dann per Lastschrift Bahnkarten bezahlen. So einfach …. und steinzeitlich …. ist das. ich stelle mir mal vor, daß ich das Prozedere befolge. Falls mein Brief Deutschland erreicht, was ich nicht beschwören möchte, dauert es dann nochmals DREI Tage???

Jungs, mal ehrlich, das kann im Zeitalter der von Eurem Chef Hartmut vielbeschworenen Globalisierung doch nicht Euer Ernst sein, oder? Bei AMAZON, das ich schon erwähnt habe, habe ich nichts runtergeladen, ausgedruckt unterschrieben, einer Brieftaube an den Fuß geklemmt um dann drei Tage nach deren Eintreffen endlich das machen zu können was ich will, nämlich ein Buch kaufen. Lest mal ein Buch über Dshingis Khan. Dann wißt Ihr daß eine Postmeldung von einem Ende des Reiches bis zum anderen Ende drei Tage brauchte, das Reich war nicht gerade klein und Computer und Internet hatten die Jungs auch nicht, das nenne ich Schnelligkeit in „Zeiten der Globalisierung“.

Hartmut, Du laberst unaufhörlich von Globalisierung. Darum müsstest Du unbedingt zum Monopoly-Spiel an die Börse und dann bekommst Du den globalisierten Kartenverkauf nicht hin? Schwaches Bild. Ich biete Dir schon heute an Deinen Fahrkarten-per-Internet-Verkauf an die Anforderungen der Globalisierung anzupassen. Weil Du es bist gibt es sogar einen günstigeren „Guten-Abend-Hartmut-Preis“, den Du auch nicht mittels Superrechner ermitteln musst, versprochen. Ich denke wir werden uns schon einig werden, oder? Wäre nicht das erste EDV System dem ich auf die Füße geholfen habe. Frag mal die Rentner in Armenien, die ihre kärgliche Rente mittels EDV ausgezahlt bekommen, oder die Jungs in der Präsidentenadministration in Azerbaijan, die mittlerweile sogar wissen wieviel Mitarbeiter es im Staatsdienst gibt und was der Spaß kostet. Da sollte so ein Streamlining Deiner WEB Site kein großer Akt sein. Was meinst Du? Ich warte auf Deinen Anruf, keine Angst wird schon. Und das mit der Börse können wir dann auch noch mal kurz bereden, gelle?

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Am nächsten Morgen Aufstehen, Duschen, das Übliche eben. Dann geht es zum Frühstück in der ehemaligen Stolovaya (Kantine). Die Kantine hat noch einen gewissen „Sowjetcharme“ den auch die Bedienung mühelos herüberbringt. Wir werden separat „platziert“ weil wir ja Teil einer Gruppe sind, die aber noch gar nicht vollständig da ist. Das Frühstück zeichnet sich durch eine gewisse „Schlichtheit“, sprich:Kärglichkeit aus. Neben etwas Quark, Butter und Käse zwei Scheiben Brot und eine Tasse Tee. Kaffee gibt es wenn wir ihn einen Tag vorher bestellen. Wir sind in einem Sanatorium gelandet … nur sind wir nicht leidend und auf Kur, egal. Später erfahre ich daß es ein Frühstücksbuffet demnächst geben soll. Hoffentlich ist „demnächst“ bald.

Abfahrt nach Buki, das GPS zeigt uns den Weg, den wir des Nachts gekommen sind. Bald ist Buki erreicht. Ein Teil unserer Trainingsteilnehmer ist bereits vor Ort. Sachen auspacken, Die Begrüßungsrede, das Prozedere wird erklärt. Tatyana beginnt mit dem Training und ich kümmere mich um das Finanzielle. Gegen 15.00 lasse ich Tatyana allein mit der Gruppe zurück und fahre nach Kiew. Nach drei Stunden Ankunft am Stadtrand und das Wuseln durch den üblichen stadtweiten Feierabendstau. Um 19.00 bin ich wieder zuhause, packe die Sachen aus und … wo ist der Rucksack mit meinem Notebook? Doch nicht etwa in Buki? Ein Anruf bei Tatyana bringt Licht ins Dunkel. Der Rucksack, den ich mit in den Computersaal der Schule von Buki genommen habe, macht Landurlaub. Und ich brauche die Kiste dringend morgen früh. Was liegt da näher als …. genau … zurück nach Mankievka. Aber erst zwei Stunden Nickerchen. Dann geht es erneut auf die Trasse.

