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Archive for the ‘Deine Autos und Deine Autofahrer’ Category

oder im Keller findet man beim Herumkramen das eine oder andere dass man fast vergessen hat und das unverdient ein trauriges Dasein fristet. So etwas passierte auch meinem Bericht über eine schon vor längerer Zeit erfolgte Fahrt von Russland in die Ukraine.

Ich finde den Artikel immer noch ganz nett und deshalb will ich ihn niemandem vorenthalten. Und deshalb wird er hier verlinkt. Wer wissen will wie das „gutnachbarschaftliche Verhältnis“ der beiden Staaten in der Praxis aussieht, wer sich hinter dem „Specialagent“ an der russisch-ukrainischen Grenze verbirgt und wie es so mit der Ausschilderung der Strassen in der russischen und ukrainischen Region (ich hasse das Wort ‚Provinz‘ … so herablassend) verhält, der ist bei diesem Artikel richtig.

Viel Spass beim Lesen, ach ja und von Seite zu Seite geht es meist über den Link unten auf den Seiten oder oben im Kopf, wo die einzelnen Kapitel aufgelistet sind.

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Ende einer Dienstfahrt, Explorer auf dem Schrottplatz

Ende einer Dienstfahrt

„Tausend mal berührt, tausend mal ist nichts passiert“, diese Zeile aus dem Lied „1000 und 1 Nacht“ von Klaus Lage kennt der eine oder die andere sicher. Klaus Lage zählt zu den Sängern die ich gerne höre, aber das nur am Rande.

Sicher habt Ihr auch schon Sachen so oft gemacht daß Ihr meint das könne man auch im Schlaf erledigen. Die Sache von der ich berichten möchte, die sollte man besser nicht „im Schlaf“ machen, es handelt sich um das „Führen eines Kraftfahrzeugs“ wie es im amtlichen deutschen Sprachgebrauch heißt.

Dem Brauch, mit offenen Augen zu fahren und aufzupassen, hatte ich mich wie immer angeschlossen, als ich am 4. Juli 2011 in der russischen Stadt Tver, wie schon so oft, über die Überführungsbrücke fahren wollte, die die Südvorstadt und das Stadtzentrum verbindet und dabei die Bahngleise der Bahnstrecke Moskau – St. Petersburg überbrückt. Aber an diesem Tag gegen 18.13 sollte alles anders werden.

Die Brücke hat in jeder Richtung zwei Fahrspuren und als ordnungsgemäßer Verkehrsteilnehmer fuhr ich mit Tempo 50 auf meiner rechten Fahrspur Richtung „Südstadt“. „Unverhofft kommt oft“ so lautet das Sprichwort und genauso unverhofft kam das was dann passierte.

Das letzte was ich bewußt sah, war, daß „etwas Graues“ von vorn links auf mein Auto zugeschossen kam. Bremsen? Keine Chance. Dann kam der Aufprall, das Fliegen in den Sicherheitsgurt, dann hatte der Airbag seinen Auftritt.  Wie lange ich danach in meinem Auto gesessen habe bis ich Schmerzen fühlen und einen klaren Gedanken fassen konnte, ich habe keine Ahnung. Irgendwann war es jedenfalls soweit. Mein rechter Fuß schmerzte höllisch und nur langsam kam mir zu Bewußtsein daß mir jetzt einer in mein Auto reingerauscht war.

Ford Explorer nach Stillstand auf der Südbrücke in Tver

Mein Auto nach Stillstand auf der Südbrücke in Tver

Der Wagen hatte einen „ordentlichen Hieb“ abbekommen und das Öffnen der Tür war mehr als mühsam. Von den umstehenden Gaffern kam jedenfalls niemand auf die Idee mal zu helfen. Wie mir ein guter Freund in Deutschland, ein Arzt sagte, gilt das auch für Deutschland, ist also keine Besonderheit der Russen. Schön wäre es aber trotzdem gewesen wenn mir jemand geholfen hätte.

