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Posts Tagged ‘Überraschungsei’

Über das Einkaufen in Russland habe ich schon desöfteren geschrieben. Das traditionelle Einkaufen in Läden alter Prägung, die man heute in größeren Städten nur noch selten findet, geht wie folgt vor sich:

Man geht zum Tresen, sagt der Verkäuferin was man benötigt, die holt die Ware, wiegt sie ggf. ab und nennt den Preis. Den schreibt man sich auf ein kleines Stück Papier das man meist in einem Zettelkasten findet. Hat man alles zusammen – zumindest in dieser Abteilung – geht man entweder in eine andere Abteilung wo sich das Spiel wiederholt, oder man geht zur Kasse.Abakus, Russian computer

Dort sagt man erst aus welcher Abteilung man kommt und liest dann die Preise vor, die die Kassierin dann in  die Kasse eintippt. Mit dem Bon geht man zurück zur Verkäuferin, die prüft alles und gibt einem dann die Waren. Soweit, so gut. Mittlerweile gibt es aber zumindest in den größeren Städten Läden westlicher Prägung mit Einkaufswagen und das Prozedere folgt dem auch bei uns bekannten Muster.

Im Supermarkt meines geringsten Mißtrauens habe ich mich mittlerweile in die Feinheiten des russischen Einkaufs eingearbeitet.

Da ist zunächst die Krux mit der Packungsgröße. Früher habe ich frohgemut alles in den Einkaufswagen gelegt. Heute schaue ich zunächst einmal auf die Angabe der Packungsgröße. Packungen denen man gut und gern einen Inhalt von einem Liter zutraut erweisen sich in der Praxis als 950 Mililiter-Packungen, so z.B. bei Milch und Fruchtsaft. Wie allgemein bekannt, macht Kleinvieh ja auch Mist. Hier 50 Mililiter weniger und dort 30 Gramm weniger … Wer denkt „typisch Russland, eben Betrüger und Mafiosi“, dem sei ein Blick auf die Verhältnisse in Deutschland ans Herz gelegt. Da sieht es nämlich auch nicht rosiger aus.

Immer wieder aber schaue ich in die Regale um Neues zu entdecken und ab und zu gelingt das auch. Da gab es schon Wodka im aluversiegelten Plastikbecher für die denen das Aufschrauben einer Flasche zu langatmig war. Mittlerweile sind solche Eskapaden Teil der Vergangenheit. Aber das findige russische Unternehmertum erschließt immer wieder Marktlücken die es zu stopfen gilt.

Gab es schon vor langen Jahren die Überraschungseier einer bekannten Marke, so gibt es jetzt das „spezielle Überraschungsei der russischen Art“. Damit ist nicht die russische Firma gemeint, die eine russische Variante des westlichen Überraschungseis auf den Markt bringt. Handgranatenattrappe für die lieben KleinenGemeint ist eine Fabrik die die Bonbons den kleinen Kunden in der Verpackungsform einer Handgranate anbietet. Das Wunderwerk ist für rund zwei Euro zu haben und beinhaltet neben Süßigkeiten auch einen Spielzeugsoldaten zum Zusammensetzen für den Nachwuchs. Das Erzeugnis nennt sich „SpezNas“, was soviel wie „Spezialtruppe“ bedeutet.

Nun ist das Verhältnis der Bevölkerung zur Armee hier ein ganz anderes als in Deutschland. Zahlreiche Ehrentage für die Angehörigen der Streitkräfte, so der Tag der Luftlandetruppen z.B. der im August begangen wird, gehören zum normalen Alltag. Auch öffentliche Paraden werden ohne die in Deutschland gewohnte Scheu veranstaltet.

Aber ob man deswegen auch gleich Handgranatenattrappen im Supermarkt verkaufen muß die jeden Flughafen innerhalb von Minuten zum Chaoshaufen werden lassen können? Ich habe da meine Zweifel.

P.S. Es gibt zumindest in der ukrainischen Hauptstadt Kiew auch Salzstreuer in Handgranatenform im Angebot, aus denen man, nach „Abzug des Sicherungsstiftes“ Salz streuen kann, wirklich sehr sehr komisch, oder nicht?Salzstreuer-Handgranate aus Kiew

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