Nach zwei Stunden Abfahrt Zhaschkiv erreicht. Jetzt heißt es aufpassen. Schlechte Beleuchtung in den Orten, keine Wegweiser, also beste Bedingungen sich zu verfranzen oder jemanden über den Haufen zu fahren. Wieder keimt der Wunsch nach vier Zusatzscheinwerfern auf dem Dach auf. Nach fast vier Stunden sind wir wieder in Mankievka gelandet. Das GPS hat gute Dienste geleistet, nur einmal an der Weggabelung ohne Wegweiser falsch abgebogen aber unser kleiner elektronischer Helfer hat uns das nach zwei Minuten signalisiert, umdrehen, auf den richtigen Weg einbiegen, das war es.

Tatyana erwartet mich am Tor des Sanatoriums mit dem Rucksack. „Rücksturz zur Erde“, hätte man im Raumschiff Orion seinerzeit gesagt. Nach weiteren vier Stunden durch die ukrainische Nacht bin ich wieder in Kiew. Ich bin fix und fertig, nur noch ein Wunsch, schlafen.

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Seit einiger Zeit bin ich jetzt bereits in Kiew. In die Regionen bin ich ebenfalls gefahren, aber da eben immer in die regionalen Zentren wie Cherkasy, Lvov oder Kharkov, alles Städte ab 150.000 Einwohner bis an die Million Einwohner und mehr. Diesmal sollte es in eine kleine Stadt gehen, Buki heißt sie und liegt im Gebiet Cherkasy irgendwo östlich an der Trasse Kiew – Odessa. Zweck der Übung? Wieder mal ein Computertraining für Mitarbeiter von Berufsschulen. Buki als Stadt zu bezeichnen ist schwer, eigentlich ist der Ort dafür zu klein, aber Dorf? Dafür ist Buki wieder zu groß. Im Russischen gibt es dafür einen Ausdruck „Ansiedlung städtischen Charakters“. Also geht es in die „Ansiedlung städtischen Charakters“. Aber das Ansinnen ist nicht ganz einfach in die Tat umzusetzen.

Abfahrt Kiew um 15.30. Fast alle Geschwindigkeitsbegrenzungen einhaltend erreichen wir die Abfahrt Zhaschkiv gegen 17.45. Es ist schon dämmerig, die Nacht bricht an. Am Ende des Ortes ein Wegweiser, Buki. Wenn man jetzt dem Prinzip treu bleibt immer auf der Hauptstraße zu bleiben, dann müssten wir Buki erreichen. Durch kleine Dörfer geht es immer weiter und der nasse Dreck der von der Straße aufwirbelt macht unsere Scheinwerfer blind. Insoweit also nichts Neues. Auch hier gilt der gute alte russische Grundsatz „Russland hat zwei Problem ‚dorogi‘ = Straßen und ‚duraki‘ = Dummköpfe“. Über die Dummköpfe kann ich nichts sagen aber die Straßen, ein Graus. Kleine Orte tauchen auf und als wir aus einem schon fast raus sind ruft Tatyana „Das ist das Ortsausgangsschild von Buki.“ Wir machen kehrt. Wir müssen in die Leninstraße und nach allem was ich vermute ist das die Hauptstraße. Und mit der Vermutung liege ich richtig. Nach einiger Zeit haben wir auch die Berufsschule gefunden. Dort erwartet man uns bereits und erklärt daß man uns habe vorbeifahren sehen. Ich habe im Gegensatz dazu in der Dunkelheit nichts gesehen. Gut, ok, wir sind angekommen. Und zur Sicherheit habe ich die ganze Tragödie auf dem GPS Gerät verewigt. Fahren nach Instrumenten sollte in Zukunft kein Problem werden. Dann setzen sich meine ukrainischen Kollegen in ihr Auto, einen Tavria ehemals sowjetischer Fertigung der auch heute noch gebaut wird. Mühsam bahnt sich das altersschwache Gefährt seinen Weg. An jeder Anhöhe kommen verdächtige Russschwaden aus dem Auspuff. Unser Ziel das Sanatorium AKVADAR in oder bei Mankievka. Der Ort ist zwar auf der Karte zu sehen, was aber nicht heißt daß er auch leicht zu finden wäre. An einer Gabelung im Ort darf man nämlich nicht – wie sonst – der Hauptstraße folgen, sondern muss die Nebenstraße nehmen. Einen Wegweiser sucht man allerdings vergeblich. So „einfach“ ist das. Hoffentlich hält das Auto unserer ukrainischen Partner durch. Nach 18 Km Dunkelheit sind wir am Ziel. Unsere Unterkunft heißt „Akvadar“ und ist ein ehemaliges Sanatorium das einige Kolchosen einst zusammen betrieben. Vor ca. 2 Jahren haben Kiewer das Sanatorium übernommen und die ersten Schritte sind getan um daraus etwas zu machen, das man auch westlichen Kunden anbieten kann.

