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Archive for the ‘Sowjetunion’ Category

Habe beim „Aufräumen“ einen meiner ersten Blog „wiedergefunden“ im Netz. Ganz gut schon, aber ich merke, heute schreibe ich anders. Egal, wer den Blog nicht kennt,

hier ist er.

Viel Spass

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Das Jahr ist fast um und ich bin unterwegs ins „Reich des Bösen“ wie mal jemand Russland genannt hat. Na ja, ich denke anders darüber aber das wissen meine Leser ja längst.

Was hat das Jahr gebracht? Eine Bewertung will ich nicht vornehmen an dieser Stelle. Einen Jahresrückblick gibt es im Januar wenn wir alle Feste hinter uns haben:

  • 24 – 26. Dezember 2010 Weihnachtsfest nach westlichem Ritus,
  • 31. Dezember / 1. Januar 2011 (ich befürchte auch der 2. Januar 2011) der Jahreswechsel,
  • 7. Januar 2011 (???) orthodoxe Weihnachten,
  • 14. Januar 2011 „altes Neujahr“,
  • 19. Januar 2011 Taufe Christi,

und damit ist der Monat fast rum.

Ich möchte mich nur bei allen meinen Lesern bedanken, für die treue Leserschaft auch wenn der Blog oft „stillstand“.

Für die Anregungen und die Kommentare. Bleibt mir nur noch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr zu wünschen, oder wie man in Russland sagt:

С Рождеством Христовым и С Новым годом

Power to "Dedushka Moroz"

Power to "Dedushka Moroz"

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Lang ist es her. Gestern habe ich mal wieder meinen Blog inspiziert und da fiel es mir auf, früher war nicht nur alles besser … und einen Kaiser hatten wir auch noch … nein, früher war ich mehr dran an Rußland. Ok, ich bin jetzt seit einiger Zeit mal wieder in Deutschland und bekomme den hiesigen Regierungszirkus mit, der sich in Vielem gar nicht so sehr von der russischen Variante unterscheidet.

Nur „hängt man dem Publikum dort keine Nudeln auf die Ohren“, ein russischer Ausdruck für das was wir mit „Vorspiegeln falscher Tatsachen“ oder „Märchen erzählen“ umschreiben würden, sondern man sagt ganz klar „gelenkte Demokratie“ und Basta.Im Gegensatz dazu wird dem Souverän hier der Eindruck vermittelt er könne etwas bewegen um gleich am Tag nach der Wahl eben die Versprechen zu beerdigen, die man kurz zuvor noch vollmundig von jedem Wahlplakat verkündet bekam. Wer da nun der Ehrlichere ist, will ich mal offen lassen.

Gut, aber das war nicht das eigentliche Anliegen dieses Artikels. Vielmehr geht es mir um mein „Kleines russisches Tagebuch„, das immer noch in den unendlichen Weiten des Internets sein Dasein fristet. Bei der Durchsicht kamen mir viele „Ach-Ja“-Gedanken, das eine oder andere was dort steht hat auch heute noch seine Berechtigung und ist einen Blick wert. Lang, lang ist es eben schon her.

Also, warum nicht mal reinschauen? Viel Spass beim Lesen.

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„Watt den enen sin Uhl ist den andern sin Nachtigall“, sagte schon immer meine Oma, Gott hab sie selig. Und was den Deutschen der Muttertag, das ist den Russinnen, Ukrainerinnen und Bewohnerinnen der anderen ehemaligen Republiken der Sowjetunion der „Internationale Frauentag“. Der Tag, der einer Ansicht nach von Clara Zetkin seinerzeit propagiert wurde, wird weiterhin in den Nachfolgestaaten der UdSSR, also auch in der Ukraine gefeiert. Und das sieht dann wie folgt aus. Was den Herren der Schöpfung das Geschenkset „SOS“ – (Socken, Oberhemd und Schlips) ist, das sind die klassischen Geschenke zum Frauentag, Blumen, Duftwässerchen und Konfekt. Mit letzteren dürfte man aber nur dann Erfolg haben wenn das Geschenk nicht gerade mit den Worten „Meinem Pummelchen“ überreicht wird. Anderefalls gibt es „Abzüge in der Haltungsnote“.
In den Straßen sieht man Männer mit Blumensträußen, gegen Mittag gesellen sich Frauen, ebenfalls mit Blumensträußen, hinzu. Letztere tragen das nach hause, was die Männer vorher angeschleppt haben. Und manch eine Frau hat da soviel zu tragen, daß sie sich bequem mit all dem Grün tarnen könnte, wenn die Tarnung in einem Tulpen-, Nelken- oder Rosenfeld erfolgen müßte. Interessant ist an solch einem Tag der Blick in das Büro von Frauen die leitende Positionen einnehmen. Am Umfang der Blumenlieferungen läßt sich ablesen welchen Stellenwert die so Geehrte in ihrer Umgebung einnimmt. Ab Mittag ist niemand mehr erreichbar in den Firmen und die Belegschaften begehen schon mal den Frauentag. Manchmal hat man allerdings den Eindruck als ob es nicht Frauentag ist, sondern Männertag.

