Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Ukraine’

Manchmal ist es ganz gut wenn man den Rechner aufräumt. Und sei es auch nur weil man dauernd die Meldung „Ihre Platte ist bald voll“ bekommt.

 

Den nachfolgenden Text habe ich beim Aufräumen gefunden. Er stammt aus dem Jahr 2001 als ich in der Ukraine in einem Projekt der EU gearbeitet habe. Er ist aber wohl immer noch aktuell was Hotels in den Regionen angeht. Und nun, viel Spaß beim Lesen.

 

Das war sie nun, die Fahrt nach Ternopil.

 

Die Frage „Wer will nach Ternopil?“ wurde wohl nicht mit allzu großer Begeisterung aufgenommen. Nur so ist  es zu erklären, dass wir das 4-Mann-Abteil für uns zwei haben als der Zug am Abend Kiev Richtung Lvov verlässt. Die Sterne sind vom Bahnsteig aus noch gut zu sehen. Das lässt nichts Gutes erwarten was die Temperaturen in dieser Nacht anbelangen wird. Die Jungs von der Wehrmacht in ihrer schnittigen Sommeruniform fallen mir wieder ein. Kein Zug, kein Haus, aber Sterne massenhaft, muß gemütlich gewesen sein.

 

Die Zugbegleitung, eine kleine eher rundliche Frau undefinierbaren Alters, erscheint und die Bettwäsche wird bezahlt, 2 DM pro Mann und Nase. Auf die erbetene Quittung warten wir bis zum Ende der Reise vergeblich. Die überzählige Bettwäsche sammelt sie wieder ein. Ihr Ukrainisch kann ich ahnen aber nicht völlig verstehen, macht nichts, in diesem Jahr wollte ich sowieso einen Ukrainisch-Crashkurs besuchen.

 

Tee und Kaffee gibt es auch, wer will, zu beziehen über Misses Rundlich. Waren in den früheren sowjetischen Staatsbahnen hübsche Teegläser anzutreffen mit Metalleinfassungen auf denen der Arbeiter und die Kolchosbäuerin um die Wette grinsten, oder der ruhmreiche Sputnik den von Hammer und Sichel umkränzten Erdball umrundete, so sind diese Gläser heute nur noch auf dem Flohmarkt für Touristen anzutreffen .. wahlweise in Kiev oder selbst in Berlin.

 

Unser Tee kommt in zwei Tassen daher, die auch schon mal bessere Zeiten gesehen haben könnten, einheimisches Steingut mit dem Charme sowjetischer Erzeugnisse und meine noch dazu angeschlagen. Fröhliches Grau steht auf dem bald schon im Schienentakt schaukelnden Tischchen. Es soll ja nicht auf ewig sein.

 

Der Zug verlässt den Bahnhof, los geht’s nach Westen, nur keine voreiligen Schlüsse. Bald hat uns das „Dumm-Dumm“ der Schienen auf die weitere Fahrt eingestimmt. Dania beginnt ihre Hausaufgaben in Deutsch zu machen und ich komme endlich dazu ein paar längst überfällige Schriftstücke zu lesen im Schein der matt dahindämmernden Wandbeleuchtung. Im Verlauf der Fahrt soll diese Beleuchtung mal schwächer mal stärker leuchten. Wer weiß wie ein Fahrraddynamo arbeitet weiß auch warum das Licht schwankt. Der ICE Berlin-Stuttgart fällt mir ein, warum nur?

 

Der Zug schaukelt und ächzt und erzählt so von besseren Zeiten, Zeiten in denen er und die Schienen noch ohne Reparatur auskamen, lang ist es her.  Mein Ibook ist das hellste im Abteil, der Bildschirm leuchtet schneeweiß, genau das Schneeweiß, das die Bettwäsche vermissen lässt. Auch hier bestimmt fröhliches Grau die Bühne. Wir machen es uns gemütlich, Kekse, Tee, was will man mehr? Ein bisschen Heizung wäre nicht schlecht. Heizung, so erfahren wir, gibt es nur auch den Langstreckenzügen, Kiev-Ternopil ist Kurzstrecke. Das Abteil ist nicht Kalt, aber eben auch nicht übermäßig überheizt. Schön, dass ich dicke Wollsocken trage.

 

Wir bauen die Betten. Eine Matraze wird aufgelegt, darüber das erwähnte Laken mit der Herausforderung für Ariel, dann wieder ein Laken und zum Schluß eine Decke die im Sommer gute Dienste leisten würde … und wir sind im Winter. Das Kopfkissen wird noch mit einem Überzug versehen und schon kann man sich zur Nacht betten. Wenn, ja wenn es nicht so vom Fenster ziehen würde. Vielleicht bei der Heimfahrt mit dem Kopf zur Tür schlafen ? Schauen wir mal.

 

Der Morgen kommt und mit ihm Frau Rundlich. Licht an, Ternopil liegt noch eine halbe  Stunde vor uns. „Ob wir die Fahrkarten wieder haben wollen“ fragt sie. Und ob, meine Buchhalterin wird sonst sauer und die 126 Hrivna sind perdu und das wollen wir doch nicht.