Hilfe nahte dann bald, gefühlt „bald“. Das russische THW (Technisches Hilfswerk), das hier „Ministerium für Zivilverteidigung, Notfälle und die Beseitigung der Folgen von Naturkatastrophen“ heißt, war ebenso zur Stelle wie die örtliche Polizei und zwei Rettungswagen.  Die Mitarbeiter des „MCHS“ ließen sich nicht lange bitten und mit kräftigem Ruck wurde die durch den Aufprall verzogene Tür fachgerecht aufgemacht. Da keine weitere Gefahr bestand, bat mich einer der Mitarbeiter auf dem Sitz zu bleiben. (Was die Mitarbeiter des MCHS sonst noch machen außer verbeulte Fahrzeuge zu öffnen kann man hier sehen).

Die Unfallfahrzeuge

Die Unfallfahrzeuge

Andere Mitarbeiter des „MCHS“ hatten sich in der Zwischenzeit um die Fahrerin des Fahrzeugs bemüht, die mir in mein Auto gefahren war, ein junges Mädchen von 21 Jahren wie ich später erfuhr. Sie war mit Vaters Wagen unterwegs gewesen. Im Gegensatz zu mir hatte sie sich der „guten alten russischen Sitte“ angeschlossen, den Sicherheitsgurt als „irgend etwas das eben im Auto ist, dem man aber keine besondere Aufmerksamkeit widmen müsse“ zu betrachten, m.a.W. sie hatte den Sicherheitsgurt nicht angelegt. Als ich später an Ihrem Fahrzeug gestützt durch einen Rettungssanitäter vorbeihumpelte, konnte ich sehen, daß der Gurt noch fein säuberlich aufgerollt an der sog. „B-Säule“ hing, während ihr Airbag blutverschmiert war.

Merke: Auch in Russland müssen ALLE Fahrzeuginsassen, auch Kinder, mit geeigneten Gurten gesichert werden. Das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes wird als Ordnungswidrigkeit geahndet und ist bußgeldbewehrt, wenn, ja wenn und soweit ein Polizist das machen will. Trotzdem sieht man es immer wieder, daß Mutti oder Oma auf dem Beifahrersitz sitzen, angegurtet oder nicht ist in diesem Falle ziemlich egal, und den „lieben Sohn“ oder die „süße kleine Enkelin“ auf dem Schoß zu sitzen haben, damit der Nachwuchs die Fahrt verbessert durch gute Rundumsicht auch recht genießen kann.

Daß Mutti oder Oma dabei ihre hoffnungsvollen Sprößlinge unfreiwillig dazu nutzen die oft überalterten  Autos russischer Bauart, aber nicht nur die, auch moderne Autos westlicher Fertigung, nachträglich mit „einem unfreiwilligen Airbag oder einem unfreiwilligen Zusatzairbag nachzurüsten“, das erschließt sich diesen Leuten wohl nicht. Entweder wissen sie nicht daß gerade der Beifahrersitz der besonders gefährdete Sitz in Autos ist, oder sie ignorieren einfach die Gefahr in die sie ihre Kinder und Enkel bringen wenn die nicht fachgerecht gesichert im Auto angegurtet mitfahren.

Meine Enkelin sträubte sich anfangs auch gegen den Kindersitz und das Angurten, aber seitdem sie weiß daß Rennfahrer sich auch angurten, seitdem bewirkt der Hinweis auf Michael Schumacher Wunder. Ohne Murren erklettert sie den Kindersitz und „macht den Schumacher“ und weist den Opa darauf hin auch „den Schumacher“ zu machen.

Der Rest ist schnell erzählt. Ein Rettungssanitäter stützte mich, während ich mittels Krücken – die ich aus Deutschland zu gänzlich anderen Zwecken mitgebracht und im Kofferraum dabei hatte – zum Rettungswagen humpelte. Mein rechtes Bein wurde provisorisch geschient und auf ging es mit Blaulicht und Martinshorn ins Krankenhaus Nummer 6 der Stadt Tver. Dort ab in die Notaufnahme, dann Röntgen, eben das ganze Programm, gekrönt vom Eingipsen. Zwar wollte man mich da behalten, aber ich winkte ab, ein Fehler wie sich bald herausstellen sollte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Blick aus dem Rettungswagen auf der Fahrt nach Moskau

Blick aus dem Rettungswagen

Dann Anruf beim ADAC in München. Ich bin nicht nur Mitglied des ADAC, sondern habe auch den Auslandsschutzbrief des ADAC, eine durchaus lohnende Geldanlage wie sich jetzt herausstellte. Mit Hilfe des ADAC, der den ganzen Transport sehr professionell organisierte, wurde ich am 5. August 2011 mittels russischem Rettungswagen von Tver zum Moskauer Flughafen Domodedovo verfrachtet wobei sich mein Rettungswagenfahrer an einen mit Blaulicht vorbeifahrende Polizeiwagen hängte und so die Fahrtzeit verkürzte.