Als Ausgleich für die Beschwernisse eines Feiertages der auf ein Wochenende fällt, wird dann am Montag auch nicht gearbeitet. Ja, man hat es nicht leicht mit all dem Feiern nachzukommen. Heute ist übrigens auch noch das Ende der Maslenitsa, der Woche mit der die vorösterliche Fastenzeit eingeleitet wird. Und das heißt? … richtig, ein wenig feiern ist angesagt.

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Heute vor 55 Jahren um 9.50 Uhr Moskauer Zeit verstarb der seinerzeitige Führer des Landes, Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili, besser bekannt unter dem Namen Stalin. Sein Tod war der Anfang vom Ende der 30-jährigen Herrschaft des absoluten Schreckens in der damaligen Sowjetunion, eine Zeit in der auch die Hungersnot in der Ukraine und anderen Gebieten der Sowjetunion fällt. Für viele damalige Sowjetbürger war der Tod Stalins ein einschneidendes Ereignis. Während viele Bürger den Tod des „Großen Führers“ und „Vaters der Nationen“ betrauerten, kamen andere in der folgenden Zeit aus den berüchtigten GULAG Lagern frei.

Glasnost hält Einzug in die Amtsstuben. Wenn es nach Michael S. Gorbatchev gegangen wäre, dann wäre diese Glasnost vielleicht schon früher eingetroffen, wer weiß. Aber so kommt sie eben jetzt, spät, aber nicht zu spät. Auf Entschluß des Stadtparlaments der Stadt Tyumen in Westsibirien wurde in zwei Etagen des Rathauses gläserne Türen in die Zimmer der Sachbearbeiter der Stadtverwaltung eingebaut. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung fühlen sich momentan „wie Fische im Aquarium“, wie eine der Angestellten im Fernsehen sagte. Bürger begrüßten die Maßnahme, die schon zu ersten Resultaten geführt hat. Wenn man den Aussagen des Fernsehberichts im Ersten Programm des russischen Fernsehens Glauben schenken darf, dann wurden die Schlangen vor den Amtsstuben erheblich kürzer. Vielleicht auch eine Idee für deutsche Amtsstuben – sofern noch nicht vorhanden?

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Heute wird der Tag der Verteidiger des Vaterlandes gefeiert. Der Tag, der aus dem Tag der Roten Armee hervorging, ist heute wohl die russische Version des Vatertages. Er geht auf die erste Rekrutierung von Soldaten der Roten Armee 1918 in Moskau und Petrograd – heute wieder St. Petersburg – zurück.

An diesem Tag erhalten die Männer kleine Geschenke von ihren Lieben, der Tisch wird gedeckt und es wird – wieder einmal – gefeiert. Die Männer ihrerseits revanchieren sich dafür am 8. März, dem international Frauentag, an dem in Rußland und auch in der Ukraine der Blumenhandel floriert. Das Fernsehen sendet ein nicht enden wollendes Konzert. Alles in allem ein ganz netter Tag. Fällt der 23. Februar auf einen Arbeitstag, dann kann man getrost vergessen in einer russischen Firma etwas oder jemanden erreichen zu wollen.