 

Ternopil wird erreicht. Es ist noch dunkel. Auf dem Bahnsteig steht schon jemand der uns ein Taxi anbietet. Auf zum Hotel „Ternopil“ das die Kollegen vom hiesigen deutschen Projekt vorab gebucht haben. Die Buchung auf meinen Namen ist nicht auffindbar, macht nichts. Wir füllen die Anmeldeformulare aus, raten wir wieder mal Ukrainisch. Geschafft. Zimmer 330 empfängt uns mit der aus dem Zug bekannten Kühle. Nach einer halben Stunde ist klar was los ist, das Außenfenster steht offen. Jemand hat irrtümlich den Sommer erwartet … im Januar.

 

Die Ausstattung ? Kein Telefon wird uns stören, auch das Zimmerradio wird uns nicht tot Brüllen. Das Telefon ist einfach nicht vorhanden und das Kabelradio tut es einfach nicht mehr, soll sein. Zwei Betten stehen längs der Wand. So kommen unzüchtige Ideen einfach erst gar nicht auf. Die Toilette gekoppelt mit dem Bad empfängt mich. Eine Sammlung verschiedenster Kacheln in Braun und beige ist irgendwie an die Wand gebracht worden. Der Wasserhahn versorgt gleichzeitig die Dusche und das grüne Waschbecken. Die Heizung … warum ist die überhaupt hier ? … hat auch schon mal bessere Zeiten gesehen. Wo das Heizungsrohr durchgerostet ist hat man ein Stück Autoreifen aufgelebt und das ganze mit einer Schlauchschelle zusammengezurrt. Damit es nicht gleich ins Auge springt ist das ganze mit weißer Farbe übermalt. Wieder was gelernt. Den letzten Überfall mit Farbe … gemeinhin Anstreichen genannt … hat die Toilettentür glorreich abgewehrt, die Farbe bröckelt ab.

Read Full Post »

Habe beim „Aufräumen“ einen meiner ersten Blog „wiedergefunden“ im Netz. Ganz gut schon, aber ich merke, heute schreibe ich anders. Egal, wer den Blog nicht kennt,

hier ist er.

Viel Spass

Read Full Post »

Wir erinnern uns, am 10. Februar bin ich auf die Krim geflogen um ein Basis EDV Training für Mitarbeiter von Berufsschulen und der regionalen Berufsbildungsverwaltung zu eröffnen und eine Vorlesung über EDV Nutzung im Westen zu halten. Der Flug war suboptimal und die anschließende Bewirtung im Hotel zu später Stunde beinhaltete ebenfalls ein erhebliches Verbesserungspotential.

Heute, am 13. Februar sollte alles anders werden. Ich war gewappnet. Unterwegs zum Flughafen hatte ich noch eine kleinere Debatte mit einem Mitarbeiter der Rechtswahrenden Organe, die damit endete dass mich „Herr Obrigkeit“ mit meinem Taxifahrer mürrisch maulend von dannen ziehen ließ. Der Beginn ließ sich also nicht schlecht an, zumindest für mich. An Terminal A in Borispol angekommen, fand ich schnell meine Mitarbeiterin Tatyana, die mit mir auf die Krim fliegen sollte. tatyanaundolgainsimferopol.jpgIhre Aufgabe, Training der Nutzung unseres neu entwickelten Management Information Systems für berufliche Bildung. Ich hatte die Nutzungsbeschreibung mit, die wir morgen den Trainingsteilnehmern geben würden.

Wissend um die problematische Beinfreiheit in den Sitzreihen der YAK 42 näherten wir uns dem Abfertigungsschalter wo ich schnell noch mein Gepäck aufgeben wollte. „Welche Sitzreihe hätten Sie gern?“, schallte es uns entgegen. „Bitte Reihe 7 oder Reihe 14 wenn möglich.“, antwortete ich weltmännisch, wohl wissend dass sich dort die Notausgänge befinden und man die Beine nicht so anziehen muss, dass man mit den Kniescheiben die Ohren verschließen kann. „Gern, Fensterplatz oder Gangplatz?“, war die Antwort. „Das ist uns ganz egal, Hauptsache Beinfreiheit.“ Ausgerüstet mit den Reihe-14-Bordkarten verließen wir den Schalter. Meine Tasche machte noch einen Bogen auf dem Transportband und schon verschwand sie samt Gepäckaufkleber aus meinem Blickfeld. Sie enthielt neben der gewöhnlichen SOS-Ausrüstung (Socken, Oberhaupt und Schlips) und der Toilettentasche auch noch meine Notration bestehend aus Schnittkäse, etwas Wurstaufschnitt und Brot. Der Notvorrat wurde nötig nachdem ich bei meinem ersten Aufenthalt im Hotel die Erfahrung machen musste, dass der Koch kurz vor meinem Eintreffen wohl fluchtartig das Hotel verlassen hatte und man sich außerstande sah mir wenigstens ein Tüte Kartoffelchips zu veräußern, Der Ausweg? Eine Flasche Obolon-Bier. Das sollte diesmal nicht passieren.

Dann der Aufruf des Fluges, Tatyana und ich passierten die Sicherheitskontrollen ohne weitere Problem, schnell noch ein Cappuccino dann weiter und warten auf das Abreißen der Bordkarte, das Öffnen der Türen, die Busfahrt über das Rollfeld und schließlich das Versinken in einem der Sitze in Reihe 14. Soweit die Theorie, die Praxis hatte leider einige kleine unwesentliche Abweichungen vom Kausalverlauf, wie der Jurist, der ich nun einmal noch immer bin, sagen würde.