Gut verpflegt geht es nach BerlinMit der Lufthansa ging es nach Berlin Tegel wo mich der Arbeiter-Samariter-Bund erwartete. Fahrt über die Autobahn und rund 2 Stunden später war ich zurück in Leipzig.

Was habe ich aus der Sache gelernt?

  • Erstens, das russische Motto „Gib die Straße für Raser frei“ hilft jedenfalls dann nicht, wenn der Raser auf Dich zukommt.
  • Zweitens: Der Sicherheitsgurt ist kein „Spaßartikel“ und ist auch dann anzulegen wenn man mal wieder „wenig Zeit“ hat.
  • Drittens: Ins „Reich des Bösen“ und auch in das sonstige Ausland nicht ohne Auslandsschutzbrief des ADAC.
  • Viertens: Nach Russland mit einem Kleinwagen? Wer es mag, bitte sehr, ich fahre da aber nur Geländewagen oder Autos der Marke Saab oder Volvo.
  • Fünftens: Eine Unfallversicherung hätte ich vorher abschließen sollen. Hinterher ist man schlauer.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei all den Leuten in Russland und Deutschland, die mir geholfen haben, als da wären zu nennen:

  • Die Mitarbeiter des MCHS Russlands die mich aus meinem Auto holten;
  • Die Polizisten der Verkehrspolizei die die Unfallstelle absicherten und die, die am nächsten Tag zwecks Aufnahme des Protokolls zu mir kamen ;
  • Die Mitarbeiter des russischen Krankenhauses Nummer 6 in Tver die sich rührend um mich und mein geschundenes Bein gekümmert haben und alles taten was in ihrer Macht stand;
  • Die Mitarbeiter des ADAC die meine Rückholung organisiert haben;
  • Die russischen Rettungssanitäter die mich nach Domodedovo transportierten;
  • Die Mitarbeiter des russischen Zolls und der Passkontrolle am Flughafen Domodedovo, die alles unbürokratisch abwickelten und die mir versicherten „daß nicht alle so fahren in Rußland“ und mich baten „ich möge das Land in guter Erinnerung behalten und wiederkommen“;
  • Die Mitarbeiter der Flughafenklinik Domodedovo die mich schließlich bis zum Flugzeug brachten;
  • Die Mitarbeiter der Lufthansa die sich sowohl im Wartebereich in Domodedovo als auch an Bord aufmerksam um mich kümmerten;
  • Die Sanitäter des Arbeiter-Samariter-Bundes die mich nach Leipzig brachten und nicht zu vergessen natürlich
  • meine Lieben in Tver, meine Liebste die nach kurz zuvor erfolgter Entlassung aus dem Krankenhaus Nummer 4 selbst an Krücken ging und trotzdem kochte, backte, briet und was sonst so nötig war, unser Sohn, der Arbeit, Einkaufen, Wohnung saubermachen und sein Break-Dance Training irgendwie so arrangierte, daß niemand zu kurz kam, unsere Tochter, die das Abschleppen sofort organisierte und alle Behördengänge erledigte und all meinen russischen und deutschen Freunden die mir jeden Wunsch von den Lippen ablesen und alles tun um meine Lage zu erleichtern.

Nachtrag:

Das junge Mädchen verstarb am Tag nach dem Unfall im Krankenhaus, ein Schicksal das der angelegte Gurt vielleicht hätte abwenden können.

Wenn ich wieder per Auto „gen Osten“ unterwegs sein werde, dann mit dem? Oder mit dem ? Oder gar mit dem? Vielleicht doch eher wieder mit einem Explorer? Mit dem auf keinen Fall. Vielleicht mit dem. Oder vielleicht gleich was Richtiges um im Zweifel den Unfallort als „Sieger“ zu verlassen.

Die lange „Kinoversion“ für den der mehr zum Ganzen wissen will findet sich hier.

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