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Heute , am 13. Februar 2008, geht es wieder auf die Krim. Das Prozedere ist hinreichend bekannt, Flughafen Kiew Borispol ist das Ziel, hier Terminal A. Das Taxi, ein ukrainischer Nachbau eines koreanischen Wagens, wartet auf mich. Der Fahrer liest ein dickes Buch und legt es zur Seite als ich mich nähere. So, die Sachen auf die Rückbank, heute nur eine kleine Tasche und ein Rucksack. Ich steige ein, es geht los. Unterwegs kommen wir ins Gespräch, der Fahrer, ein Mann von vielleicht fünfzig Jahren, und ich.
Ein Geschichtsbuch sei es was er da lese. Ja, ein Geschichtsbuch, bei ihm dem Taxifahrer. Er sei zwar Fahrer aber das sei nicht immer so gewesen und geistig degeneriert sei er auf keinen Fall. Geschichte habe ihn schon immer fasziniert, schon zu Sowjetzeiten. Klar, daß die Geschichte zu der Zeit geschrieben wurde wie es eben opportun gewesen sei, versichert er mir. Heute sei es auch nicht besser, der Auftraggeber bestimme wie Geschichte zu sein habe. Das Geschichtsbuch, das u.a. die Ahnenhistorie der Familie Romanow enthält, habe er von einem Fahrgast der zum Petrovka-Buchmarkt gefahren werden wollte. Geld für die Taxifahrt hatte der zwar keines wie sich am Ende der Fahrt herausstellte, dafür aber eben das Geschichtsbuch.

Die jungen Leute von heute würden sich ja kaum noch für etwas interessieren, und für Geschichte ganz zuletzt. Aber wer die Geschichte nicht kenne, der sei dazu verdammt sie im Zweifel zu wiederholen, versichert er mir und trifft damit voll meine Meinung. Selbst den Beginn des 2. Weltkrieges könnten sie nicht mehr richtig benennen. Kurze Frage am Rande :

Wann begann der 2. Weltkrieg?

1. Am 22. Juni 1941

2. Am 1. September 1939

3. Am 28. Juli 1914

Na? Richtig geraten ? Hier die Antwort. Ob ich denn wisse wann der Zweite Weltkrieg begonnen habe, will er wissen. Kurz nachdenken, er baut mir eine Brücke, er will den Beginn von WW2 wissen, nicht den Beginn des Großen Vaterländischen Krieges. No Prob, 1. September 1939. Abgesichert durch den Molotow-Ribbentropp-Pakt erfolgt der deutsche Angriff auf Polen mit dem Vorfall um den Sender Gleiwitz und den Beschuss der Danziger Westerplatte durch das deutsche Linienschiff „Schleswig-Holstein“. Ich steige in seiner Achtung. Es macht richtig Spaß sich mit ihm zu unterhalten, schon lange kein so intensives Gespräch mehr geführt. Wir unterhalten uns über Geschichte während wir durch Kiew fahren. Wir erwähnen die Fakten in unserer Diskussion nur kurz, wir beide kennen die Details, lange Ausführungen sind nicht nötig. Die Kiewer Rus, Jaroslav der Weise, die Schlacht Alexander Newskis gegen die deutschen Ordensritter, der Einfall der Mongolen-Tataren, die Eroberung Kiews unter Khan Batuy 1240. All das wird in Windeseile durchgekaut und fast entsteht ein Wettbewerb wer die Geschichte besser kennt.
Ivan der Schreckliche folgt, die Zeit der Wirren, die Romanovs, Peter der Große, Katharina die Große, all das in rasender Geschwindigkeit. Und dazu jeweils die Frage nach den modernen Parallelen. Die Zeit der Wirren, die Februar Revolution unter Kerenski, der Umsturz durch die Bolschewiki, die Ära Jelzin werden verglichen. So hätten wir wohl problemlos bis Lvov im Westen oder Lugansk im Osten fahren können und der Gesprächsstoff wäre uns nicht ausgegangen.

Aber dann kommt das Standardthema wieder das immer wieder über kurz oder lang diskutiert werden wird wo Menschen aus der Ukraine oder Rußland und Menschen aus Deutschland aufeinander treffen, WW2 und der deutsche Angriff auf die UdSSR am 22. Juni 1941. Und dann höre ich Argumente die der oberflächliche Betrachter vielleicht nicht vermuten würde, die ich im Verlauf der Jahre aber schon oft an verschiedenen Orten der ehemaligen UdSSR gehört habe. Das Hauptargument „Hätte die deutsche Führung keine Übergriffe auf die Zivilbevölkerung vornehmen lassen, Kiew wäre heute deutsch regiert.“ „Die deutschen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung haben diese Bevölkerung in die Arme Stalins und der Partisanen getrieben“, meint er. Er vergleicht den Einfall der Deutschen mit dem Einfall der Mongolen-Tataren und der Pax Mongolica, ein interessanter Gedanke. Wenngleich ich mir trotz aller stalinistischen Gräuel eine Herrschaft der Nationalsozialisten in den besetzten Gebieten nicht vorstellen will. Unterdessen haben wir die Autobahn nach Borispol verlassen und sind auf die Zufahrtsstraße zum Flugplatz eingebogen.