Eine Menschenansammlung dort wo die Karten abgerissen werden, Flug um Flug wurde aufgerufen, nur unser um 19.50 Uhr geplanter Flug nicht. Und erstaunlicherweise wiederholte sich bei allen Flügen das gleiche Szenario. Der Flug wird aufgerufen, Passagiere drängen sich mehr oder minder geordnet zum Schalter, die Karten werden abgerissen und die Passagiere verschwinden im bereitstehenden Bus, der dann aber doch nicht abfährt, weil noch der eine oder Passagier fehlt. Wieder und wieder die laut gerufenen Frage „Noch Passagiere für Ivano Frankivsk?“ Dann hektisches Laufen des Personals durch den Saal. „Passagiere für Ivano Frankivsk bitte zum Abflug.“ Nach zehn weiteren Minuten fährt der Bus endlich ab. Bei Flügen nach Odessa und Lviv das gleiche Bild. Und unser Flug ? Er hat Verspätung erfahren wir nun, Abflug um 20.30. Ok, also 20.30 Uhr, soll mir recht sein, Hauptsache Reihe 14 mit der sagenhaften Beinfreiheit. In der Zwischenzeit habe ich einige Landsleute ausfindig gemacht, die ebenfalls auf die Krim wollen. Sie verstehen weder Ukrainisch noch Russisch und so informiere ich sie jeweils was gerade durchgesagt wurde. Wir vertreiben uns die Wartezeit und erzählen uns Erlebnisse die wir bei Reisen ins Ausland hatten. Bei jedem Aufruf eines Fluges sagt einer meiner Kurzfristbekannten dass er da nicht hinwolle. Nach einiger Zeit fügt er hinzu, dass er lieber gleich ganz nach hause, das sich in Emden befindet, wolle. Die beiden, von denen einer, wie sich herausstellt, aus der Schweiz ist, sind in Sachen Schiffbau unterwegs und wollen nach Kertsch, dem Einlass vom Schwarzen Meer zum Asowschen Meer, der in letzter Zeit Berühmtheit dadurch erlangt hat, dass dort ein russischer Tanker strandete und sowohl das linksseitige ukrainische Ufer, als auch das rechtsseitige russische Ufer mit dem auslaufenden Öl verseuchte. Wir zeigen uns gegenseitig die in unseren Reisepässen vorhandenen Visa. Der Schweizer gewinnt, sowohl was die Anzahl der Länder anbelangt, u.a. China, als auch die Exotik der Visa. Ok, ein usbekisches Visum hat er nicht, aber gegen China gebe ich mich geschlagen.

Endlich, auch unser Flug wird aufgerufen, alle streben der Ausgangstür zu wo unsere Bordkarten abgerissen werden. Wir gehen zum Bus. Im Bewusstsein um die Komfortreihe 14 lege ich keine sonderliche Eile an den Tag. Die Bustüren schließen sich, wir fahren los. Auf dem Rollfeld kreuzt ein LkW der LSG Catering, der Lufthansatochter unseren Weg. Ein gutes Zeichen. Vielleicht will uns AEROSVIT für die Verzögerung entschädigen? Vor meinem Auge sehe ich schon das Abendessen serviert von einer netten Stewardess auf einem Platz in Reihe 14.

Wir erreichen das Flugzeug, die Bustüren öffnen sich und wir steigen aus. Ich gehe die Gangway hinauf. Jetzt noch den Mantel ausziehen, sich auf dem Platz mit der Beinfreiheit niederlassen, den iPod anschalten und auf geht’s. Ich passiere Reihe 7, ebenfalls Notausgang mit Beinfreiheit und strebe weiter meinem Platz zu. Und da ist sie, die nette Stewardess. Wahrscheinlich will sie meine Bordkarte sehen, vielleicht geleitet sie mich gar zu meinem Platz wo sie mir noch kurz nachdem ich mich gesetzt habe die Speisekarte reichen wird. Dann haucht sie mir noch „An Ihrer Stelle würde ich die Gänselebertrüffelpastete an Kräuterparfait mit einer Sauce aus karelischen Waldpilzen nehmen. Dazu passt hervorragend ein 75-er Massandra Rose, nicht zu schwer und nicht zu leicht.“, ins Ohr um kurz darauf mit den warmen Erfrischungstüchern zurückzukehren.

Aber meine Träume werden jäh gestört. Sie will nur meine Bordkarte sehen um mir dann kurz und bündig mitzuteilen, dass diese YAK 42 der Donbass Airlines überhaupt keine Reihe 14 habe. reihe14inderyak42.jpgDer Notausgang IST Reihe 14 und die nächste Sitzreihe, die mit der Beinfreiheit ist Nummer fünfzehn und die ist AUSGEBUCHT. Ob ich in der Zwischenzeit in der letzten Sitzreihe Platz nehmen könne, es sei ihr sehr peinlich aber einen besseren Platz habe sie nicht im Moment aber soweit alle an Bord seien werde man sich um einen anderen Platz für mich kümmern. Tatyana mit ihrer Reihe-14-Bordkarte ereilt das gleiche Schicksal. Und so sitzen wir in Reihe zwanzig, neben uns die Turbinen die im Verlauf des Fluges eine weitere Unterhaltung unmöglich machen werden und etwa zwei Meter trennen uns von den Bordtoiletten, na prima, guten Flug allerseits.