Die Einheimischen haben die „Luxussuite“ für den Westler bestellt. Wann kapiert man hier endlich daß ich nur übernachten will und nicht die Anlage kaufen? Ein anderes Zimmer gibt es im Moment nicht, na toll. Also auf in die Luxussuite. Das Einchecken geht verhältnismäßig schnell von statten. Das Zimmer, besser die Zimmer, liegen in Haus 3 der Anlage. Das Haus ist ein Neubau und die Luxussuite liegt nach deutschen Maßstäben im 2. Stock, zu dem es über eine Treppe mit ungleichen Treppenstufen geht. Hat jemand schon einmal in einem Neubau der letzten Jahre in Russland oder der Ukraine eine Treppe mit gleichmäßig hohen Stufen gesehen? Ich bisher nicht, wie dem auch sei. Das Appartement entpuppt sich als 2-Raum-Installation. Der erste Raum enthält Garderobe, Sofa, Sessel, Kühlschrank und Sideboard und – wie sinnig – einen Flokati. Der zweite Raum Bett, Schrank, Fernseher, Sideboard und Nachtschrank. Alles ganz gut gemacht, aber nötig gewesen wäre der „Prunk“ nicht. „Geht es auch ein bißchen einfacher?“, der Satz von Gerhard Schröder bei Beziehen des Kanzleramtes, fällt mir ein. Man darf gespannt sein wie es weitergeht.

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Wir erinnern uns, am 10. Februar bin ich auf die Krim geflogen um ein Basis EDV Training für Mitarbeiter von Berufsschulen und der regionalen Berufsbildungsverwaltung zu eröffnen und eine Vorlesung über EDV Nutzung im Westen zu halten. Der Flug war suboptimal und die anschließende Bewirtung im Hotel zu später Stunde beinhaltete ebenfalls ein erhebliches Verbesserungspotential.

Heute, am 13. Februar sollte alles anders werden. Ich war gewappnet. Unterwegs zum Flughafen hatte ich noch eine kleinere Debatte mit einem Mitarbeiter der Rechtswahrenden Organe, die damit endete dass mich „Herr Obrigkeit“ mit meinem Taxifahrer mürrisch maulend von dannen ziehen ließ. Der Beginn ließ sich also nicht schlecht an, zumindest für mich. An Terminal A in Borispol angekommen, fand ich schnell meine Mitarbeiterin Tatyana, die mit mir auf die Krim fliegen sollte. tatyanaundolgainsimferopol.jpgIhre Aufgabe, Training der Nutzung unseres neu entwickelten Management Information Systems für berufliche Bildung. Ich hatte die Nutzungsbeschreibung mit, die wir morgen den Trainingsteilnehmern geben würden.