Und in diesem Moment passiert es. Als wir mutterseelenallein die Zufahrtsstraße entlangfahren und uns dem Parkplatz nähern, da winkt und ein Militsionär mittels Anhaltestab an den Straßenrand. Und was jetzt kommt bitte nicht nachmachen, weder in Kiew noch sonst wo im Ausland, das kann nämlich auch ins Auge gehen … fällt mir hinterher ein.

Wie ein ertapptes Kind steigt mein Fahrer aus und geht auf den Militsionär zu. Es entspinnt sich eine Unterhaltung in deren Verlauf der Vertreter der rechtswahrenden Organe auf seinem Standpunkt zu beharren scheint. „DAI“ – staatliche Autoinspektion – heißt die Verkehrspolizei hier, mit der ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht habe. „Dai“ heißt aber auch das russische Wort für „Gib“ und die Mitarbeiter der DAI sind leider für ihr einnehmendes Wesen allzu bekannt. Der Fahrer tut mir leid, erstens wird er eine Strafe, berechtigt oder nicht, aus eigener Tasche zahlen müssen, zweitens habe ich keine Lust hier zu übernachten und drittens … gelüstet es mich ein wenig zu streiten.

Ich steige aus und schnauze den Polizisten auf russisch an was der Zirkus hier solle. Verblüfft dreht sich der Militsionär um, der sich nun zwei Personen gegenüber sieht, und schaut mich an. „Wer ich denn nun wieder sei“, will er wissen. Ich gehe nicht auf die Frage ein sondern frage in „freundlichem Deutsch“ eines Uffzs der Bundeswehr wer er denn sei und ob er nicht wisse daß er sich mit Name und Dienstgrad vorzustellen habe. Solch ein Disput kann ins Auge gehen. Ich füge in gleicher Freundlichkeit hinzu daß ich auf Einladung der Regierung hier arbeite und keine Zeit für seine Sperenzchen habe.

Das Überraschungsmoment ist auf meiner Seite. Er hebt die Hand zum Gruß an die Mütze und murmelt irgendwas, worauf ich ihn anbelle ob das auch etwas lauter gehe. „So, nun will ich wissen um was es hier gehe, wir würden die Sache an Ort und Stelle regeln.“ Er will nicht mit der Sprache heraus. Ich wiederhole nochmals nachdrücklich daß ich es eilig hätte. Wann mein Flugzeug denn ginge will er wissen. „Bald“, antworte ich. „Wie bald?“, fragt er zurück. Das gehe ihn nichts an. Ob wir nun weiter könnten ? Der Hüter der Ordnung will noch nicht von seinem Opfer lassen. „Hier, meine Karte.“, sage ich zum Fahrer und reiche ihm meine Karte. „Falls Probleme vor Gericht auftreten würde ich ihm gern als Zeuge zur Seite stehen.“ Ich könne kein Zeuge sein, beharrt die Obrigkeit. Ich erwidere nochmals ob er Probleme mit dem Gehör hätte, ich sei im Auftrag eines Ministeriums unterwegs, was halbwegs stimmt. Sollte ich durch seine Handlung meinen Flug verpassen, dann würde er, Herr Obrigkeit, von mir anderorts hören. Vorsichtshalber zücke ich den Stift um mir die Dienstnummer auf der Dienstplakette zu notieren. Und falls wir hier nicht baldigst wegkämen, würde ich auch allzu gern einmal das „Vertrauenstelefon“ des Innenministeriums anrufen, da hätte ich keine Bedenken. Abschließend teile ich ihm mit, daß ich ihm gern einmal eine Vorlesung in allgemeinem Polizei- und Ordnungsrecht sowie im Strafprozessrecht der Ukraine halten würde und biete ihm ebenfalls meine Karte an. Das sitzt. Die Obrigkeit läßt – jedenfalls für den Moment von uns ab. Beim Einsteigen zischelt die Obrigkeit dem Taxifahrer noch zu, daß man sich bei der Ausfahrt aus dem Flughafen spätestens wiedersehen werde.

Am Terminal angekommen lasse ich mir noch die Telefonnummer und den Namen des Fahrers geben. Hoffentlich landet mein Taxi-Obolus nicht bei Herrn Obrigkeit.

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