Mit ohrenbetäubendem Gebrüll gehen die Turbinen auf Vollast als wir abheben. Die Stewardess kehrt nach 15 Minuten zu uns zurück, man habe einen Platz weiter vorn für einen von uns gefunden. Tatyana und ich haben uns schon so „in unser Refugium verliebt“ dass wir dankend ablehnen. Wenn wir jetzt noch die restlichen 75 Minuten störungsfrei in der Luft bleiben dann ist alles gut. Der Rest des Fluges ist schnell erzählt. Die Gänselebertrüffelpastete an Kräuterparfait mit karelischer Pilzsoße entfällt. Ihre Stelle nimmt das bekannte Bonbon für den Druckausgleich in den Ohren ein und der 75-er Massandra Rose erfährt Ersatz durch ein Mineralwasser ohne Kohlensäure im Plastikbecher der sogleich wieder eingesammelt wird. Das warme Erfrischungstuch zum Säubern der Hände fällt einer Totalrationalisierung zum Opfer. Nach neunzig Minuten Flug verlassen wir das Flugzeug nach der Landung mit einem mittleren Kollateralschaden am Gehörgang.

Dann folgt das übliche „Kohorte wartet auf den Nachzügler Willeke“ im Bus. Unter dem schon bekannten Dach an frischer Luft warten wir auf meine Tasche. Im Gegensatz zum letzten Hinflug erscheint meine Tasche als letzte auf dem Band, muss also unter all den elefantengleichen großen Koffer, Taschen und sonstigem Gepäck gelegen haben. Ich wage mir nicht vorzustellen welche Bauhöhe mein Brot noch hat. Olga wartet diesmal nicht. An ihrer Stelle warten Georgi, der Trainer und unser Fahrer der uns auch beim letzten Mal gefahren hat. Auf der Fahrt überlege ich mir dass ich froh bin überhaupt einen Essensvorrat mitgenommen zu haben. Wahrscheinlich wird er ergänzt durch das schon bekannte Obolon-Bier und das ist ja auch nicht schlecht. Der Koch, der schon beim letzten Mal weg war als ich eintraf wird wohl kaum in Erwartung des verspäteten Fluges eine Ausnahme gemacht haben und auf uns gewartet haben.

Als ich vor Jahren noch bei der AEG in Berlin gearbeitet habe, da hatten wir an der Wand des Kundendienstbüros einen Computerausdruck. Und darauf stand:“ Ängstige Dich nicht und sei froh, denn es könnte alles noch viel schlimmer kommen. Und ich ängstigte mich nicht und war froh und alles kam schlimmer.“ Wir erreichen das Hotel, checken ein und mein erster Weg führt mich Richtung Bar um die begehrte Flasche Bier zu erstehen. Das Mädel, das da auf einem Sofa in der Nähe der Tür zur Bar sitzt erklärt mir auf meine Frage nach dem Erwerb einer Flasche Bier, dass heute nicht nur der Koch das Haus bereits verlassen habe, der Barmann habe es ihm gleichgetan und die Bar sei zu bis morgen früh. Schön dass das Hotel wenigstens eine Flasche lauwarmes Mineralwasser in jedem Gästezimmer kostenlos zur Verfügung stellt. Jetzt heißt es gut einteilen, das Mineralwasser ohne Kohlensäure muss bis morgen früh reichen wenn ich nicht noch Wasser aus dem Hahn trinken will. Und das will ich aufgrund meines reichen Erfahrungsschatzes an „Montezumas Rache im Reich des Zaren“ nicht wagen.

Ich trotte zurück in mein Zimmer und setze mich aufs Bett. Und da passiert es. Wie seinerzeit 1858 eine weiß gekleidete Frau der später heilig gesprochenen Bernadette Soubirous in Lourdes erschien, so habe auch ich eine Erscheinung. In einen gleißenden Lichtbogen gebettet steht sie plötzlich vor mir, sie, die so manchem von uns im Rahmen einer Ziehung schon zu eigen wurde, sie, die wir alle fürchten. Diesmal hat das Schicksal mich auserwählt und ich bekomme sie heute ganz exklusiv, nur für mich.

Die große goldene Arschkarte am Bande mit Eichenlaub und Schwertern. Danke, danke, danke. Das wäre nicht nötig gewesen. Nur eine Frage bleibt, hat die YAK 42 auf dem Rückflug den Notausgang in Reihe 14 oder 15 oder ganz woanders? Wer ganz sicher gehen will sagt einfach:“Geben Sie mir irgendwas zwischen Reihe 12 und Reihe 16, Hauptsache es ist der Notausgang.“ Ach ja, ich vergaß, natürlich sagt Ihr das in Ukrainisch oder Russisch, also, viel Glück.

Read Full Post »

Heute , am 13. Februar 2008, geht es wieder auf die Krim. Das Prozedere ist hinreichend bekannt, Flughafen Kiew Borispol ist das Ziel, hier Terminal A. Das Taxi, ein ukrainischer Nachbau eines koreanischen Wagens, wartet auf mich. Der Fahrer liest ein dickes Buch und legt es zur Seite als ich mich nähere. So, die Sachen auf die Rückbank, heute nur eine kleine Tasche und ein Rucksack. Ich steige ein, es geht los. Unterwegs kommen wir ins Gespräch, der Fahrer, ein Mann von vielleicht fünfzig Jahren, und ich.
Ein Geschichtsbuch sei es was er da lese. Ja, ein Geschichtsbuch, bei ihm dem Taxifahrer. Er sei zwar Fahrer aber das sei nicht immer so gewesen und geistig degeneriert sei er auf keinen Fall. Geschichte habe ihn schon immer fasziniert, schon zu Sowjetzeiten. Klar, daß die Geschichte zu der Zeit geschrieben wurde wie es eben opportun gewesen sei, versichert er mir. Heute sei es auch nicht besser, der Auftraggeber bestimme wie Geschichte zu sein habe. Das Geschichtsbuch, das u.a. die Ahnenhistorie der Familie Romanow enthält, habe er von einem Fahrgast der zum Petrovka-Buchmarkt gefahren werden wollte. Geld für die Taxifahrt hatte der zwar keines wie sich am Ende der Fahrt herausstellte, dafür aber eben das Geschichtsbuch.