Wissend um die problematische Beinfreiheit in den Sitzreihen der YAK 42 näherten wir uns dem Abfertigungsschalter wo ich schnell noch mein Gepäck aufgeben wollte. „Welche Sitzreihe hätten Sie gern?“, schallte es uns entgegen. „Bitte Reihe 7 oder Reihe 14 wenn möglich.“, antwortete ich weltmännisch, wohl wissend dass sich dort die Notausgänge befinden und man die Beine nicht so anziehen muss, dass man mit den Kniescheiben die Ohren verschließen kann. „Gern, Fensterplatz oder Gangplatz?“, war die Antwort. „Das ist uns ganz egal, Hauptsache Beinfreiheit.“ Ausgerüstet mit den Reihe-14-Bordkarten verließen wir den Schalter. Meine Tasche machte noch einen Bogen auf dem Transportband und schon verschwand sie samt Gepäckaufkleber aus meinem Blickfeld. Sie enthielt neben der gewöhnlichen SOS-Ausrüstung (Socken, Oberhaupt und Schlips) und der Toilettentasche auch noch meine Notration bestehend aus Schnittkäse, etwas Wurstaufschnitt und Brot. Der Notvorrat wurde nötig nachdem ich bei meinem ersten Aufenthalt im Hotel die Erfahrung machen musste, dass der Koch kurz vor meinem Eintreffen wohl fluchtartig das Hotel verlassen hatte und man sich außerstande sah mir wenigstens ein Tüte Kartoffelchips zu veräußern, Der Ausweg? Eine Flasche Obolon-Bier. Das sollte diesmal nicht passieren.

Dann der Aufruf des Fluges, Tatyana und ich passierten die Sicherheitskontrollen ohne weitere Problem, schnell noch ein Cappuccino dann weiter und warten auf das Abreißen der Bordkarte, das Öffnen der Türen, die Busfahrt über das Rollfeld und schließlich das Versinken in einem der Sitze in Reihe 14. Soweit die Theorie, die Praxis hatte leider einige kleine unwesentliche Abweichungen vom Kausalverlauf, wie der Jurist, der ich nun einmal noch immer bin, sagen würde.

Eine Menschenansammlung dort wo die Karten abgerissen werden, Flug um Flug wurde aufgerufen, nur unser um 19.50 Uhr geplanter Flug nicht. Und erstaunlicherweise wiederholte sich bei allen Flügen das gleiche Szenario. Der Flug wird aufgerufen, Passagiere drängen sich mehr oder minder geordnet zum Schalter, die Karten werden abgerissen und die Passagiere verschwinden im bereitstehenden Bus, der dann aber doch nicht abfährt, weil noch der eine oder Passagier fehlt. Wieder und wieder die laut gerufenen Frage „Noch Passagiere für Ivano Frankivsk?“ Dann hektisches Laufen des Personals durch den Saal. „Passagiere für Ivano Frankivsk bitte zum Abflug.“ Nach zehn weiteren Minuten fährt der Bus endlich ab. Bei Flügen nach Odessa und Lviv das gleiche Bild. Und unser Flug ? Er hat Verspätung erfahren wir nun, Abflug um 20.30. Ok, also 20.30 Uhr, soll mir recht sein, Hauptsache Reihe 14 mit der sagenhaften Beinfreiheit. In der Zwischenzeit habe ich einige Landsleute ausfindig gemacht, die ebenfalls auf die Krim wollen. Sie verstehen weder Ukrainisch noch Russisch und so informiere ich sie jeweils was gerade durchgesagt wurde. Wir vertreiben uns die Wartezeit und erzählen uns Erlebnisse die wir bei Reisen ins Ausland hatten. Bei jedem Aufruf eines Fluges sagt einer meiner Kurzfristbekannten dass er da nicht hinwolle. Nach einiger Zeit fügt er hinzu, dass er lieber gleich ganz nach hause, das sich in Emden befindet, wolle. Die beiden, von denen einer, wie sich herausstellt, aus der Schweiz ist, sind in Sachen Schiffbau unterwegs und wollen nach Kertsch, dem Einlass vom Schwarzen Meer zum Asowschen Meer, der in letzter Zeit Berühmtheit dadurch erlangt hat, dass dort ein russischer Tanker strandete und sowohl das linksseitige ukrainische Ufer, als auch das rechtsseitige russische Ufer mit dem auslaufenden Öl verseuchte. Wir zeigen uns gegenseitig die in unseren Reisepässen vorhandenen Visa. Der Schweizer gewinnt, sowohl was die Anzahl der Länder anbelangt, u.a. China, als auch die Exotik der Visa. Ok, ein usbekisches Visum hat er nicht, aber gegen China gebe ich mich geschlagen.