Die jungen Leute von heute würden sich ja kaum noch für etwas interessieren, und für Geschichte ganz zuletzt. Aber wer die Geschichte nicht kenne, der sei dazu verdammt sie im Zweifel zu wiederholen, versichert er mir und trifft damit voll meine Meinung. Selbst den Beginn des 2. Weltkrieges könnten sie nicht mehr richtig benennen. Kurze Frage am Rande :

Wann begann der 2. Weltkrieg?

1. Am 22. Juni 1941

2. Am 1. September 1939

3. Am 28. Juli 1914

Na? Richtig geraten ? Hier die Antwort. Ob ich denn wisse wann der Zweite Weltkrieg begonnen habe, will er wissen. Kurz nachdenken, er baut mir eine Brücke, er will den Beginn von WW2 wissen, nicht den Beginn des Großen Vaterländischen Krieges. No Prob, 1. September 1939. Abgesichert durch den Molotow-Ribbentropp-Pakt erfolgt der deutsche Angriff auf Polen mit dem Vorfall um den Sender Gleiwitz und den Beschuss der Danziger Westerplatte durch das deutsche Linienschiff „Schleswig-Holstein“. Ich steige in seiner Achtung. Es macht richtig Spaß sich mit ihm zu unterhalten, schon lange kein so intensives Gespräch mehr geführt. Wir unterhalten uns über Geschichte während wir durch Kiew fahren. Wir erwähnen die Fakten in unserer Diskussion nur kurz, wir beide kennen die Details, lange Ausführungen sind nicht nötig. Die Kiewer Rus, Jaroslav der Weise, die Schlacht Alexander Newskis gegen die deutschen Ordensritter, der Einfall der Mongolen-Tataren, die Eroberung Kiews unter Khan Batuy 1240. All das wird in Windeseile durchgekaut und fast entsteht ein Wettbewerb wer die Geschichte besser kennt.
Ivan der Schreckliche folgt, die Zeit der Wirren, die Romanovs, Peter der Große, Katharina die Große, all das in rasender Geschwindigkeit. Und dazu jeweils die Frage nach den modernen Parallelen. Die Zeit der Wirren, die Februar Revolution unter Kerenski, der Umsturz durch die Bolschewiki, die Ära Jelzin werden verglichen. So hätten wir wohl problemlos bis Lvov im Westen oder Lugansk im Osten fahren können und der Gesprächsstoff wäre uns nicht ausgegangen.

Aber dann kommt das Standardthema wieder das immer wieder über kurz oder lang diskutiert werden wird wo Menschen aus der Ukraine oder Rußland und Menschen aus Deutschland aufeinander treffen, WW2 und der deutsche Angriff auf die UdSSR am 22. Juni 1941. Und dann höre ich Argumente die der oberflächliche Betrachter vielleicht nicht vermuten würde, die ich im Verlauf der Jahre aber schon oft an verschiedenen Orten der ehemaligen UdSSR gehört habe. Das Hauptargument „Hätte die deutsche Führung keine Übergriffe auf die Zivilbevölkerung vornehmen lassen, Kiew wäre heute deutsch regiert.“ „Die deutschen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung haben diese Bevölkerung in die Arme Stalins und der Partisanen getrieben“, meint er. Er vergleicht den Einfall der Deutschen mit dem Einfall der Mongolen-Tataren und der Pax Mongolica, ein interessanter Gedanke. Wenngleich ich mir trotz aller stalinistischen Gräuel eine Herrschaft der Nationalsozialisten in den besetzten Gebieten nicht vorstellen will. Unterdessen haben wir die Autobahn nach Borispol verlassen und sind auf die Zufahrtsstraße zum Flugplatz eingebogen.

Und in diesem Moment passiert es. Als wir mutterseelenallein die Zufahrtsstraße entlangfahren und uns dem Parkplatz nähern, da winkt und ein Militsionär mittels Anhaltestab an den Straßenrand. Und was jetzt kommt bitte nicht nachmachen, weder in Kiew noch sonst wo im Ausland, das kann nämlich auch ins Auge gehen … fällt mir hinterher ein.

Wie ein ertapptes Kind steigt mein Fahrer aus und geht auf den Militsionär zu. Es entspinnt sich eine Unterhaltung in deren Verlauf der Vertreter der rechtswahrenden Organe auf seinem Standpunkt zu beharren scheint. „DAI“ – staatliche Autoinspektion – heißt die Verkehrspolizei hier, mit der ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht habe. „Dai“ heißt aber auch das russische Wort für „Gib“ und die Mitarbeiter der DAI sind leider für ihr einnehmendes Wesen allzu bekannt. Der Fahrer tut mir leid, erstens wird er eine Strafe, berechtigt oder nicht, aus eigener Tasche zahlen müssen, zweitens habe ich keine Lust hier zu übernachten und drittens … gelüstet es mich ein wenig zu streiten.

Ich steige aus und schnauze den Polizisten auf russisch an was der Zirkus hier solle. Verblüfft dreht sich der Militsionär um, der sich nun zwei Personen gegenüber sieht, und schaut mich an. „Wer ich denn nun wieder sei“, will er wissen. Ich gehe nicht auf die Frage ein sondern frage in „freundlichem Deutsch“ eines Uffzs der Bundeswehr wer er denn sei und ob er nicht wisse daß er sich mit Name und Dienstgrad vorzustellen habe. Solch ein Disput kann ins Auge gehen. Ich füge in gleicher Freundlichkeit hinzu daß ich auf Einladung der Regierung hier arbeite und keine Zeit für seine Sperenzchen habe.

Das Überraschungsmoment ist auf meiner Seite. Er hebt die Hand zum Gruß an die Mütze und murmelt irgendwas, worauf ich ihn anbelle ob das auch etwas lauter gehe. „So, nun will ich wissen um was es hier gehe, wir würden die Sache an Ort und Stelle regeln.“ Er will nicht mit der Sprache heraus. Ich wiederhole nochmals nachdrücklich daß ich es eilig hätte. Wann mein Flugzeug denn ginge will er wissen. „Bald“, antworte ich. „Wie bald?“, fragt er zurück. Das gehe ihn nichts an. Ob wir nun weiter könnten ? Der Hüter der Ordnung will noch nicht von seinem Opfer lassen. „Hier, meine Karte.“, sage ich zum Fahrer und reiche ihm meine Karte. „Falls Probleme vor Gericht auftreten würde ich ihm gern als Zeuge zur Seite stehen.“ Ich könne kein Zeuge sein, beharrt die Obrigkeit. Ich erwidere nochmals ob er Probleme mit dem Gehör hätte, ich sei im Auftrag eines Ministeriums unterwegs, was halbwegs stimmt. Sollte ich durch seine Handlung meinen Flug verpassen, dann würde er, Herr Obrigkeit, von mir anderorts hören. Vorsichtshalber zücke ich den Stift um mir die Dienstnummer auf der Dienstplakette zu notieren. Und falls wir hier nicht baldigst wegkämen, würde ich auch allzu gern einmal das „Vertrauenstelefon“ des Innenministeriums anrufen, da hätte ich keine Bedenken. Abschließend teile ich ihm mit, daß ich ihm gern einmal eine Vorlesung in allgemeinem Polizei- und Ordnungsrecht sowie im Strafprozessrecht der Ukraine halten würde und biete ihm ebenfalls meine Karte an. Das sitzt. Die Obrigkeit läßt – jedenfalls für den Moment von uns ab. Beim Einsteigen zischelt die Obrigkeit dem Taxifahrer noch zu, daß man sich bei der Ausfahrt aus dem Flughafen spätestens wiedersehen werde.

Am Terminal angekommen lasse ich mir noch die Telefonnummer und den Namen des Fahrers geben. Hoffentlich landet mein Taxi-Obolus nicht bei Herrn Obrigkeit.

Read Full Post »

Einige von uns werden sich sicher noch n die düsteren Prophezeiungen erinnern die man den Atomkraftgegnern seinerzeit vorhielt. „Atomkraftgegner überwintern bei Dunkelheit mit kaltem Hintern.“

Dieses Schicksal drohte in letzter Zeit zwar nicht den hiesigen Atomkraftgegner, aber der Ukraine zumindest in großen Teilen. Der „freundliche Hinweis“ von Gazprom an die Ukraine daß man wohl mit der Begleichung einiger Außenstände ein wenig im Rückstand sei und man deshalb seitens GAZPROM erwäge der Ukraine das Gas am 12. Februar 2008 beginnend ab 18.00 Uhr Ortszeit abzudrehen, blieb nicht ohne Wirkung.

In letzter Minute konnte das „Ende vons Gas“ abgewendet werden. In einem Gespräch der Präsidenten beider Länder vereinbarten der russische Präsident Putin und der ukrainische Präsident Yushenko in Moskau am gleichen Abend, daß die Begleichung der ukrainischen Außenstände für Gaslieferungen in den Monaten November und Dezember 2007 am Donnerstag, dem 14. Februar 2008 beginnen werde. Zugleich wurde vereinbart, daß eine neue Gesellschaft in der Ukraine gegründet werde, die den Gasimport in die Ukraine organisiert. Anteilseigner sind die russische GAZPROM und die Ukraine zu jeweils 50 %.