Endlich, auch unser Flug wird aufgerufen, alle streben der Ausgangstür zu wo unsere Bordkarten abgerissen werden. Wir gehen zum Bus. Im Bewusstsein um die Komfortreihe 14 lege ich keine sonderliche Eile an den Tag. Die Bustüren schließen sich, wir fahren los. Auf dem Rollfeld kreuzt ein LkW der LSG Catering, der Lufthansatochter unseren Weg. Ein gutes Zeichen. Vielleicht will uns AEROSVIT für die Verzögerung entschädigen? Vor meinem Auge sehe ich schon das Abendessen serviert von einer netten Stewardess auf einem Platz in Reihe 14.

Wir erreichen das Flugzeug, die Bustüren öffnen sich und wir steigen aus. Ich gehe die Gangway hinauf. Jetzt noch den Mantel ausziehen, sich auf dem Platz mit der Beinfreiheit niederlassen, den iPod anschalten und auf geht’s. Ich passiere Reihe 7, ebenfalls Notausgang mit Beinfreiheit und strebe weiter meinem Platz zu. Und da ist sie, die nette Stewardess. Wahrscheinlich will sie meine Bordkarte sehen, vielleicht geleitet sie mich gar zu meinem Platz wo sie mir noch kurz nachdem ich mich gesetzt habe die Speisekarte reichen wird. Dann haucht sie mir noch „An Ihrer Stelle würde ich die Gänselebertrüffelpastete an Kräuterparfait mit einer Sauce aus karelischen Waldpilzen nehmen. Dazu passt hervorragend ein 75-er Massandra Rose, nicht zu schwer und nicht zu leicht.“, ins Ohr um kurz darauf mit den warmen Erfrischungstüchern zurückzukehren.

Aber meine Träume werden jäh gestört. Sie will nur meine Bordkarte sehen um mir dann kurz und bündig mitzuteilen, dass diese YAK 42 der Donbass Airlines überhaupt keine Reihe 14 habe. reihe14inderyak42.jpgDer Notausgang IST Reihe 14 und die nächste Sitzreihe, die mit der Beinfreiheit ist Nummer fünfzehn und die ist AUSGEBUCHT. Ob ich in der Zwischenzeit in der letzten Sitzreihe Platz nehmen könne, es sei ihr sehr peinlich aber einen besseren Platz habe sie nicht im Moment aber soweit alle an Bord seien werde man sich um einen anderen Platz für mich kümmern. Tatyana mit ihrer Reihe-14-Bordkarte ereilt das gleiche Schicksal. Und so sitzen wir in Reihe zwanzig, neben uns die Turbinen die im Verlauf des Fluges eine weitere Unterhaltung unmöglich machen werden und etwa zwei Meter trennen uns von den Bordtoiletten, na prima, guten Flug allerseits.

Mit ohrenbetäubendem Gebrüll gehen die Turbinen auf Vollast als wir abheben. Die Stewardess kehrt nach 15 Minuten zu uns zurück, man habe einen Platz weiter vorn für einen von uns gefunden. Tatyana und ich haben uns schon so „in unser Refugium verliebt“ dass wir dankend ablehnen. Wenn wir jetzt noch die restlichen 75 Minuten störungsfrei in der Luft bleiben dann ist alles gut. Der Rest des Fluges ist schnell erzählt. Die Gänselebertrüffelpastete an Kräuterparfait mit karelischer Pilzsoße entfällt. Ihre Stelle nimmt das bekannte Bonbon für den Druckausgleich in den Ohren ein und der 75-er Massandra Rose erfährt Ersatz durch ein Mineralwasser ohne Kohlensäure im Plastikbecher der sogleich wieder eingesammelt wird. Das warme Erfrischungstuch zum Säubern der Hände fällt einer Totalrationalisierung zum Opfer. Nach neunzig Minuten Flug verlassen wir das Flugzeug nach der Landung mit einem mittleren Kollateralschaden am Gehörgang.