Der eine oder andere erinnert sich sicher auch noch an den Hit der Beatles „Hey Mr. Taxman“. In dem Lied zählen die Liverpooler im einzelnen auf was der Herr von der Steuer so alles besteuern wird, bis hin zum Stuhl auf den man sich setzt. Mit der Steuerzahlungsmoral der Russen ist es zwar schon besser geworden, dazu hat nicht zuletzt auch eine Steueramnestie geführt, die es erlaubte vergessenen Beträge„ nachzuzahlen, pauschal 13 % und ohne Nennung des Besteuerungsgrundes. So kam schon einige Rubel wieder in die Staatskasse. Leider hatten diesen Ruf zur Steuerehrlichkeit aber wohl nicht alle vernommen. Insbesondere mit der Zahlungsmoral in Bereich der Kfz-Steuer steht es nicht zum Besten. Das veranlasste die Verkehrspolizei und die Steuerbehörde des Kaliningrader Oblast unlängst zu einer gemeinsamen Aktion. Die mittels Kfz-Zulassungsnummer identifizierten Steuersünder wurden im Rahmen von Verkehrskontrollen nicht nur vom Wachtmeister der Militsia überrascht, überraschender war den Ertappten noch die gleichzeitige Anwesenheit des Herr von der Steuerbehörde. Rund ein Viertel der Kaliningrader Autofahrer, die “vergessen„ hatten die Steuer zu entrichten wurden so zur Kasse gebeten. Das Übel wäre einfach zu beseitigen. Wie auch in Deutschland könnte man Einziehungsaufträge für Bankkonten erteilen … wenn man denn welche hätte. Infolge der seinerzeitigen Geldentwertung des Rubel 1998 und des damaligen Einfrierens von Konten haben große Teile der Bevölkerung bis heute das Vertrauen in Banken immer noch nicht zurückgewonnen. Viele Rubel fristen weiterhin ihr Dasein unter dem russischen Kopfkissen. Nennenswerte Teile des Gehaltes werden auch weiterhin im Umschlag an offiziellen Besteuerungen vorbei ausgezahlt. Den offiziell genannten Löhnen die man da genannt bekommt ist also durchaus zu mißtrauen. Aber Autofahren im Gebiet Kaliningrad ist weit weniger spaßig geworden für die Einheimischen, soviel steht fest.

Read Full Post »

„James, Special request, fliegen Sie auf die Krim.„

Na ganz so dramatisch ist es nicht und ich bin nicht James Bond. Einmal Krim und zurück. Ziel? Simferopol, Aufgabe? Ein IT Training für Mitarbeiter der Regionalverwaltung für berufliche Bildung und Mitarbeiter der Berufsschulen zu eröffnen in der Hauptstadt der Autonomen Republik Krim.
“Abfertigung für Flüge auf die Krim in Terminal A„ des Kiewer Flughafens Borispol erfahre ich … in Terminal B, dem neueren der beiden Terminals. Wer ein Fan vergangener Sowjetzeiten ist, den entschädigt Terminal A zumindest zu 40 %. Ok, neues Gestühl gibt es, die Abflugtafel ist allerdings nur auf den zweiten Blick zu erspähen und die Sicherheitskontrolle erfolgt hinter Wänden die sehr an Berlin, U-Bahnhof Friedrichstraße erinnern. Nur daß an Stelle des “Gänse-Fleisch„ Vopos eine lächelnde (!!!) junge Dame die Tickets und den Paß entgegen nimmt. Also doch “Mauer-und-Spione-Feeling“? Chris de Bourghs „Borderline“ fällt mir ein.

An Bord der YAK 42 der ukrainischen Fluggesellschaft AEROSVIT presse ich mich in einen Sessel am Fenster in Reihe 13. Mein Nachbar zur Vorderen hat seinen Sitz schon in Schlafposition gebracht, wie schön. Nur meine Beine wollen einfach nicht in diese Sardinenbüchsenlücke. Ich zwänge mich so gut es geht hinein und drücke meinem Vordermann die Knie unbarmhMein Teddy muß miterzig in den Rücken. Das ist für uns beide gleich unangenehm und er richtet seine Sitzlehne wieder auf, 1:0 für mich, auch wenn meine Kniescheiben noch immer malträtiert werden. Jetzt noch beten daß niemand neben mir zu sitzen kommt. Der Herr erhört meine Gebete und und mein Rucksack und ich haben die ganze Sitzreihe für uns. Noch schnell den iPod angeschaltet. ich höre einen mir neuen Podcast, „In China da essen sie Hunde“ heißt er. Was es auf der Krim wohl geben mag? Die Yak rumpelt über die Startbahn und schon hebt sie ab. Mit einem Ruck wird das Fahrwerk eingezogen, es kann losgehen. “Simferopol, here I come„.

Was habe ich daraus gelernt ?

1. Beim Einchecken schnell zu sein und einen Sitz in Reihe 7 oder 14 ergattern. Dort sind die Notausgänge und damit auch so etwas wie Beinfreiheit. Da wir auf dem Flug ein Bonbon angeboten bekommen und keinen Wodka Martini, weder geschüttelt, noch gerührt, kommt so richtige James-Bond-Stimmung auch nicht auf.

2. Nur kann ich jetzt bereits ahnen warum AEROSVIT eben AEROSVIT heißt, ganz klar “sweet„, das Bonbon ist süß. Warum ich nicht gleich darauf gekommen bin?

Landung in Simferopol 90 Minuten später. Da ich meine Beine in der Zwischenzeit entlang meiner freien Nebenplätze bugsieren konnte, muß ich mich noch nicht einmal mit abgestorbenen Beinen aus dem Flugzeug bewegen. A pro pos Aussteigen. Es ist immer wieder schön zu sehen wie meine “Nun-Landsleute„ sich beeilen das Flugzeug zu verlassen. Schon als das Flugzeug noch rollt steht der Gang voll von ausstiegsbereiten Zeitgenossen, fertig gestiefelt und gespornt. Hat sich die Kabinentür endlich geöffnet, strebt die Menge dem Ausgang zu und die Treppe hinab zu dem Bus der sie dann vom Flugfeld bringen soll hin zum Abfertigungsgebäude. Und das alles hat einen Pferdefuß. Ich kann mich nämlich kaum zu solcher Hektik hinreißen lassen. Die Folge? Ein Bus voll Passagiere der zum Abfertigungsgebäude will … und auf mich warten muß.

Ankunft am Rande des Flughafens aber statt eines vollständigen Abfertigungsgebäudes begrüßt uns nur eine Überdachung, nichts mit Abfertigungsgebäude. Das Abfertigungsgebäude “leiht„ nur eine seiner Außenwände um das Gepäckband mittels eines Daches vor Regen, Schnee und weiterem Ungemach zu schützen. Unter diesem Dach läuft das Gepäckband. Und wie der Zufall es will, meine Tasche ist Nummer drei. Da hat die ganze Kohorte auf den Nachzügler gewartet und nun nimmt der seelenruhig seine Tasche und ist als einer der Ersten weg, na sowas.

Ich bin im Süden der Ukraine, rund 800 Km von Kiew entfernt gelandet. Im Süden hatte ich mehr “Süden„ erwartet. Und was dann kam war Winter, oder so ähnlich. Kleine Schneeflocken erwarten mich am Flughafen in Simferopol als ich mein Gepäck von einem Fließband unter offenem Himmel hebe. Gefühle der 6. Armee vor Stalingrad wollen sich zwar nicht einstellen, aber ich bin, wie so oft, falsch angezogen, jedenfalls für längere Aufenthalte im Freien. Nicht Mrs. Moneypenny, sondern eine Mitarbeiterin der örtlichen Verwaltungsabteilung für berufliche Bildung, Olga, und ihr Mann erwarten mich. Olga hat bisher alles gut organisiert. Es scheint ihr erstes Seminar mit einem Ausländer zu sein habe ich das Gefühl, aber sie meistert alles souverän. Das Hotel “Viktoria„, ein kleines gemütliches 3-Sterne-Hotel in dem ich dann eine halbe Stunde später unterkomme ,ist gut geheizt, so gleicht sich die Kälte auf dem Rollfeld aus. Im statistischen Mittel ist es angenehm warm auf der Krim im Februar.

Unverzeihlicherweise hatte ich mir nichts zu Essen mitgenommen, ein Fehler wie sich jetzt gegen 22.00 Uhr in einem Hotel in Simferopol herausstellt. „Der Koch sei leider schon zuhause“ – wie schön für ihn – und selbst ein paar Chips habe man nicht. Also “überbrückt„ eine Flasche Obolon Bier den Rest des Abends. Ok, ich habe auch so noch genug zutun.

Morgen – am Montag – beginnt das Training. “Simferopol die Zweite – Klappe ab, Film läuft …. und Action„.

Read Full Post »

altbau03.jpgAls ich zu Beginn der 80er Jahre im Rahmen einer Uni-Exkursion einmal in die damalige Hauptstadt der lettischen Sowjetrepublik Lettland fuhr, da hatten wir auch ein Treffen mit dem Stadtarchitekten zum Thema Stadtplanungsrecht. Im Laufe des Treffens erzählte uns der Architekt verschmitzt lächelnd, daß man in Riga die „Kunst des Altbaus“ beherrsche. Wir dachten dabei an die Altstadtsanierung und den Wiederaufbau. Zu unserem Erstaunen erklärte uns der Architekt aber, daß man darunter folgendes zu verstehen habe:

„Wir bauen so, das sieht schon alt aus.“

Daran fühlte ich mich erinnert als ich heute in unser vor drei Jahren erbautes Haus in Kiew zurückkam, in dem wir eine Mietwohnung im 15. Stock mit Blick über die Stadt bewohnen. Eine Mauer am Parkplatz hatte wohl dem altbau04.jpgAnecken eines Autos nicht standgehalten und war einfach weggebrochen. Aber auch im Haus selbst zeugen auf Putz verlegte Kabel und Türeinfassungen, die ein Baukollektiv wohl in der Mittagspause mittels Taschenmesser zurechtgeschnitzt haben, davon, wo „fleißige Handwerker“ – ja die aus dem Kinderlied – gebaut, man muß wohl eher sagen gewütet haben. Auch Maler scheinen seinerzeit einen eklatanten Mangel an „Zielwasser“ gehabt zu haben. Anders kann ich mir die Malkünste, bei denen schon mal Fußleiste und anschließende Wand verwechselt worden, nicht erklären.

„Sie taten so als bezahlten sie uns und wir taten dafür so als ob wir gearbeitet hätten.“

Dieser alte Slogan der Arbeiterklasse, der die „innere Kündigung“ gut umschreibt, scheint sich bis in die Neuzeit gerettet zu haben. Schnell, dafür aber nicht unbedingt qualitativ bemerkenswert zu bauen, das ist das Motto der Zeit. Türen die schlecht schließen, Fenster die auf das unabdingbare Minimum beschränkt werden, alles egal. Hauptsache verkauft.

altbau05.jpgDa wundert es schon nicht mehr daß eine bestimmte Sicherung immer und immer wieder rausfliegt und folgerichtig kann man sich beim Wechseln einer Birne auch schon mal auf eine engere Bekanntschaft mit den E-Werken der Stadt Kiew einstellen und mal antesten wie das ist wenn man denn auf dem elektrischen Stuhl landet. So ging es mir neulich.

Nun ja, die Fassade ist bereits westlich, der Inhalt leider noch nicht überall. „I’m back in the USSR“ – die Beatles lassen schön grüßen. Sorry für die schlechte Bildqualität, war mein NOKIA – darf man die noch erwähnen – Communicator 9500.

Read Full Post »

Older Posts »