Dann folgt das übliche „Kohorte wartet auf den Nachzügler Willeke“ im Bus. Unter dem schon bekannten Dach an frischer Luft warten wir auf meine Tasche. Im Gegensatz zum letzten Hinflug erscheint meine Tasche als letzte auf dem Band, muss also unter all den elefantengleichen großen Koffer, Taschen und sonstigem Gepäck gelegen haben. Ich wage mir nicht vorzustellen welche Bauhöhe mein Brot noch hat. Olga wartet diesmal nicht. An ihrer Stelle warten Georgi, der Trainer und unser Fahrer der uns auch beim letzten Mal gefahren hat. Auf der Fahrt überlege ich mir dass ich froh bin überhaupt einen Essensvorrat mitgenommen zu haben. Wahrscheinlich wird er ergänzt durch das schon bekannte Obolon-Bier und das ist ja auch nicht schlecht. Der Koch, der schon beim letzten Mal weg war als ich eintraf wird wohl kaum in Erwartung des verspäteten Fluges eine Ausnahme gemacht haben und auf uns gewartet haben.

Als ich vor Jahren noch bei der AEG in Berlin gearbeitet habe, da hatten wir an der Wand des Kundendienstbüros einen Computerausdruck. Und darauf stand:“ Ängstige Dich nicht und sei froh, denn es könnte alles noch viel schlimmer kommen. Und ich ängstigte mich nicht und war froh und alles kam schlimmer.“ Wir erreichen das Hotel, checken ein und mein erster Weg führt mich Richtung Bar um die begehrte Flasche Bier zu erstehen. Das Mädel, das da auf einem Sofa in der Nähe der Tür zur Bar sitzt erklärt mir auf meine Frage nach dem Erwerb einer Flasche Bier, dass heute nicht nur der Koch das Haus bereits verlassen habe, der Barmann habe es ihm gleichgetan und die Bar sei zu bis morgen früh. Schön dass das Hotel wenigstens eine Flasche lauwarmes Mineralwasser in jedem Gästezimmer kostenlos zur Verfügung stellt. Jetzt heißt es gut einteilen, das Mineralwasser ohne Kohlensäure muss bis morgen früh reichen wenn ich nicht noch Wasser aus dem Hahn trinken will. Und das will ich aufgrund meines reichen Erfahrungsschatzes an „Montezumas Rache im Reich des Zaren“ nicht wagen.

Ich trotte zurück in mein Zimmer und setze mich aufs Bett. Und da passiert es. Wie seinerzeit 1858 eine weiß gekleidete Frau der später heilig gesprochenen Bernadette Soubirous in Lourdes erschien, so habe auch ich eine Erscheinung. In einen gleißenden Lichtbogen gebettet steht sie plötzlich vor mir, sie, die so manchem von uns im Rahmen einer Ziehung schon zu eigen wurde, sie, die wir alle fürchten. Diesmal hat das Schicksal mich auserwählt und ich bekomme sie heute ganz exklusiv, nur für mich.

Die große goldene Arschkarte am Bande mit Eichenlaub und Schwertern. Danke, danke, danke. Das wäre nicht nötig gewesen. Nur eine Frage bleibt, hat die YAK 42 auf dem Rückflug den Notausgang in Reihe 14 oder 15 oder ganz woanders? Wer ganz sicher gehen will sagt einfach:“Geben Sie mir irgendwas zwischen Reihe 12 und Reihe 16, Hauptsache es ist der Notausgang.“ Ach ja, ich vergaß, natürlich sagt Ihr das in Ukrainisch oder Russisch, also, viel Glück.

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